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„Die Welt der Spione in meinen Büchern ist eine Metapher für die große Welt, in der wir alle leben. Wir beschummeln einander, belügen uns selbst, erfinden kleine Geschichten und schauspielern uns durchs Leben“: John le Carré, inzwischen 80 Jahre alt, hat selbst am besten beschrieben, was die Faszination seiner Romane ausmacht. Vor der Angst und Verunsicherung, die wir alle kennen, sind auch die Top-Agenten des britischen Geheimdienstes nicht gefeit. Das Misstrauen ist Teil des Systems, erst recht, wenn klar wird, dass sich ein Maulwurf in die verschworenen Reihen des „Circus“, der Londoner MI6-Zentrale, eingeschlichen hat.
Als einer der Agenten in Budapest Kontakt zu einem Überläufer aus dem Osten aufnehmen soll, kommt es zum Desaster. Eine unbeteiligte Frau wird erschossen, der Agent von einer Kugel niedergestreckt. Für den Chef des Circus, den alle nur Control nennen (John Hurt als weiser, einsamer alter Despot), bedeutet die aus dem Ruder gelaufene Mission das unfreiwillige Ende seiner langen Karriere.
Auch sein engster Vertrauter George Smiley (Oscar-nominiert: Gary Oldman) muss abtreten, wird aber ein Jahr später zurückgeholt, um einem alten Verdacht nachzugehen: Damals in Budapest muss es einen Verräter gegeben haben. Als Täter in Frage kommt neben den Topspionen Alleline (Toby Jones), Bland (Ciarán Hinds), Haydon (Colin Firth) und Esterhase (David Dencik) auch Smiley selbst. So ziehen sich die Fronten mitten im Kalten Krieg bald durch die eigenen Seilschaften.
Doch der schwedische Regisseur Tomas Alfredson legt keine Fährten zum Verräter, sondern schafft stattdessen eine beunruhigende düstere Atmosphäre, bei der alles – vor allem die Frage, wie weit man einander noch trauen kann – in der Schwebe bleibt. Die tristen, mit Akten vollgestopften Büroräume, in denen der Staub der Jahre hängt, der graue Londoner Himmel, die detailgetreue 70er-Jahre-Ausstattung, die langen Kamera-Einstellungen lassen eine Welt entstehen, die im Stillstand zu verharren scheint und zugleich ins Wanken gerät.
Die Jüngeren übernehmen das Ruder, Smiley weiß, dass es sein letzter Auftrag ist. Wie Gary Oldman ihn mit großer Brille als nachdenklichen Melancholiker gibt – ein stiller, machtbewusster Veteran, der undurchschaubar bleibt –, das macht ihn zum würdigen Nachfolger von Alec Guinness, der die Rolle in der legendären BBC-Fernsehserie spielte. Etwas Action gibt es natürlich auch, doch seine Spannung entfaltet dieser topbesetzte Thriller in den entschleunigten, fast nostalgischen Momenten. (F/GB/D/ 127 Min.; Cinecittà, Metropolis, Nbg.; Manhattan, Erl.)

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.