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Jackson Browne macht es einem nicht gerade leicht, einen Standpunkt zu beziehen. Leute wie Dylan, Springsteen oder Randy Newman kann man lieben oder hassen – Jackson Browne wird respektiert. Der Mann hat in den 37 Jahren seiner Plattenkarriere nie wirklich Mist abgeliefert, aber welches Browne-Album jagt einem schon kalte Schauer über den Rücken?
Der heute 60-jährige Kalifornier ist und bleibt der stille, melancholische Chronist der Gefühle, dessen Musik man am besten dann aus dem Schrank zieht, wenn das Leben an sich schon extrem genug ist. Unprätentiös wie er ist, kommt er zeitgleich mit seiner Band auf die Bühne, ein kleiner, hagerer Mann in dunklen Jeans, der freundlich und scheu in den aufbrandenden Applaus hineinwinkt und ohne Umstände zur Sache kommt.
Fühlbare Distanz
Der alte Rocker «Boulevard» eröffnet den Song-Reigen und sofort stellt sich der berüchtigte Heinrich-Lades-Halle-Sound breitbeinig zwischen die Band und die Ohren des Publikums: Obwohl die Lautstärke durchaus moderat ist, matschen die Bässe undefiniert, die Mitten und Höhen verschwimmen zu einem sämigen Brei. Ärgerlich, auch wenn man darauf gefasst war. Browne spielt sich mit seiner versierten Band, inklusive zweier Background-Sängerinnen, die die stets entspannt-schläfrige, warm tönende Stimme mit souliger Inbrunst kontrastieren, durch ein ausgewogenes Programm aus älteren Songs wie das selbstreflektierende «Fountain of sorrow» und Auszügen aus der neuen CD «Time The Conquerer».
Die schließt nahtlos an die alten Werke an: Geradliniger, kuschelweicher Westcoast-Pop, der auch bei politischen Inhalten, wie im zahm groovenden «Going to Cuba» nie seine erwachsene, abgeklärte Haltung aufgibt. Ein Gähnen sei verziehen. Erst beim alten Hit «Doctor my eyes» gibt die Band ein wenig Gas und nach der Pause vermag dann in einem auch klanglich ausgewogenerem Akustik-Set das zeitkritische Achtziger-Jahre-Manifest «Lives in the Balance» neben der frühen Ballade «These Days» zu bestehen.
Doch selbst wenn beim finalen «Running On Empty» alle von den Stühlen aufspringen, bleibt stets eine fühlbare Distanz zwischen dem introvertierten Songwriter und seinem Publikum. Das geht, nachdem nach zwei Zugaben umstandslos das Saallicht angeschaltet wird, ohne zu murren nach Hause.

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