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Frau Gaponenko, wie kamen Sie dazu, auf Deutsch zu schreiben?
Marjana Gaponenko: Ich bin da reingerutscht. Von Natur aus bin ich eher faul oder bequem, aber zu Übungszwecken schrieb ich schon als Schülerin kleine Geschichten auf Deutsch und habe gemerkt: das ist eine schöne Art, zu leben. Man fühlt sich so verbrüdert mit der Welt, die man da beschwört. Außerdem habe ich ja nichts anderes gelernt. Was ich sehr bedauere.
Wie das? Genügt es nicht, was Sie können?
Gaponenko: Ich würde gerne etwa bei einem Schreiner in die Lehre gehen, denn das ist das, was mir fehlt: einen Tisch oder einen Stuhl machen zu können. Das ist so rustikal-schön, so menschlich und edel. Ich interessiere mich sehr für schöne Hölzer und Möbel. Das waren mal Bäume, Lebewesen, die im Überlebenskampf standen. Jeder Baum hat eine Geschichte. Insofern bin ich den Tischen und Stühlen dankbar...
Schöne Möbel gibt's auch im Wiener Hotel Imperial, wo Ihr preisgekrönter Roman spielt. Haben Sie ein Faible für Grandhotels?
Gaponenko: In jungen Jahren schon, aber inzwischen nicht mehr, denn ich weiß, dass das alles nicht ganz echt ist. Die Stuckdecken, die Leute, die ein- und ausziehen, das ist wie ein Theater.
Was bedeutet Ihnen der Preis?
Gaponenko: Ich fühle mich alt dadurch, weil ich ernstgenommen wurde. Die Juroren sind alle hochkarätige Persönlichkeiten, das ist die Elite. Natürlich freut mich der Preis sehr, so etwas schmeichelt einem. Aber das ist ein eitles Gefühl, da muss man aufpassen. Ich bin ein ganz bescheidener Mensch, ich möchte bescheiden bleiben, ich bin schlicht, wie die Natur. Das ist mein Ziel: dass ich immer schlichter werde und einfacher.
Wie ist das, in einer „fremden“ Sprache zu schreiben?
Gaponenko: Es ist ein Vorteil, weil man immer vergleichen kann; die Muttersprache schwingt ja im Hintergrund mit beim Schreiben. Dadurch entsteht so eine zeitliche Verzögerung im Denken. Ich bin übrigens mittlerweile überzeugt, dass es eine Illusion ist, zu glauben, wir würden in Worten denken. Denn die Gedanken sind wirklich frei, die haben keine Sprache, auch keine Regeln, ja vielleicht gibt es die Gedanken sogar kaum. Sie sind nur dazu da, uns zu beruhigen, uns das Gefühl zu geben, dass alles seine Ordnung hat.
Ist es darum vielleicht so schwierig, Gedanken in Worte zu fassen?
Gaponenko: Ganz genau! Das ist ungeheuer anstrengend, und am Ende kommt nie das dabei raus, was in dem reinen Gedanken war. In Wirklichkeit denkt man vielleicht gar nicht, man wird gedacht, wie im Traum... Aber Träume sind wunderbar. Wenn der Tod so wäre wie ein Traum, dann würde ich jubeln.
Wie kommen Sie jetzt auf den Tod? Sie sind doch noch so jung!
Gaponenko: Der Tod beschäftigt mich schon. Ich kann mich wirklich von Herzen freuen, über jede Kleinigkeit, aber ich muss dann immer gleich an den Tod denken, dann ist die Freude noch viel größer. Ich lebe wahnsinnig gern, ich hoffe, das merkt man auch, aber ich bereite mich jeden Tag auf den Tod vor.

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