|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
Was für ein reich gedeckter Tisch für Kabarettisten: Die absonderlichen Zeitläufte und deren noch absonderlichere Handlungsträger hat Dieter Hildebrandt im Visier, wenn er, der bald 85-Jährige, in ungebremstem Furor über eben jene Absonderlichkeiten sinniert und kräftig darüber herzieht.
Man muss sich das einmal vorstellen: Da sitzt auf der großen Bühne des Markgrafentheaters auf einem Stuhl ein Mann, der nach altersgemäßer Einschätzung ein Greis ist, vor sich nur einen Tisch, auf dem sein Manuskript liegt. Keine Showeffekte, keine Gimmicks müssen hier unterstützend eingreifen. Die cleveren und clever deklamierten Denkkaskaden sprechen für sich.
Dieter Hildebrandt ist in seinem Element, wenn er sich den ewig lächelnden Bundespräsidenten, die Weihnachtsansprache der Bundeskanzlerin, den Zustand der FDP und „gehäkelte“ Rettungsschirme vorknöpft. Überhaupt die Regierung: Die Wahlen zu deren Bildung erinnerten immer mehr ans Ausfüllen eines Lottoscheins, „aber in diesem Kabinett gibt es noch nicht einmal drei Richtige.“ Protagonisten der aktuellen Regierung, die Blindheit gegenüber Rechtsextremismus, Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche, die Griechen-Pleite, Banker-Unwesen und Afghanistan-Einsatz: Sind es eben noch die launigen, aber nichtsdestotrotz subtil-nadelstichigen Einzeiler, die Missstände in Politik und Gesellschaft sarkastisch bloßstellen, folgen sogleich bitterböse formulierte Repliken auf die Zumutungen der Zeit. Hildebrandt kennt da kein Pardon, teilt nach allen Seiten aus und wirkt in seinem furiosen Vortrag auch befreiter, nicht mehr so verbiestert wie noch vor einigen Jahren.
Abgewatscht wird kräftig: Peter Hartz, Redakteure (respektive deren Deutschkenntnisse) von Tageszeitungen und Magazinen, Nording-Walking-Frauengruppen, Lach-Yoga-Teilnehmer — wie Hildebrandt in seinem unnachahmlich stotternden Assoziations-Reihung-Karussell vom einen zum anderen kommt, ist immer noch sprachlicher Genuss und intelligentes Vergnügen in einem.
Komik und Chaos verzahnt er so geschickt, dass selbst bei Themenbereichen wie Burnout-Phänomen, Mini-Jobs, Hirnprothese und TV-Unterhaltung der grassierende Irrsinn auf so subtil-demaskierende wie böse-funkelnde Art gänzlich klar aufgeschlüsselt wird.
Und selbst vor dem eigenen Alter macht er nicht halt: Sein Alten-Rap (inklusive taktschlagendem Gehstock) ist von augenzwinkernder Wahrhaftigkeit. Ein 84-jähriger Dieter Hildebrandt in Bestform! Brandender Applaus.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.