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„Vieles in der Affäre Wulff ist satirereif“

Interview mit Regisseur Helmut Dietl zum Start seines Films „Zettl“ mit Bully in der Hauptrolle - 02.02. 11:03 Uhr

NÜRNBERG  - Mit „Monaco Franze“ und „Kir Royal“ hat er einst Kult-Komödien fürs Fernsehen geliefert. Mit „Schtonk“ gelang Helmut Dietl sein Kinodebüt. Zum Kassenknüller geriet danach die Komödie „Rossini“, gefolgt von der „Lateshow“-Parodie. Nun kehrt Dietl mit „Zettl“ zu den Anfängen zurück: Die Geschichte eines Klatschreporters in einer korrupten Gesellschaft, diesmal in Berlin statt München.

„Die Dinge haben sich seit ,Kir Royal’ verändert“: Helmut Dietl hat seine neue Gesellschaftssatire in Berlin angesiedelt.
„Die Dinge haben sich seit ,Kir Royal’ verändert“: Helmut Dietl hat seine neue Gesellschaftssatire in Berlin angesiedelt.
Foto: dpa
„Die Dinge haben sich seit ,Kir Royal’ verändert“: Helmut Dietl hat seine neue Gesellschaftssatire in Berlin angesiedelt.
„Die Dinge haben sich seit ,Kir Royal’ verändert“: Helmut Dietl hat seine neue Gesellschaftssatire in Berlin angesiedelt.
Foto: dpa

Herr Dietl, „Das Leben schreibt die linkesten Kisten“, lassen Sie Ihren „Zettl“-Reporter Bully Herbig im Film sagen. Wie lustig finden Sie die Affären des Bundespräsidenten?

Helmut Dietl: Ich bin da ambivalenter Meinung. Natürlich ist das Krisenmanagement von Wulff absolut desaströs. Andererseits ist es geradezu grotesk, worüber sich die Republik erregt. Sei es über ein Kochbuch, das die weltberühmte niedersächsische Küche preist, wofür 4000 Euro ausgegeben wurden. Oder sei es eine wichtige Hauptstadt-Journalistin, die allen Ernstes fordert, dass man fürs Übernachten bei seinen Freunden 150 Euro zahlen solle. Haben wir wirklich keine anderen Probleme?



Wie bewerten Sie die Affäre des Christian Wulff aus Sicht des Komödien-Autors?

Dietl: Vieles in dieser Affäre ist absolut satirereif — wobei wir noch nicht das Ende kennen, da müssen wir noch abwarten, wie sich die Sache weiterentwickelt. Man muss sich allerdings klar sein, dass Wulff nichts anderes ist als jene Bande, über die die Kugel gespielt wird, um Merkel zu treffen. Um etwas anderes geht es hier doch nicht.

Haben Sie über dieses Thema mit Ihrem Produzenten David Groenewold gesprochen, der in dieser Affäre ja eine Rolle spielt?

Dietl: (lacht) Nein. Mich geht das ja auch nichts an.

Trauen Sie sich, Politikern zu trauen?

Dietl: Ich habe Politikern schon seit langem nicht getraut, ebenso wenig wie den Medien. So gesehen ist die Welt für mich in Ordnung, da gibt es wenig Neues für mich.

Stören Sie die ständigen Vergleiche von „Zettl“ mit „Kir Royal“ oder sind Sie darauf stolz?

Dietl: Die ständigen Verweise machen mir schon ein wenig zu schaffen, schließlich kann man München vor 25 Jahren nicht mit Berlin Mitte von heute vergleichen. Die Dinge haben sich verändert, man kann gewisse Sachen nicht mehr so behandeln wie früher. Das habe ich getan – offensichtlich zum Leidwesen mancher Kritiker, die sich gewünscht haben: „Bitte alles genauso wie früher, bloß anders!“

Mit München gingen Sie damals liebevoller um, fühlen Sie sich unwohl in der Hauptstadt?


Nein, ich mag diese Stadt und ganz besonders diesen Bezirk Berlin Mitte. Hier kann man erleben, was wirklich passiert. Wenn man spazieren geht, hat man immer das Gefühl, im Zentrum der Entscheidungen zu sein. Für einen Satiriker ist das geradezu ein Geschenk.

Was halten Sie vom Slogan: „Berlin ist arm, aber sexy“?

Dietl: „Berlin ist sexy“ stimmt absolut, ob nun arm oder reich, das weiß ich nicht — das spielt auch keine Rolle. Auf alle Fälle besitzt diese Stadt ein erotisches Flair.

Mit einem Etat von zehn Millionen Euro ist Ihr Werk nicht gerade ein Schnäppchen, was hat „Zettl“ so teuer werden lassen?

Dietl: Im internationalen Vergleich liegt unser Budget gar nicht so hoch. Die Kosten hängen mit dem ganzen Aufwand für solch eine Produktion zusammen. Der ist wesentlich größer als früher. Und natürlich bekommen auch Schauspieler beim Film höhere Gagen als beim Fernsehen.

Apropos Fernsehen: Woran lag es, dass ARD und ZDF sich Ihrem Projekt verweigert haben?

Dietl: Das müsste man die dortigen Verantwortlichen fragen, mich hat diese Ablehnung auch gewundert. Den Stoff habe ich wie Sauerbier angeboten. In „Zettl“ werden viele Dinge beim Namen genannt, was bei den öffentlich-rechtlichen Sendern mit ihren ganzen politischen Gremien eben nicht beliebt zu sein scheint.



Woran liegt es, dass Humor hierzulande so wenig Charme und Leichtigkeit besitzt?

Dietl: Humor in Deutschland ist eine problematische Angelegenheit. Das hat durchaus etwas mit unserer Vergangenheit zu tun, denn viele Künstler wurden im Nationalsozialismus aus diesem Land vertrieben. Anschließend ist dieser plumpe Stammtisch-Humor eingezogen — da kann man sich tatsächlich schon ein bisschen einsam fühlen.

Kann man noch etwas erreichen beim Publikum?

Dietl: Wie weit Theater und Film moralische Anstalten sind, weiß ich nicht. Aber letztlich ist meine Arbeit für mich immer eine Frage der Moral. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn man die Intelligenz des Publikums anspricht und es nicht für dumm verkauft, dann nehmen die Zuschauer ein Thema auch willig an.

Wie viel Fernsehen schauen Sie, stehen auch Mario Barth und Harald Schmidt auf dem Programm?

Dietl: Mario Barth habe ich noch nie gesehen — ich habe beschlossen, ihn nach meinem Tod täglich anzuschauen. Schmidt schaue ich gelegentlich, denn für Harald habe ich eine Schwäche, der ist ein Zyniker reinsten Wassers. 



Interview: DIETER OSSWALD

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