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Liebe in Kriegszeiten

„In the Land of Blood and Honey“ von Angelina Jolie - 23.02.12

Auf der Berlinale sorgte nicht ihr Film, sondern sie selbst für den größten Hype. Jetzt kommt Angelina Jolies Regie-Debüt „In the Land of Blood and Honey“ ins Kino. Die Geschichte über eine unmögliche Liebe im Bosnienkrieg brachte dem Hollywood-Star heftige Anfeindungen von serbischer Seite ein.

Umgeben von Terror und Gewalt: Szene mit Zana Marjanovic als Ajla.
Umgeben von Terror und Gewalt: Szene mit Zana Marjanovic als Ajla.
Foto: Wild Bunch
Umgeben von Terror und Gewalt: Szene mit Zana Marjanovic als Ajla.
Umgeben von Terror und Gewalt: Szene mit Zana Marjanovic als Ajla.
Foto: Wild Bunch

Sogar der serbische Regisseur Emir Kusturica sprach von „Propaganda“ und der „Lügenfabrik Hollywood“. Die Kritik richtet sich vor allem gegen die angebliche Schwarz-weiß-Zeichnung des Films, der die Serben pauschal dämonisiere. Allerdings ignoriert dieser Vorwurf die historischen Fakten. Die überwiegende Mehrzahl der Opfer im Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 waren bosnische Muslime, nach Uno-Schätzungen wurden 80 Prozent der Kriegsverbrechen, darunter die Vergewaltigung von mindestens 50000 Frauen, von serbischen Truppen begangen.

„In the Land of Blood and Honey“ erinnert an diese viel zu schnell vergessenen Gräueltaten. Jolie ist ein aufrüttelnder, anfangs sehr gut gemachter Film gelungen, der den Krieg in aller Härte zeigt, sich dann aber zunehmend auf die Liebesgeschichte zwischen der bosnischen Malerin Alja (Zana Marjanovic) und dem serbischen Polizisten Danijel (Goran Kostic) konzentriert und dabei sein eigentliches Thema fast aus den Augen verliert.



Die zwei Protagonisten lernen sich am Vorabend des Krieges kennen, der Ausbruch der Gewalt macht sie zu Opfer und Täter. Alja wird in ein Vergewaltigungscamp verschleppt, Danijel, der eine serbische Einheit kommandiert, versucht, sie zu schützen, besorgt ihr ein eigenes Zimmer. Sie wird seine Privatgefangene und eine zeitlang sieht es so aus, als könnte ihre Liebe den Krieg überstehen.

Doch so sehr die erste Hälfte des Films überzeugt, so holprig entwickelt Jolie die Liebesgeschichte. Die Gefühle Aljas bleiben weitgehend im Unklaren, je mehr Misstrauen sich in die Beziehung einschleicht, desto bizarrer werden die Sexszenen. Dass Danijel, der Skrupel hat, Menschen zu erschießen, nur weil sie Muslime sind, als der „gute Serbe“ geschildert wird, wirkt dann doch etwas wie der pflichtschuldige differenzierende Blick.

Kritikwürdiger aber ist die Fokussierung des Dramas auf seine Amour fou. Vom Schicksal der anderen Vergewaltigungsopfer erfährt man bald nichts mehr. Jolie wollte mit ihrem Film auch an die internationale Staatengemeinschaft appellieren, frühzeitig in brutale Bürgerkriege einzugreifen. Doch am Ende lenkt sie selbst von ihrem Anliegen ab. (USA/126 Min.; Meisengeige, Nbg.)

 



REGINA URBAN

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