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Rosenkohl: Igitt. Spinat: Schmeckt nicht. Brokkoli: Nein danke. Wohl jeder kennt Nahrungsmittel, die er nicht mag. Gerade in der frühkindlichen Trotzphase gibt es aber Kinder, die nicht nur eine Speise verweigern, sondern eine ganze Reihe davon. Im Extremfall kann es sein, dass sie an jeder Mahlzeit etwas zu mäkeln haben und wochenlang nur Nudeln mit Butter und Salz zu sich nehmen.
Eltern müssen sich aber deshalb keine allzu großen Sorgen machen. Wie eine Langzeitstudie der Universität Stanford beweist, droht selbst Kindern, die stark selektiv essen, nicht das Schicksal des Suppenkaspers: Über kurz oder lang holen sie sich die Nährstoffe, die sie brauchen.
„Nehmen wir an, man würde ihnen die Nahrungswahl überlassen und sie würden nur noch Nutella-Toast essen. Nach einer Weile hätten sie das satt und würden von alleine nach Abwechslung verlangen“, sagt Ulrich Gerth von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth.
Grundsätzlich ist es für Eltern nicht einfach, auf die Essensverweigerung richtig zu reagieren. „Ein Stück weit ist es eine Frage des Typs: Das eine Kind isst gerne, viel und alles – das andere ist wählerisch und isst wie ein Spatz“, erklärt Gerth. Neben der Typfrage spielen auch psychologische Faktoren eine Rolle. „Oft geht es beispielsweise um Autonomie“, sagt Gerth. Die Nahrungsaufnahme sei etwas Persönliches. Indem Kinder sie verweigern, ziehen sie eine Grenze zwischen sich und ihren Eltern. Dadurch wird signalisiert: „Da redest du mir nicht hinein.“ Der Versuch, sich über den Willen der Kinder hinwegzusetzen, sei besonders in der Trotzphase wenig erfolgreich, sondern kontraproduktiv.
„In vielen Fällen ist es so, dass Kinder durch Herummäkeln am Essen im Mittelpunkt stehen und Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen“, erklärt Thomas Ellrott vom Institut für Ernährungspsychologie in Göttingen. Eltern, die sich Tag für Tag auf Diskussionen einlassen, würden die Situation eher verschlimmern: Denn dadurch wird das Mäkeln interessant.
„Natürlich spielen auch die Eltern als Vorbilder eine Rolle“, nennt Ute Alexy vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund einen weiteren Aspekt. Wer etwa als Zwischenmahlzeit selbst nie Obst und Gemüse, sondern stets Schokolade und Chips isst, brauche sich nicht zu wundern, wenn sein Kind es genauso macht.
Umgekehrt kann man das Essverhalten der Kleinen auch positiv beeinflussen: „Zum Beispiel, indem man die gewünschten Lebensmittel vor ihnen mit Genuss in den Mund steckt“, sagt Alexy. Wichtig sei die Art und Weise, wie man Kinder an unbekannte Speisen heranführt. „Wenn sie etwas nicht kennen, sind sie oft sehr skeptisch. Das ist eine ganz normale Reaktion, die evolutionsbiologisch veranlagt ist“, erklärt Alexy. Klappt es beim ersten Mal nicht, sollte man nicht gleich aufgeben. Es gibt Kinder, die für die Gewöhnung an neue Lebensmittel länger brauchen. Ernährungswissenschaftliche Studien zeigen: Manche Kinder greifen erst beim 18. Mal zu.
Eltern können den Prozess beschleunigen, indem sie variieren — also Karottenbrei anbieten, wenn Karottensalat verschmäht wurde. Oder indem sie die Speisen fantasievoll anrichten: Kinder probieren Gemüse und Obst in Tierform oder als lachendes Gesicht einfach lieber. Eltern könnten aber auch geliebte Speisen mit ungeliebten kombinieren — wie Gemüse mit einem Klecks Ketchup. Sie könnten mit den Kleinen kochen oder den Kindergarten-Freund, der alles isst, öfter zum Essen einladen.
Schlecht sind dagegen Aufforderungen wie „Jetzt iss schon, das ist gesund“, weil Kinder aus solchen Bemerkungen schließen, dass gesundes Essen nicht gut schmecken kann. „Auf diese Weise verknüpfen Kinder 'gesund' mit der Erfahrung 'schmeckt sowieso nicht'“, erläutert Ellrott.
Bleibt ein Kind bei vielen Lebensmitteln stur, kostet das die Eltern oft Nerven. „Es ist trotzdem wichtig, die Freude am Essen immer zu fördern und keinen Druck auszuüben“, erklärt Alexy.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.