Aus keramischer Masse hat der Nürnberger Künstler Volker Schildmann diese kleine erotische Szene gegossen. Ihren Platz unter Annas Augen hat den beiden Turtelnden das Kunsthaus-Team zugewiesen, das sich wieder einmal als ein guter Gastgeber des NN-Kunstpreises erweist.
Unterschiedlicher Umgang mit dem Ungewöhnlichen
Denn 115 Werke in nur vier Schauräumen und dem langen Gang ansprechend zu präsentieren und die Arbeiten - sei es durch Kontraste oder Gemeinsamkeiten bei Thema, Technik oder Materialbeschaffenheit - dabei in interessante Dialoge zu setzen, ist wirklich eine Kunst. Beispiel gefällig?
Durch die Gegenüberstellung der »Stoffbilder« von Sonja Weber und Ursula Kreutz kann man sehen, wie unterschiedlich - und gleichermaßen überzeugend - zwei Künstlerinnen mit einer ungewöhnlichen Medien-Kombination umgehen: Stoff und Fotografie. Bei Weber ist der Name Programm: Sie webt ihre Fotomotive - diesmal ein mächtiges Kliff. Kreutz, die in diesem Jahr auch einen Kulturförderpreis der Stadt Nürnberg bekommt, druckt auf Chiffon und überlagert für ihre »Oktaportraits« mehrere transparente Stoffebenen zu geheimnisvoll changierenden Köpfen.
Extravagantes für den Tisch
Den guten alten Kreuzstich verwendet in diesem Kabinett der Handarbeiterinnen die in Erlangen lebende Künstlerin Mareike Drobny für »Körpertier und Schädel«. Sie ist eine von 18 Debütanten beim NN-Kunstpreis. Der soll schließlich nicht nur renommierte Künstler würdigen, sondern auch Nachwuchskräfte fördern. Mit ihren 27 Jahren ist Mareike Drobny dabei aber keineswegs die Jüngste: Nesthäkchen in der Riege der Aussteller ist Matteo Bauer-Bornemann. Der 1988 in Nürnberg geborene Student hat einen glänzenden Auftritt mit einer versilberten Messingschale.
Seine Gold- und Silberschmiede-Kollegen gehören neben Malern, Grafikern und Bildhauern inzwischen zum festen Ausstellerstamm beim facettenreichen NN-Kunstpreis. Mit sicherer Hand hat die Jury auch aus der Fülle von Bewerbungen der Kunsthandwerker Top-Qualität herausgefiltert: Isabelle Enders, Studentin an der Nürnberger Akademie, beispielsweise hat erst in der vergangenen Woche einen Akademiepreis zugesprochen bekommen.
Ihre Spezialität: Pfeffermühlen. Damit setzte sie sich gegen scharfe Konkurrenz durch. Beim NN-Kunstpreis zeigt Enders (natürlich funktionstüchtige) Modelle aus Wellpappe und robustere Entwürfe mit alten Wasserhahngriffen. Kollegin Anne Fischer hat für ihren Weinkühler aus Bronze kürzlich den Bayerischen Staatspreis eingeheimst - Extravagantes für erfrischenden Trinkgenuss.
Gefroren oder fließend - Hauptsache Wasser
Apropos kühl: Das Kontrastprogramm zum Tropen-Klima vor der Tür bieten unter anderen Gerhard Rießbeck, Andi Schmitt, Christina Jüttner und Sabrina d’Agliano aus der Riege der diesmal besonders stark vertretenen Maler. Wasser - sei es gefroren oder fließend, tosend oder sanft plätschernd - ist ihr Thema. Rießbeck zeigt einen Eisberg in der Dämmerung, d’Agliano den saarländischen Bostalsee, Jüttner ein »Wellendiptychon« und Andi Schmitt taucht eine Landschaft in Lappland in Morgennebel.
Durchtamen ist auch bei Brigitta Heyduck angesagt: Sie schickt die Betrachter mit ihrer Farbsymphonie in Lila-Blau-Rosé durch Lavendelfelder, und mit Wolfgang Bühler steigen wir in die einsamen Höhen eines Gebirgsmassives. Weg von der Natur, rein in die Städte: Mathias Otto zeigt Wertstofftonnen im Autoscheinwerferlicht, Friedrich Schuber nimmt uns mit auf eine Autofahrt in New York, Lena Krasotina dagegen setzt auf Lokalbezug: Sie lässt einen »Mann in gelben Hosen in der Wilhelm-Spaeth-Straße« flanieren.
Kräftige Farben beim Aussteller-Senior
Doch auch wenn der Wettbewerb laut Ausschreibung »Akzente im Bereich gegenständlich orientierter Kunst« setzt, so sind doch stets ungegenständlich arbeitende Künstler darin vertreten. Dadurch stellt die Generationen und Stile übergreifende Schau ein breites und spannendes Spektrum des zeitgenösssichen Kunstschaffens in der Region vor.
Mit überraschend kräftiger Farbe in seinem »Diptychon III« tritt diesmal zum Beispiel der ungegenständlich arbeitende Maler und Grafiker Herbert Bessel auf. Der 89-Jährige, Senior der Ausstellerriege, hat die große Leinwandarbeit erst in diesem Jahr abgeschlossen und stellt damit seine ungebrochene Schaffenskraft unter Beweis.
Aufeinandertreffen der Gegensätze
Bildhauer Hermann Frauenknecht ist mit seiner Eichenholz-Skulptur »Gegenläufig« vertreten, die - wieder ein schönes Beispiel für die kluge Positionierung - in unmittelbarer Nähe von Wilhelm Uhligs Anna steht. Zwei gegenläufige Auffassungen von Bildhauerei treffen aufeinander: Hier die menschliche Figur, dort die abstrakte Form, hier kühle Bronze, dort warmes Holz.
Anna, Venus, Marx und wie sie alle heißen, werden nach ihrem Auftritt in Nürnberg übrigens auf Reisen gehen: Die NN-Kunstpreis-Schau gastiert ab 15. Oktober im Musée des Beaux-Arts in Nürnbergs Partnerstadt Nizza und bereichert den Kunst-Herbst an der Côte d’Azur.
Fr. 20.01.12
Mo. 05.09.11
Fr. 02.09.11
Do. 28.07.11
Fr. 22.07.11