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Diesmal begibt sich Michael Bully Herbig als Klatschreporter Max Zettl in Berlin auf die Jagd nach Skandalen. An seiner Seite hat er dabei ein Großaufgebot an namhaften Schauspielern wie Dagmar Manzel, Ulrich Tukur, Senta Berger, Karoline Herfurth, Götz George und Gert Voss.
Die Oscar-prämierte Komödie „Schtonk!“(1992) um gefälschte Hitler-Tagebücher war nach „Kir Royal“ (1986) Dietls letzte grandiose Komödie von Billy-Wilder-Format. Seither aber verspielt der deutsche Komödienmeister zunehmend seinen guten Ruf mit so gräulichen Klamotten wie „Late Show“ oder „Vom Suchen und Finden der Liebe“ – und auch „Zettl“ bietet mehr Klamauk als satirischen Biss. Was diesem Film fehlt, ist vor allem eine Erdung im Milieu.
Weil er das Gefühl hatte, die Münchner Szene schon abgegrast zu haben, verlegte Dietl seine Geschichte diesmal nach Berlin. Dort aber kommt er nicht an. Sein Fokus gilt vermeintlichen Tabus und Skandalen, die in der Metropole schon lange als solche gar nicht mehr wahrgenommen werden. Dass etwa der Bürgermeister von Berlin schwul ist (Dagmar Manzel soll ihn als lesbisches Mannweib parodieren), ist selbst Konservativen in der Hauptstadt egal. Wie erfrischend aktuell hätte „Zettl“ dagegen sein können, hätte sich Dietl der unter Spitzenpolitikern verbreiteten „Salami“-Taktik des Herumlavierens angenommen, die die Gemüter im Zuge der Wulff-Affäre gerade besonders erhitzt.
Franz Xaver Kroetz, der in „Kir Royal“ als Klatschreporter und Promi-Jäger Baby Schimmerlos brillierte, für „Zettl“ aber absagte, scheint als Einziger gemerkt zu haben, dass Dietl und sein neuer Ko-Autor Benjamin von Stuckrad-Barre vom Hauptstadtsumpf keinen Schimmer haben, dass dieses Drehbuch von Schwachköpfen und Schießbudenfiguren wimmelt, die nicht einmal der Regisseur liebt.
Götz George etwa tischt als sterbenskranker Bundeskanzler unfassbare Lügen auf, die niemandem wehtun, und stirbt dann einfach. Und noch nicht einmal Comedy-Star Bully Herbig bringt einen zum Lachen. Er mimt mehr schlecht als recht den Nachfolger von Baby Schimmerlos als ewigen Blödelheini. Überhaupt strotzt es derart vor plumpen Witzen, dass man selten einmal schmunzelt.
Was die erstklassigen, aber gnadenlos unterforderten Schauspieler angeht, ließe sich darüber streiten, wem die undankbarste Rolle zukommt: Dagmar Manzel, deren Veronique von Gutzow eigentlich ein Mann ist, der per Geschlechtsumwandlung eine Frau werden will und sich – damit das nicht publik wird – als Zettls Mama ausgibt? Oder vielleicht doch eher Ulrich Tukur als Schweizer (!) Verleger. Zwar beeindruckt sein brillantes Swyzerdytsch, aber weder seine Besetzung noch die gewählte Mundart wirken zwingend. Womit ein weiteres großes Manko des Films benannt wäre: Dass Dietl zu allem Überfluss zahlreiche Dialekte zu einem babylonischen Sprachengewirr auftürmt. Als wäre die Geschichte nicht ohnehin schon überfrachtet mit durchgeknallten, exzentrischen Figuren. Mit „Zettl“ hat sich Dietl gründlich verzettelt. (D/83 Min.; Admiral, Cinecttà, Nbg.; CineStar, Erlangen)

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.