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Privat ist Richard H. Mayer ein öffentlichkeitsscheuer Mensch. Lieber gönnt er seinen Kunstschätzen große Auftritte: Als er in Moskau vor einigen Jahren seine hochkarätige Sammlung von Goya- und Dalí-Druckgrafiken präsentierte, standen die Besucher in langen Schlangen vor dem Museum auf dem Roten Platz. Demnächst wird Mayer seine Goya-Werke ins slowenische Maribor schicken für eine Ausstellung zum Europäischen Kulturhauptstadtjahr. Und in Bamberg bestückte er unlängst eine Ausstellung im Diözesanmuseum zum Thema „Totentanz im Wandel der Zeit“ mit 260 Arbeiten von 44 Künstlern – von Albrecht Dürer bis Andy Warhol. Auch sie war eine der erfolgreichsten, die das Museum bislang erlebt hat.
Mayer ist ein bereitwilliger und großzügiger Leihgeber. Er freut sich über die Erfolge seiner Ausstellungen. Doch seine wahre Leidenschaft ist das Sammeln, wobei der Begriff in seinem Fall viel zu kurz greift. Es ist mehr das Erforschen und Durchdringen von Künstlerbiografie und Werk, das ihn zur Vervollständigung einzelner Sammlungsbereiche antreibt und Mayer zum profunden Kenner gemacht hat. Goya, Picasso, Miró und Dalí heißen seine Säulenheiligen. Vier große Spanier — doch das sei Zufall. Von Goya und Dalí besitzt er das gesamte druckgrafische Werk; im Fall des Surrealisten sind es ausschließlich Erstausgaben. Allein das ein Riesenschatz.
Mit Dalí, den Mayer in den 60er Jahren kennenlernte, war er sogar befreundet. Der Bamberger hatte sich schon früh für die Bücher und Buchillustrationen des Künstlers interessiert. Das beeindruckte den Meister, der sich auf seine Weise revanchierte. „Dalí sorgte dafür, dass seine Pariser Verleger mich auf Rechnung mit seinen Drucken belieferten — in jeder gewünschten Stückzahl. Das hat mir die Gründung meiner Galerie ermöglicht“, erzählt Mayer. Als Intellektuellen beschreibt er den großen Surrealisten, dessen druckgrafisches Werk aufs Engste mit seiner Lebensgeschichte verbunden sei. „Für den, der Dalís Biografie nicht kennt, ist seine Kunst eine Materie ohne Wert.“
Über Dalí könnte Mayer stundenlang sprechen, über sich selbst hingegen redet er eher ungern. Er sei ein „Bamberger Proletarierkind“, so viel verrät er dann doch. Der Großvater war Buchbinder, er selbst begann in den 50er Jahren als An- und Verkäufer der Münchner Galerie Schöninger. „Bei meinem ersten Arbeitsvertrag musste ich unterschreiben, dass ich nichts für mich kaufe“, erinnert sich Mayer schmunzelnd. Doch er sorgte dafür, dass Ikonen von dieser Regelung ausgenommen wurden — mit der Folge, dass er zu einem der größten Anbieter osteuropäischer Ikonenkunst wurde. In Bamberg ist der Galerist daher auch als „Ikonen-Mayer“ bekannt. Erst vor wenigen Jahren trennte er sich von der Sammlung — „es wurde einfach zu viel“.
Denn abgesehen davon, dass sein „Arbeits- und Galeriehaus“, das große barocke Böttinger-Palais in der Bamberger Judenstraße, das Mayer vor 20 Jahren inklusive sämtlicher historischer Gemälde kaufte, längst nicht mehr ausreicht, um all seine Schätze zu hüten: Sammeln bedeutet viel persönlichen Einsatz und Zeitaufwand. „Ich bin nur ein Arbeiter“, sagt Mayer in aller Bescheidenheit.
Der „Arbeiter“, der sich bevorzugt ganz in Schwarz kleidet, schätzt an der Kunst vor allem auch das Handwerk. In der modernen Malerei kommt ihm das oft zu kurz. Umso mehr schwärmt er für bibliophile Kunstwerke und holt einen schwergewichtigen Buchband aus dem Nebenzimmer: „Les Chants de Maldoror“ von Lautréamont mit 42 Illustrationen von Salvador Dalí, geschützt von einem dicken Ziegenledereinband mit aufwändig gearbeiteten Intarsien. Für dieses bibliophile Prachtwerk, eine Originalausgabe von 1934, deren Blätter noch unbeschnitten sind, überbot Mayer in Paris alle Interessenten — darunter die französische Nationalbibliothek und weit potentere Häuser.
Für die „12 Räume“-Ausstellung in der Villa Dessauer wird Mayer jedoch nicht nur aus seiner druckgrafischen Sammlung schöpfen — der kostbare Kern seiner Kollektion —, sondern aus dem, was er seinen „Besitz“ nennt. Der deckt das gesamte 20. Jahrhundert ab, mit etlichen Werken von Picasso, dem gleich zwei Räume gewidmet werden, über die Expressionisten und Surrealisten, den Phantastischen Realismus und die Pop-Art bis hin zu Joseph Beuys und Entwürfen und Modellen der Verpackungskünstler Christo und Jeanne Claude.
Viele rare Unikate befinden sich darunter, die Mayer sonst nie aus der Hand gibt. Zugleich verspricht Kurator Timo Saalmann, dass sich, in Anbindung an die Bamberger Landesgartenschau, ein „grüner Faden“ durch die Ausstellung ziehen wird, mit Landschaftsdarstellungen und floralen Motiven.
Finanziert wird die hochkarätige Schau vom Förderverein der Landesgartenschau und Sponsoren. Auf rund 140000 Euro belaufen sich laut Detlev Hohmuth, Vereinsvorsitzender und Initiator der Ausstellung, die Kosten. Zu dem vergleichsweise niedrigen Betrag tragen auch die städtischen Museen bei, die die Villa Dessauer kostenlos zur Verfügung stellen. Für Bamberg ist es ein echtes Kunstereignis, doch Leihgeber Mayer nennt die Ausstellung ganz nüchtern „sehr nützlich“. „Schüler- und andere Besuchergruppen müssten weit reisen, um so etwas zu sehen.“
Die Ausstellung „12 Kunsträume — von Picasso zu Beuys“ läuft vom 17. März bis Mitte Juni. Die Landesgartenschau findet vom 26. April bis 7. Oktober statt.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.