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Film-Denkmal für den anatolischen Poeten

«Anatolia Blues« ehrt den Poeten Aþýk Veysel und gewährt Einblick in die Seele der Türkei - 05.03.2010

NÜRNBERG  - Hommage an einen blinden Poeten, der die Welt durchschaut hatte: Die Nürnberger Filmemacher Jochen Menzel und Gülseren Suzan würdigen mit «Anatolia Blues - in Memoriam Aþýk Veysel«, einen Künstler, der die türkische Musiktradition geprägt hat, wie kaum ein anderer. Zu sehen ist «Anatolia Blues« nun erstmals beim Filmfestival Türkei/Deutschland.

Jochen Menzel spricht mit Musikern im Dorf des verstorbenen Poeten Aþýk Veysel
Jochen Menzel spricht mit Musikern im Dorf des verstorbenen Poeten Aþýk Veysel
Foto: oh

Karge, steinige Gebirgslandschaften so weit das Auge reicht. Ein staubiger Pfad oder ein verwitterter Telefonmast sind das einzige, was die faszinierend trostlose Szenerie in der Provinz Sivas zerschneidet - mitten im Herzen Anatoliens. Der spröde Charme dieses uralten Landstrichs ist nicht nur für eindrucksvolle Fotos gut, sondern hat auch Generationen türkischer Poeten und Musiker als Inspirationsquelle für sehnsuchtszerrissene Lieder gedient.

Berühmte Zeilen

Doch niemand hat den von Einsamkeit und Vergänglichkeit geprägten Charakter der zentralanatolischen Landschaft je besser durchschaut als ausgerechnet der blinde Volkspoet Aþýk Veysel Þatýroðlu. «Auf einem langen schmalen Pfad wandle ich, laufe Tag und Nacht, ohne zu wissen, wie es um mich steht«, lauten die bekanntesten Zeilen, die der 1973 verstorbene Analphabet verfasst hat.

Worte, die nicht nur im kleinen Dörfchen Sarkýþla, in dem Þatýroðlu 1894 zur Welt kam, oder der umliegenden hügeligen Einöde Spuren hinterlassen haben: Popstar Tarkan, Phil Collins und Joe Satriani sind nur einige Namen auf der langen Liste von Musikern, die dieses Lied des blinden Poeten interpretiert haben.

Die Saz als Kulturgut

In ihrer 55-minütigen filmischen Reise beleuchten Jochen Menzel und Gülseren Suzan aber nicht nur den musikalischen Siegeszug der schlichten und dennoch tiefgründig universellen Klänge Aþýk Veysels, die es aus der Einöde Zentralanatoliens bis in die Konzertsäle der Schweiz geschafft haben. Die beiden Nürnberger Filmemacher führen das Publikum auch ein in die volkstümliche Seele der Türkei, die ihre Ursprünglichkeit bis heute bewahrt hat. Eine Kultur, in deren Zentrum die Saz steht, eine türkische Laute, die in Anatolien nie nur Musikinstrument war, sondern auch Symbol für Widerstand und Kritik an der Obrigkeit sowie religiöses Kultwerkzeug in den Gottesdiensten der alevitischen Konfession.

Mit «Anatolia Blues« haben Jochen Menzel und Gülseren Suzan dem bis heute verehrten Meister dieses Instruments, Aþýk Veysel Þatýroðlu, ein filmisches Denkmal gesetzt.
«Anatolia Blues« ist am Sonntag, 7. März, 11 Uhr, im Festsaal des Künstlerhauses zu sehen. 

Volkan Altunordu


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Zum Thema
Filmfestival Türkei-D
Seit:
1992
Turnus:
jährlich seit 2003 (davor unregelmäßig)

Termin:
14. bis 24. März 2013
Kurzbeschreibung:
Das Nürnberger Filmfestival Türkei-Deutschland gilt hierzulande als das bedeutendste interkulturelle Kino-Ereignis zwischen den beiden Ländern. Initiiert wurde das Festival 1992 ursprünglich als Türkei Filmtage bis es nach einigen Höhen und Tiefen seinen festen Platz im Nürnberger Kulturleben einnahm und schließlich zur bundesweit wichtigsten Plattform für den gemeinsamen Auftritt deutscher und türkischer Filmemacher wurde.
Veranstalter:
InterForum in Kooperation mit Amt für Kultur und Freizeit und KunstKulturQuartier
Besucher:
10.000 im Jahr 2012
Teilnehmer:
59 Filme im Jahr 2012