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Ein „romantisch-komisches Zauberspiel“ nannte der Wiener Schauspieler und Bühnenautor Ferdinand Raimund (1790–1836) sein Stück. Es ist tatsächlich eine wilde Mischung aus deftigem Volksstück, fast Shakespeare-haftem Märchen, düsterem Familiendrama und romantischer Komödie. „Ein bisschen Western steckt auch drin, hat unser Regisseur Georg Schmiedleitner gerade festgestellt“, berichtet Christian Taubenheim schmunzelnd, als er gerade von der Probe kommt. Dem Österreicher Schmiedleitner dürfte Raimund näherliegen als den deutschen Kollegen, ist der Autor doch im Nachbarland eine feste Größe auf den Spielplänen, während er an hiesigen Theatern eher selten gezeigt wird.
Es ist reiner Zufall, dass Christian Taubenheim in dieser Spielzeit gleich zwei Rollen in eher volkstümlichen Stücken erhalten hat: Im „Weibsteufel“ von Karl Schönherr hat er sich eindrucksvoll dem Nürnberger Publikum vorgestellt. Und nun ist er der „Alpenkönig“ Atragalus, eine Art überirdischer Herrscher, der dem grobschlächtigen Gutsbesitzer Herrn Rappelkopf ins Gewissen redet. Der gerät durch Gutgläubigkeit an den Rand des Ruins, zieht sich immer mehr aus der Wirklichkeit zurück und tyrannisiert seine Familie mit seinem Missmut. So verhindert er die Verlobung seiner Tochter mit einem wenig begabten Maler, die Angestellten des Misanthropen planen schon die Flucht. Gegen die düstere Wirklichkeit setzt Raimund eine märchenhafte Fantasiewelt, aus der schließlich Rettung naht.
Die bürgerlich-biedermeierliche Familie-Idylle des Rappelkopf (gespielt von Heimo Essl) wird als Trugbild entlarvt, der wohlhabende Patriarch stürzt in eine tiefe Krise, aus der ihn erst die fast brutale Konfrontation mit dem Alpenkönig rettet.
„Ein abgefahrenes Stück“, sagt Taubenheim spontan. Sein Part ist nicht einfach, spricht der Alpenkönig doch in Versen und verschachtelten Sätzen, während andere Figuren keine gebundene Sprache verwenden. Raimund hat jedem der zahlreichen Charaktere einen eigenen Duktus zugeordnet.
Irgendwie märchenhaft ist dieser Herrscher aus den Bergen, dem zwei Hilfsgeister (gespielt von Tanja Kübler und Thomas L. Dietz) zugeteilt sind und vor dem die Menschen Respekt, manche sogar Angst haben. Der komplexe Stoff wird in Nürnberg ganz zeitgemäß interpretiert, so viel verrät Taubenheim vor der Premiere.
Und, bei aller Märchenhaftigkeit und Krise: Es ist keine Tragödie, sondern eine Posse. Der Witz muss also sitzen. Die achtwöchigen Proben haben ihm sichtlich Spaß gemacht. „Es ist sehr angenehm, an so einem großen Haus zu proben, wo man sich ganz auf die Arbeit konzentrieren kann“, sagt er.
Der Darsteller, der sein Handwerk in Saarbrücken gelernt hat und dort auch lange fest an der Bühne angestellt war (neben Auftritten im Saarbrücker „Tatort“), weiß, wovon er redet: Nach einer Station in Gießen ging er nach Ulm, dann nach Würzburg. In beiden Städten gab es immer wieder Debatten um die Finanzierung der Bühnen. „Hier wird das Theater gut wahrgenommen“, findet Taubenheim. Er hat in den unterschiedlichsten Stücken Erfahrung gesammelt, war Ödipus und Heiner Müllers „Philoktet“, Dorfrichter Adam in Kleists „Der zerbrochene Krug“ oder „Amphytrion“. Er mag den Wechsel zwischen den Typen. Da passt es, dass er in Nürnberg in der Komödie „Ladies Night“ den Part von Hartmut Neuber übernommen hat. „Das liegt wohl daran, dass wir die gleiche Frisur haben“, grinst der 39-Jährige.
Der „Weibsteufel“, wo er mit Julia Bartholome und Stefan Willi Wang auf einer schiefen Ebene in den Kammerspielen herumturnt, war für ihn ein guter Start. „Es ist toll, wenn man sich dem Publikum gleich mit so einer Rolle vorstellen kann“, sagt Taubenheim. Die nächste dürfte genauso spannend werden.
Premiere „Alpenkönig und Menschenfeind“ am 11. Februar, 19.30 Uhr, Karten-Telefon 0911/ 2162298.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.