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Ein Wahlplakat, das sie und Kanzlerin Angela Merkel mit tiefem Ausschnitt nebst der frechen Botschaft „Wir haben mehr zu bieten“ zeigte, machte die Berliner CDU-Politikerin Vera Lengsfeld vor zwei Jahren bundesweit bekannt. Dass das Plakat sogar in der ausländischen Presse derart hohe Wellen schlagen würde, habe sie freilich nicht geahnt, sagt die Politikerin in dieser Dokumentation und lächelt verschmitzt. Ihr Fall beweist aufs Schönste, dass der „Kult um den Busen“, so der Titel des Beitrags, in praktisch jeden gesellschaftlichen Bereich hineinreicht – und keinesfalls schmuddeligen Männermagazinen oder einschlägigen Filmen vorbehalten ist. Arte zeigt die vergnügliche, informative und keineswegs schlüpfrige Dokumentation über alle möglichen Aspekte der weiblichen Brust am 10. Februar um 21.55 Uhr.
Dabei, und das ist die große Stärke des französischen Beitrags, wird der Busen sowohl aus männlichem als auch aus weiblichem Blickwinkel betrachtet. Völlig klar, dass es um Stripteasetänzerinnen, Pin-up-Girls oder Schauspielerinnen aus Filmen des auf große Brüste fixierten US-Kultregisseurs Russ Meyer geht – Damen also, für die weibliche Rundungen gewissermaßen zum Betriebskapital gehören und der begehrliche Blick von Männern Geschäftsgrundlage ist. Es äußern sich jedoch auch zahlreiche andere Frauen zum Thema Oberweite. Ihre Brüste würden sie an Erbsen auf einem Brett erinnern, klagt eine junge Französin über ihren kleinen Busen und denkt über Silikonimplantate nach. „Ich glaube nicht, dass es ein Vorteil ist, einen größeren Busen zu haben als andere“, sagt dagegen die kanadische Sängerin Diane Tell, die schon in jungen Jahren „viel Holz vor der Hütte“ hatte.
Der Franzose Martin Monestier, Verfasser einer „Enzyklopädie des Busens“, hat ausgerechnet, dass seine Frau ihre drei Kinder mit insgesamt 4000 Litern Muttermilch gestillt hat und ist mächtig stolz auf diese Leistung. Ihn fasziniert die Zweideutigkeit von Brüsten, die einerseits erotische Signalwirkung auf Männer haben, andererseits wie nichts anderes Symbol der Mütterlichkeit sind.
Mit einem kleinen Streifzug durch die vergangenen Jahrzehnte wird in der Doku erläutert, wie sich die Bedeutung des Busens in der öffentlichen Wahrnehmung immer wieder gewandelt hat: Signalisierten große Brüste wie die der Hollywoodstars Marilyn Monroe oder Jane Russell in den 50ern Wohlstand und Geborgenheit, so waren in den wilden 70ern deutlich kleinere in Film und Werbung angesagt. Einem so strengen Schönheitsdiktat wie heute sei der Busen aber noch nie unterworfen gewesen, heißt es – kein Wunder, dass sich manche Frau unters Messer legt, um ihm zu genügen.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.