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Wurde ja auch Zeit, dass die drei Herren aus England sich mal wieder nach Nürnberg bequemen und zur Depeche-Mode-Party laden. DM-Mottoabende finden in der Stadt zwar seit vielen Jahren regelmäßig statt, die Musik kommt dabei aber natürlich aus der Konserve.
Einst belächelt
Konserviert hat sich auch die Begeisterung der Fans für die Band, die ihre Karriere 1980 startete und von den Kritikern als künstliche Synthie-Pop-Gruppe belächelt wurde. Fast drei Jahrzehnte und viele Drogentrips später sind Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher immer noch da - erfolgreicher denn je. Und das, obwohl es während der laufenden «Tour Of The Universe« nicht gut aussah für Sänger Gahan: Zunächst streckte den 47-Jährigen ein Magen-Darm-Infekt nieder, dann wurde Blasenkrebs bei ihm diagnostiziert.
Dennoch wirkt Gahan auf der Bühne zwar schmächtig, aber topfit, auch wenn er bei «Wrong«, einem Song vom neuen Album, klingt als würde sein Akku gleich leer werden. Doch der Eindruck täuscht: Wäre der Sänger und neuerdings auch Songschreiber ein Indianer, man hätte ihm sicher den Namen «Der mit dem Mikroständer tanzt« verliehen. Der Häuptling vom Stamme der Depeche-Modianer dreht sich bevorzugt wie ein Derwisch im Kreis und hat das Stativ hoch über seinen Kopf gehoben.
Meister der Melancholie
Ansonsten passiert wenig Überraschendes bei den Meistern der Melancholie. Für heutige Verhältnisse fast schon schlicht ist die wie immer von Haus- und Hoffotograf Anton Corbijn entworfene Bühne mit riesiger Videoleinwand. Als Hingucker empfiehlt sich eine LED–Halbkugel, von der unter anderem ein bedrohliches Rabenauge auf die Fans hinabblickt.
Andrew Fletcher nutzt die Zeit hinter seinem Keyboard für rätselhafte Übungen, die an Fußballer in der Aufwärmphase erinnern, und lässt Kollege Peter Gordeno den Ausputzer spielen. So verwandelt man keine musikalischen Elfmeter! Dauerpräsent im Strafraum ist dagegen Chef-Songschreiber, Gitarrist und Keyboarder Martin Gore - mit schwarz lackierten Nägeln und Glitzerjackett –, der im mittlerweile zur Choreografie eines anständigen Rock-Konzerts unbedingt dazugehörenden Acoustic-Teil zwei Songs interpretiert.
Verzicht auf manchen Hit
Schon lange ist das Trio, das live durch Gordeno und den österreichischen Schlagzeuger Christian Eigner zum Quintett wird, von der Keyboard–Synthesizer-Fraktion in die Rock’n’Roll–Ecke gewechselt. Wie um das zu unterstreichen, wird von den ersten vier Alben kein einziger Song gespielt – auch die großen Hits «People Are People« oder «Just Can‘t Get Enough« nicht. Am Publikum sieht man, dass die Fans diese Entwicklung mitgegangen sind. Ein größeres Kompliment kann es für eine Musikgruppe nicht geben.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.