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Karge, steinige Gebirgslandschaften so weit das Auge reicht. Ein staubiger Pfad oder ein verwitterter Telefonmast sind das einzige, was die faszinierend trostlose Szenerie in der Provinz Sivas zerschneidet - mitten im Herzen Anatoliens. Der spröde Charme dieses uralten Landstrichs ist nicht nur für eindrucksvolle Fotos gut, sondern hat auch Generationen türkischer Poeten und Musiker als Inspirationsquelle für sehnsuchtszerrissene Lieder gedient.
Berühmte Zeilen
Doch niemand hat den von Einsamkeit und Vergänglichkeit geprägten Charakter der zentralanatolischen Landschaft je besser durchschaut als ausgerechnet der blinde Volkspoet Aþýk Veysel Þatýroðlu. «Auf einem langen schmalen Pfad wandle ich, laufe Tag und Nacht, ohne zu wissen, wie es um mich steht«, lauten die bekanntesten Zeilen, die der 1973 verstorbene Analphabet verfasst hat.
Worte, die nicht nur im kleinen Dörfchen Sarkýþla, in dem Þatýroðlu 1894 zur Welt kam, oder der umliegenden hügeligen Einöde Spuren hinterlassen haben: Popstar Tarkan, Phil Collins und Joe Satriani sind nur einige Namen auf der langen Liste von Musikern, die dieses Lied des blinden Poeten interpretiert haben.
Die Saz als Kulturgut
In ihrer 55-minütigen filmischen Reise beleuchten Jochen Menzel und Gülseren Suzan aber nicht nur den musikalischen Siegeszug der schlichten und dennoch tiefgründig universellen Klänge Aþýk Veysels, die es aus der Einöde Zentralanatoliens bis in die Konzertsäle der Schweiz geschafft haben. Die beiden Nürnberger Filmemacher führen das Publikum auch ein in die volkstümliche Seele der Türkei, die ihre Ursprünglichkeit bis heute bewahrt hat. Eine Kultur, in deren Zentrum die Saz steht, eine türkische Laute, die in Anatolien nie nur Musikinstrument war, sondern auch Symbol für Widerstand und Kritik an der Obrigkeit sowie religiöses Kultwerkzeug in den Gottesdiensten der alevitischen Konfession.
Mit «Anatolia Blues« haben Jochen Menzel und Gülseren Suzan dem bis heute verehrten Meister dieses Instruments, Aþýk Veysel Þatýroðlu, ein filmisches Denkmal gesetzt.
«Anatolia Blues« ist am Sonntag, 7. März, 11 Uhr, im Festsaal des Künstlerhauses zu sehen.
Fr. 22.03.13
Sa. 16.03.13
Do. 14.03.13
Mo. 12.03.12
Fr. 09.03.12