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Die Genetiks: Geisterfahrer aus Überzeugung

Am Mittwoch tritt das Trio im Nürnberger Künstlerhaus auf - 24.09.2012

„Salve, wir sind die Genetiks“: Das Trio um Bandgründer, Sänger und Gitarrist Maik Dornberger (Mitte) tritt am Mittwoch im Nürnberger K4 auf.

„Salve, wir sind die Genetiks“: Das Trio um Bandgründer, Sänger und Gitarrist Maik Dornberger (Mitte) tritt am Mittwoch im Nürnberger K4 auf. © PR


Die Ansage ist deutlich: „Entweder Du oder der König muss gehen.“ Doch irgendetwas stimmt immer nicht in der Welt der Genetiks, die aus Nürnberg kommen und Punkrock im weitesten Sinne spielen. Die Band ist in erster Linie Maik Dornberger. Der Sänger und Gitarrist hat die Truppe 1999 gegründet und ist längst der letzte Überlebende der Urbesetzung. Mit Frank Schlosser und Björn Rogatti an den Positionen Keyboards und Schlagzeug sind nun jedoch schon seit geraumer Zeit zwei treue Mitstreiter ebenfalls dem genetischen Wahnsinn verfallen, was den Bandchef bei näherer Betrachtung selbst bedenklich stimmt.

Denn es gibt weiß Gott Musikgruppen, mit und in denen es einfacher ist. Einzig die Position am Bass bleibt ein Schleudersitz. Die Zahl der verschlissenen Mitstreiter ist hier Legion, fast jeder Musiker in und um Nürnberg hat schon mal an den vier Saiten ausgeholfen – und das, wo die pumpenden Basslinien den Sound so massiv prägen.

„Die Genetiks sind kein Hobby, keine Bussi-Bussi-Band und kein sozialpädagogisches Projekt, sondern eine todernste Angelegenheit“, sagt Maik Dornberger, dem eine feste Mannschaft wichtig ist, um „dieses komische Kunstprojekt“ weiter voranzutreiben. „Denn alleine auf der Bühne, das ist kein Rock’n’Roll.“ Als Gruppe sind die Genetiks demokratisch im Urverständnis: Gibt es ein Veto, dann landet die Idee im Papierkorb. Wenn Mr. Genetik jedoch der Ansicht ist, dass sein Drummer möglichst wenig mit den Becken machen sollte, dann wird das trotzdem unweigerlich zu langen Diskussionen führen. Irgendwie herrscht eh immer dicke Luft im Genetiks-Camp, der Haussegen hängt ständig schief. Doch am Ende des Tages ist das Team wieder alles, was zählt.

Und dann ist da die stete Lust an der Provokation: gegen die Welt, vor allem aber auch gegen die eigene Szene, die es bei genauem Hinsehen eigentlich schon gar nicht mehr gibt. Weil der Astronaut in dem gleichnamigen Lied seine Frau und sein Kind schlägt, sind die Genetiks in Hamburg mal aus einem explizit linken Laden geflogen. Auch, wenn er es nie zugeben würde: Maik Dornberger läuft so eine Aktion gut rein. Denn nur wo Reibung ist, kann Energie entstehen.

Wo man bei anderen sogenannten Indie-Kapellen schon froh ist, wenn sie überhaupt eine Ecke oder Kante haben, sind die Genetiks ein einziger Bruch. Mit behändem Stift wirft Dornberger Text-Fragmente in den Ring, verankert Bilderskizzen im Hirn des Zuhörers. Beackert werden die unterschiedlichsten Themenfelder von Politik bis Partnerschaft, doch am Ende steht fast immer die Sartre’sche Erkenntnis, dass der Mensch nun mal eine gemeine Marmelade ist. Nebulös und verstörend ist sie, die Welt der Genetiks – voller Verzweiflung, Vorwürfe und lauernder Brutalität. „Du hast gesagt, Du kommst allein. Ihr kommt zu zweit!“, heißt es da an einer Stelle, oder: „Hey Bello, du kannst doch jetzt nicht gehen, hey Bello – wir müssen das durchziehen!“

Das Urvieh rauslassen

„Schwarzbuch Deutscher Postpunk“ ist der Titel des dritten Albums, das im letzten Jahr bei dem Bayreuther Gothic-Label „Danse Macabre“ erschienen ist. Auf dem präsentieren sich die Genetiks eine Spur poppiger, mit dem Gesang weiter im Vordergrund und dennoch ihrem tanzerprobten Mix aus PostPunk (Joy Division), New Wave (Gary Numan) und intelligentem Hardcore (Fugazi, NoMeansNo). Die Erben der Hamburger Schule winken im Vorbeifahren aus dem Taxi, der Rest sind schwitzende Männer, die das Urvieh rauslassen.

EA80, Fliehende Stürme und Fehlfarben sind die wenigen Vergleichsmomente, die einem zu den Genetiks einfallen. Mit letzteren wird das Trio am Mittwoch, 26. September, ab 20 Uhr auf der Bühne des Festsaals im Künstlerhaus, Königstraße 93 in Nürnberg, stehen. Behalten wir eine der spannendsten Bands der lokalen Szene weiter im Auge.

Mehr Infos online unter www.genoton.de
  

STEFAN GNAD

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