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Es sind schon diese nervenden Kleinigkeiten: Im Autoradio wünschen sie einem einen „guten Morgen“, dabei will man doch „selbst entscheiden, ob dies ein guter oder ein schlechter Morgen wird“. Besonders, wenn man mit lauter drögen Zeitgenossen im Stau steht. Daniel Putkammer ist ein Angestellter wie viele, quält sich zweimal am Tag durch den Verkehr, um im Büro die immer gleichen Sprüche und die triebgesteuerten Rollenspiele von Kollegen zu ertragen.
Wenn es schlecht läuft, wird man zum Chef zitiert, der einen womöglich nach Rumänien versetzen will... Für Putkammer läuft es schlecht, also rettet er sich in die oberflächlichen Unterhaltungen mit Freunden, Nachbarn, Kollegen, die aber so inhaltsleer sind wie der Tagesablauf. Autor Kluck legt seinen Figuren (hier im fliegenden Wechsel mit viel Lust am Drastischen von Barbara Seifert, Miriam Kohler, Achim Schelhas und Thomas Witte gespielt) die ganze Abscheu vor dem sinnlosen, von Hierarchien geprägten Alltag in den Mund. Inklusive saftiger Kraftausdrücke.
Das wäre alles schwer erträglich, gäbe es nicht Sprachwitz, brillant beobachtete Szenen aus dem Hier und Heute, den Lupenblick auf Großstädter mit unerfüllten Träumen und verletzten Eitelkeiten. Regisseur Stephan Hoffstadt lässt die Szenen genüsslich überzeichnen, bis zur Selbst-Entblößung gehen diese Gefangenen des Konventions-Systems. Ihre coolen Sprüche sind nur der Anfang, einmal enthemmt, zeigen sie fratzenhaft Gier nach Anerkennung, Liebe, Sicherheit.
Als Bühne (Christian Vittinghoff) reicht eine Wand aus Stoffbahnen, hinter denen man hervorlugen oder sich verstecken, sich per Live-Video zuschalten oder als Schattenriss verschwinden kann. Beachtliches Theater mit einer ordentlichen Prise Wirklichkeit.
Aufführungen: 5.–8. Oktober, 9.–12. November, Karten-Tel. 0911/ 261510.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.