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Im Herbst wird er 70, und seit fünf Jahrzehnten verfolgt er mit ruhiger Beharrlichkeit seinen ureigenen Weg als Künstler, Kunstkritiker und -lehrer. Der bundesdeutsche Bilderstreit der frühen 60er Jahre bestärkte ihn in seiner instinktiven Ablehnung künstlerischer Dogmen.
Die unkontrollierten Zuckungen der nach 1945 die westdeutsche Szene fast allein bestimmenden Abstrakten Expressionisten entsprachen dem Naturell von Rolf-Gunter Dienst ebenso wenig wie die Sterilität der „sauber getünchten” Farbfelder, welche manchem jungen Oppositionellen damals als einzig mögliche Alternative galten.
Dienst wollte das Beste aus den verschiedenen „Schulen” der abstrakten Kunst miteinander verbinden. Er strebte nach einer Synthese von Einfachheit und Komplexität, von Freiheit und Ordnung, von individueller Handschrift und kompositorischer Strenge. Er entwickelte einen Stil, dessen Basis eine Art malerische Kurzschrift war: elegante kleine Pinselschwünge, die durch planvoll-bedächtig Reihung geometrische Figuren bilden.
So erreichte der Künstler einerseits eine zweckgerichtete Kontrolle der abstrakt-expressiven Gestik, andererseits führte seine Methode der konsequenten Zeichen-Verdichtung zu einer raffinierten strukturellen Belebung der Farbflächen.
Seither zeigen die Bilder von Dienst stets zwei Gesichter: Bei der Betrachtung aus einigem Abstand scheinen sie ganz den ästhetischen Richtlinien der konket-konstruktiven Malerei zu folgen, in der Nahsicht entpuppt sich der vermeintlich glatte Farbauftrag der Bänder und Quadrate als ein verhalten „gestisches” Linien-Geflecht oder -Gespinst.
Betrachter, welche die Feinheit der Pinselschrift nicht weniger interessiert als der Bildaufbau, all jene, die genau wissen wollen, welcher Zusammenhang zwischen Basis-Chiffre und Gesamt-Konzept besteht, müssen im tatsächlichen wie im übertragenen Sinn bereit sein, mehrmals ihren Standort zu wechseln. Eine Verfahrensweise, die durchaus auch in allen anderen Bereichen des intellektuellen Lebens hilfreich sein kann.
Etwas unmittelbarer offenbaren sich die bemerkenswerten Reize der Handzeichnungen von Rolf-Gunter Dienst. Das sind kalligraphische Gebilde, die durch die Zusammenfügung winziger linearer Elemente (Kreise, Ovale, Häckchen) entstanden sind. Durch die Akkumulation dieser – die gesamte Bildfläche füllenden – Elemente entsteht ein starker Eindruck von Dichte und Kohärenz, aber auch die Illusion wellenartiger Bewegung. Dienst versetzt uns in eine stille, geheimnisvolle Welt, in der das einzelne Teilchen sich standig und ganz unspektakulär im übergeordneten Ganzen auflöst.
Kunstmuseum Bayreuth, Maximilianstraße 33, Bayreuth: Rolf-Gunter Dienst. Bis 18. März, Di. bis So. 10 bis 17 Uhr. Weitere Infos im Internet unter der Adresse www.kunstmuseum-bayreuth.de

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.