Gedichte sind die wahre Leidenschaft von Gerhard Falkner, der 1951 in Schwabach geboren wurde. Aber von Poesie allein kann man nicht leben. Daher verdient der „arme Poet“, der abwechselnd in Berlin und Weigendorf lebt, sein Geld vor allem mit dem Übersetzen von Kriminalromanen aus dem Englischen. Nebenbei kassiert er auch so ziemlich alle wichtigen Literaturpreise und Stipendien ab. Zuletzt erhielt er den renommierten Kranichsteiner Literaturpreis, den Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik und den Ansbacher August-von-Platen-Preis. Im Herbst folgt die Verleihung des Nürnberger Preises für Kunst und Wissenschaft. Und zur Zeit genießt er als Preisträger des „Spycher: Literaturpreis Leuk“ ein fünfjähriges Gastrecht in dem Schweizer Städtchen am Oberlauf der Rhône.
Vor allem als Lyriker hat sich Falkner international einen Namen gemacht, er gehört zu den wichtigsten Vertretern deutschsprachiger Gegenwarts-Lyrik. „Hölderlins Reparatur“ heißt sein letzter Gedichtband. Falkner gilt als „schwieriger Autor“: Er schreibt oft sperrige Texte und bleibt gern auf Distanz. Deswegen wurde er trotz seiner überregionalen Anerkennung in seiner alten Heimat lange Zeit fast übersehen.
Um so erstaunlicher ist die neueste Publikation des intellektuellen Dichters: „Kanne Blumma“ heißt sein erster Band mit fränkischen Mundarttexten, der im Herbst im Verlag ars vivendi erscheinen soll. Allerdings wehrt Falkner falsche Erwartungen bereits im Vorfeld ab: „Ich bin kein Mundartdichter. Ich möchte auch denen, die das sind, weder den Rang noch das Feld streitig machen. Die Mundart ist, trotz all ihrer Qualitäten, für die unübertreffliche Klarheit des hohen Tons ungeeignet – und kommt daher für mich nicht in Frage.“
Auslöser für das Sprachexperiment war eine Sprach-Installation auf Spiegelglas für das Nürnberger „Café Lorenz“. Falkner war vor allem von der herzhaften Reaktion der Gäste fasziniert, die die rätselhafte Dialektinschrift mühsam entschlüsselten. „Für mich war die Arbeit an ,Kanne Blumma’ in erster Linie ein Versuch, und, wie sich herausstellte, auch eine phänomenale Möglichkeit, innerhalb meiner dichterischen Arbeit einen noch mal ganz anderen Weg des Experiments zu gehen“, erklärt Falkner.
Der Schriftsteller, der seine Karriere als Buchhändler in Nürnberg begann, schreibt aber nicht nur Gedichte, sondern auch Theaterstücke („Alte Helden“, „Der Quälmeister“). Einem größeren Publikum wurde er in Nürnberg durch eine Auftragsarbeit zum Stadtjubiläum im Jahr 2000 bekannt: Er schrieb das Libretto für die Kammeroper „A Lady Dies“.
Aufsehen erregte auch seine Novelle „Bruno“, die auf der wahren Geschichte des gleichnamigen „Problembären“ beruht, der 2006 im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet für Schlagzeilen sorgte. Falkner geht es allerdings weniger um Bruno als vielmehr um den Selbstfindungsprozess des Ich-Erzählers, der leicht als Alter Ego des Autors zu erkennen ist. Das Problem, so viel wird klar, ist nicht der Bär, sondern der Mensch.
In der Novelle beklagt sich der arme Poet über sein Schicksal: „Mehr als ein Dutzend Bücher hatte ich inzwischen geschrieben und veröffentlicht und mich damit in eine erbärmliche, ja fast aussichtslose Lage gebracht. Schließlich war auch noch meine Frau nach über zwanzig Jahren endlich zu der Überzeugung gelangt, dass ich ein Ungeheuer sei. Ich verlor mein Zuhause, meine Zuversicht und im Grunde genommen einfach jeglichen Zweck.“
