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Vom Publikum - man erwartet es gar nicht mehr anders — wurde das Intermezzo bestens angenommen. „Gibt es wirklich gar keine Karte mehr?“, fragt ein Mann mit fast flehender Stimme die Dame am Ticket-Stand, die nur bedauernd den Kopf schütteln kann. „Das ist ja doof!“ In der Tat, denn der arme Zeitgenosse hat etwas verpasst: Die Niederländer „Di Gojim“, die vor Jahren schon als Begleitband von Bente Kahan beim Klezmerfestival zu hören waren, sorgten für einen spritzigen Auftakt.
Das agile Quintett spielt einen schwungvollen Klezmerstil, der mühelos Folk- und Jazz-Elemente integriert. Die Spezialität der Gruppe sind die extra fürs hiesige Publikum eingedeutschten Versionen von Liedern des sowjetischen Sängers Wladimir Wyssozki. Dessen Songs erzählen nicht nur von einem brennenden Lebenshunger, sie berichten auch Amüsantes über die Besonderheiten des sowjetischen Flugverkehrs.
Ein Genuss, nicht zuletzt dank des traumwandlerisch lockeren Zusammenspiels der Musiker. Im Anschluss wieder eines dieser Crossover-Projekte, die stilistisch zwischen allen Stühlen landen, aber gerade deswegen den Reiz des Festivals ausmachen: Der Klezmatics-Sänger Lorin Sklamberg und die irische Folksängerin Susan McKeown spüren den gemeinsamen Wurzeln der jüdischen und der irischen Musiktraditionen nach. Und werden fündig: Einfühlsam begleitet vom Gitarristen Aidan Brennan vereinigt das Duo dunkle irische Balladen und humorige jüdische Theaterlieder, jiddische, gälische und englische Sprache und fördert dabei teils erstaunliche Parallelen zutage.
McKeowns voller, warmer Alt und Sklambergs eigentümlich hoher Tenor umgarnen sich bei diesen meist tragischen Liedern über Verrat, Heimweh, Mord und Totschlag in dunkel schimmernder Harmonie. Glücklich, wer sich einen Platz für die Workshops der beiden sichern konnte.
Der traditionellen Schule verpflichtet ist der amerikanische Geiger Steven Greenberg, der auch in der fränkischen Klezmer-Szene einen exzellenten Ruf als Lehrer und Musikhistoriker genießt. In seiner Band vereinigt er mit Szene-Cracks wie Alan Bern oder dem in diesen Zusammenhang unvermuteten Hitzkopf Daniel Khan ein wahres All-Star-Ensemble.
Sein neues Programm, eine Hommage an den jüdischen Violinisten Stempenyu aus dem 19. Jahrhundert, zeigt ihn als beherzten Traditionalisten, dessen wunderschön singender, perfekt artikulierter Geigenton für einige Längen in den meist ruhig-
mediativ dahinfließenden Kompositionen entschädigt.
Gut, dass bei den Dänen „Mames Bebegenush“, dann flugs die Stühle entfernt werden: Die sechs Blondschöpfe wirken optisch zwar eher wie eine Achtziger-Jahre-Popper-Gang, spielen aber ein energetisches Balkan-Klezmer-Gebräu, das in die Beine fährt. „Mamas Auberginensalat“ — so die Übersetzung des Bandnamens — hat beim Publikum eine vitalisierende Wirkung, und so kommt am Samstagabend auch das Partyvolk auf seine Kosten. Von den Existenzängsten, die andere „Sparten-Festivals“ plagen, ist in Fürth nichts zu spüren: Das Konzept passt, die Finanzen sind gesichert und das Volk strömt in Massen.

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