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Lauernder Grenzjäger

Tobias Moretti steigt beim Münchner ,Weibsteufel’ ein - 11.05.2012 15:00 Uhr

München  - Am Münchner Residenztheater geben sich die Stars die Klinke in die Hand: Nachdem Nicholas Ofczarek die Rolle des „Grenzjägers“ in Karl Schönherrs „Weibsteufel“ aus Zeitgründen abgegeben hat, übernahm sie flugs Tobias Moretti.

Gebannt vom „Weib“: Szene mit Birgit Minichmayr und Tobias Moretti.
Gebannt vom „Weib“: Szene mit Birgit Minichmayr und Tobias Moretti.
Foto: Michel
Gebannt vom „Weib“: Szene mit Birgit Minichmayr und Tobias Moretti.
Gebannt vom „Weib“: Szene mit Birgit Minichmayr und Tobias Moretti.
Foto: Michel



Einem breiten Publikum ist der Tiroler Spitzen-Schauspieler und „Jedermann“-Teufel durch Film- und Fernsehrollen von „Kommissar Rex“ bis „Andreas Hofer“ bekannt. Die Bedenken waren jedenfalls unbegründet, ob man dem schlanken Moretti den Kraftlackel genauso abnehmen würde wie dem massigen Ofczarek.

Bei seinem ersten „Weibsteufel“- Auftritt gab Moretti dem Grenzjäger sofort ein eigenes scharfes Profil: Großartig, wie er schon am Anfang als lauernder Taktierer und ehrgeiziger Karrierist untergründig Nervosität durchblitzen lässt, wenn er sich vermeintlich listig-lässig an das „Weib“ (Birgit Minichmayr) eines Hehlers (Werner Wölbern) heranmacht, um den zu überführen.


Geradezu mitleiderregend ist aber die Not von Morettis Grenzjäger, wenn er unter den Händen der Frau bald wie Wachs dahinschmilzt und nicht nur zum verzweifelten Liebenden mutiert, sondern mit seinem Selbstverständnis als scharfer Ordnungshüter auch jeden Halt verliert. Dass er schließlich ein entfernter Verwandter Woyzecks zu sein scheint, als er ohne zu wissen, wie ihm geschieht, zum Mörder wird, wirkt da ebenso konsequent wie erschütternd.

Zumal Martin Kušejs packende Inszenierung ja gerade auch von der subtilen Spannung lebt zwischen dem Drall ins Archetypische einerseits (unterstrichen durch das wuchtige Baumstamm-Bühnenbild) und flirrender Psychologie andererseits. Während aber bei Werner Wölbern und Birgit Minichmayr durch die präzise Seelenzeichnung stets die Wucht des Elementaren schimmert, bleibt Moretti manchmal noch beim plastisch-filigranen Realismus stehen, wo ein Hauch sperriger Künstlichkeit nicht schaden könnte. Aber solche Feinjustierungen werden sich bei der Interaktion mit seinen zwei großartigen Mitspielern bald noch ergeben.

An den Nürnberger Kammerspielen steht übrigens zum Vergleich immer noch die gelungene „Weibsteufel“-

Inszenierung von Schirin Khodadadian (mit Julia Bartolome, Christian Taubenheim und Stephan Willi Wang) auf dem Programm.



Weitere Aufführungen: 31. Mai, 4., 19. Juni, Tel.: 089/21851940
  

ALEXANDER ALTMANN


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