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Hier ist man dem Musik-Himmel ganz nah

Hat das Zeug zum Dauerbrenner: Das gelungene zweite „Folk im Park“-Festival im Marienbergpark - 06.08.2012 19:44 Uhr

Nürnberg  - Bob Dylan oder lieber Mumford & Sons? Nein, im Fall von „Folk im Park“ gilt es nicht, sich zwischen einem Songwriter-Gott und einer Newcomer-Band zu entscheiden, sondern schlicht zwischen Lauch, Schinken und Creme Fraiche oder Pfifferlingen, Schinken und Zwiebeln.

Ein Hauch von Woodstock wehte durch den Marienbergpark - hier beim Auftritt von "The Moonband".
Ein Hauch von Woodstock wehte durch den Marienbergpark - hier beim Auftritt von "The Moonband".
Foto: Eduard Weigert
Ein Hauch von Woodstock wehte durch den Marienbergpark - hier beim Auftritt von "The Moonband".
Ein Hauch von Woodstock wehte durch den Marienbergpark - hier beim Auftritt von "The Moonband".
Foto: Eduard Weigert

Haben doch die cleveren Pizza-Bäcker, die bei „Folk im Park“ ihre Teigfladen feilbieten, ihren Kreationen speziell aufs Zielpublikum abgestimmte Namen gegeben. Lecker, locker und witzig – drei Attribute, die bei der zweiten Ausgabe des lauschigen Musik-Festivals nicht nur aufs Kulinarische zutreffen.

Über 1000 Besucher haben sich diesmal auf der grünen Lichtung im Marienbergpark eingefunden – was einem Zuwachs von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Und es spricht einiges dafür, dass es in den kommenden Jahren bald eng werden könnte auf der Wiese. Da ist zu allererst natürlich die feine Musikauswahl: Die Organisatoren, eine Kooperative aus Mitarbeitern des Erlanger E-Werks, des Mobilen Kinos und diversen engagierten Leuten der Nürnberger Musikszene, verzichten auf große Namen, sondern setzen auf Geheimtipps.


Wie zum Beispiel die Münchner Moonband: Die bieten ihrem spacigen Namen zum Trotz das, was man im landläufigen Sinn wohl noch am ehesten unter „Folk“ versteht: Akustische Gitarren, Kontrabass, Mandoline, ein rudimentäres Schlagzeug, mehrstimmiger Gesang und fast schon „klassisches“ Songwriting – ein entspannt swingender Einstieg nach Maß. Die Belgier Dan San sind dagegen typische Vertreter einer jungen Art-Pop-Generation, bei der sich der Folk-Bezug allenfalls noch anhand der vorwiegend akustischen Instrumentierung verorten lässt: Ihre dank vertrackter Rhythmuswechsel und melodisch eigenwilliger Satzgesänge recht komplexe Musik klingt schwer nach Bewusstseinserweiterung und psychedelischen Drogen. Nicht die schlechteste Untermalung für so ein entspanntes Neo-Hippie-Festchen.

Und doch sind es gerade die kleinen Pannen, die aus einer schönen Veranstaltung eine unvergessliche machen. War es im letzten Jahr das mit vereinten Kräften schadlos überstandene Nachmittags-Unwetter, so sorgte diesmal ein simples logistisches Problem für einen erinnerungwürdigen Moment: Zwar ist der britische Loop- und Improvisationskünstler Denis Jones rechtzeitg vor Ort, nicht aber sein Equimpment. Das war vom Flug von Manchester via Paris irgendwo verschollen gegangen.

Unverstärkt ins Publikum

Kurzentschlossen singt der hagere Bartträger den einzigen Song, den er laut eigener Auskunft allein zur Gitarre spielen kann, unverstärkt inmitten des Publikums – während ihm eine furchtlose Dame bei seiner Promenade über die Picknickdecken gut gelaunt hinterher tanzt. Stichwort Tanzen: Die erste Band, die richtig Bewegung ins Publikum bringt, sind die Esten Ewert And The Two Dragons. Die spielen zwar definitiv keine Folk-Musik, sondern astreinen Pop, den aber so clever, druckvoll, charmant und mitreißend, dass man sich mit solchen stilistischen Haarspaltereien gar nicht lange aufhalten will.

Stilistisch kaum zu fassen sind auch die hoch gelobten Other Lives aus den USA: Ein cinemaesker Breitwandsound mit riesigem Instrumentarium und sehnsuchtsschwangeren Song-Epen, der den einen den Atem raubt, während die anderen im Liegestuhl wegdämmern. Dann, kurz vor dem Kinofilm zum Ausklang, wird Denis Jones’ Elektronik-Park endlich angekarrt und der schratige Loop-Meister kredenzt doch noch seinen schwerblütigen Mix aus Folk, Dub, Triphop, Gospel und Tom-Waits-Wahnsinn: „They all went to heaven in a little row boat“ – das nun nicht, aber dank toller Musik, prima Verköstigung, fairen Preisen, exzellentem Sound und erträglich kurzen Schlangen vor den Dixi-Klos sind wir dem Himmel an diesem Sonntag doch recht nah gekommen.

  

PETER GRUNER


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