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Opfer der Familienehre

Eindringliches Kammerspiel: „Lal Gece – Nacht der Stille“ - 26.04.2012 10:50 Uhr

Im Traum des Bräutigams (Ilyas Salman) zieht sich der  Brautschleier wie eine  Spur des Blutes durch die winterliche Landschaft.

Im Traum des Bräutigams (Ilyas Salman) zieht sich der Brautschleier wie eine Spur des Blutes durch die winterliche Landschaft. © AF–Media


Auf leise, sehr eindringliche Weise erzählt Reis Celik vom Unglück der Menschen, die sich in den ländlich geprägten Gegenden der Türkei bis heute den patriarchalischen Traditionen beugen müssen. Ein 14-jähriges Mädchen wird mit einem Mann zwangsverheiratet, der ihr Großvater sein könnte. Die Hochzeit soll eine langjährige Blutfehde zwischen den beteiligten Familien beenden.

Die Braut und der Bräutigam, der wegen zweier Ehrenmorde sein halbes Leben im Gefängnis verbracht hat, begegnen sich in der Hochzeitsnacht zum ersten Mal. Während das Mädchen mit Spielen und Geschichtenerzählen versucht, das Unvermeidliche hinauszuzögern, wird immer mehr offenbar, dass auch der alte Mann ein Opfer fehlgeleiteter Ehrvorstellungen ist.

Celik, dessen Film das Schlafgemach der beiden kaum verlässt, inszeniert ein intimes Kammerspiel von spröder Zärtlichkeit, das an ein fortdauerndes gesellschaftliches Unrecht erinnert. Hauptdarsteller Ilyas Salman kehrte für „Lal Gece“ nach 24 Jahren erstmals wieder vor die Kamera zurück. Er und seine kleine Partnerin Dilan Aksüt tragen den Film fast allein und statten ihn mit einer berührenden Menschlichkeit aus. Schön, dass man ihn jetzt noch einmal im Kino sehen kann. (TR/92 Min.; Cinecittà, Nbg.; OmU)
  

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