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Oliver Bottinis Polit-Thriller „Der kalte Traum“

Krieg in den Köpfen - 12.04.2012

Nürnberg  - Oliver Bottini, 1965 in Nürnberg geboren, in Berlin lebend, hat einen packenden Politthriller über die Kriegsverbrechen von Serben und Kroaten während der Balkankriege geschrieben.

Oliver Bottini
Oliver Bottini
Foto: PR
Oliver Bottini
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Foto: PR

Am 23. Oktober 2010 wurde der in Deutschland geborene Sohn kroatischer Auswanderer Thomas Cavar am helllichten Tag von einem ehemals befreundeten Nachbarn, einem Serben, auf offener Straße in seiner Heimatstadt Rottweil erstochen. Der genau recherchierende Krimi-Autor Oliver Bottini lässt im Personenregister zu seinem überwiegend authentischen Roman „Der kalte Traum“ vermuten, dass es sich bei dem Sühnemord offensichtlich um Fiktion handelt. Der Rahmen jedoch, der von den Balkankriegen bis zum Haager Tribunal reicht, ist bittere Realität.

Die Vorgeschichte geht auf das Jahr 1991 zurück, das von entscheidenden Umwälzungen im ehemaligen Jugoslawien geprägt war. Im Vielvölkerstaat strebten Kroatien, Slowenien, Bosnien nach nationaler Unabhängigkeit. Damals begann der Balkankrieg, der sich durch die unmenschlichen Kriegsverbrechen der Serben unter Karadzic in Srebrenica und der Kroaten unter Ante Gotovina in Vukova ins kollektive Gedächtnis einbrannte.


Der junge Thomas Cavar, der mit seiner serbischen Freundin Jelena in Rottweil lebte, folgte dem Druck seiner in Heimatbünden organisierten Landsleute. Er zog in den Krieg, obwohl er deutscher Staatsbürger war. Ein Zeitsprung in die Gegenwart bringt die Ereignisse von damals wieder in Erinnerung.

In Zagreb recherchiert im Oktober 2010 Yvonne Ahrens als Auslandskorrespondentin einer großen deutschen Tageszeitung. Der Zufall will es, dass ihr ein Zeitungsbild in die Hände fällt, das einen jungen kroatischen Soldaten zeigt, der einem serbischen Zivilisten die Pistole an die Schläfe drückt. Die Bildunterschrift lautet: „25.8.95 bei Knin: Ein serbischer Schlächter zittert vor der gerechten Strafe durch den jungen Kapetan.“

Nachforschungen ergeben, dass der „Kapetan“ der damals 24-jährige Thomas Cavar aus Rottweil ist, der allgemein nur „der Deutsche“ genannt wird. 15 Jahre später druckte eine Boulevardzeitung in Berlin die Schlagzeile: „Kriegsverbrechen in Kroatien – Der deutsche Mörder“. Seit dem Kriegsende sei er in einem Massengrab verschollen.

In Wirklichkeit aber hat er eine neue Identität angenommen und ist mit Frau und Tochter nach Hamburg gezogen. Die Kriminalpolizei ermittelt. Zeitgleich verfolgen serbische Nationalisten die Spur des Untergetauchten wie auch der kroatische Geheimdienst, der Tomas Cavar an das Haager Tribunal ausliefern will. Er wird von allen Seiten eingekreist. Eine atemberaubende Jagd beginnt, bei der Cavar in letzter Minute vor der Lynchjustiz der Serben gerettet wird. In seiner Heimatstadt, wo er sich in Sicherheit glaubt, ereilt ihn sein Schicksal.

Oliver Bottini, der sich als Autor von erfolgreichen Kriminalromanen, für die er mehrfach ausgezeichnet worden ist, einen Namen gemacht hat, lässt offen, ob die Schuld des Flüchtigen tatsächlich erwiesen ist.

Nicht nur ein historisch interessiertes Publikum wird durch die Entwicklung der Hauptfigur an die Sühne der Massaker von Serben und Kroaten erinnert. Wie konnte es geschehen, dass zwischen ehemaligen Nachbarländern ein derart vernichtender Bürgerkrieg entflammt ist? Antworten darauf gibt es nicht. Der Mut von Bottini ist bewundernswert, dieses dunkle Kapitel der Geschichte aufzugreifen.

Oliver Bottini: Der kalte Traum. Roman. DuMont Buchverlag, Köln. 446 Seiten, 18,99 Euro.
  

WOLF PETER SCHNETZ


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