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Vom piependen Quälgeist zum Musikinstrument

Das Duo „Les Trotteuses“ stellte seine Klangcollage „Komposition für 15 Wecker“ vor - 20.01.12

Berlin  - Als Instrument ist der Wecker zwar noch nicht offiziell anerkannt, doch „Les Trotteuses“arbeiten daran. Die beiden Französinnen, die in Berlin als bildende Künstlerinnen leben und arbeiten, präsentierten im Bernsteinzimmer ihre „Komposition für 15 Wecker“.

Verschiedene Uhrzeiten und dennoch immer im Takt: Die „Komposition für 15 Wecker“ von Aurélie Pertusot und Anne Moirier.
Verschiedene Uhrzeiten und dennoch immer im Takt: Die „Komposition für 15 Wecker“ von Aurélie Pertusot und Anne Moirier.
Foto: Günter Distler
Verschiedene Uhrzeiten und dennoch immer im Takt: Die „Komposition für 15 Wecker“ von Aurélie Pertusot und Anne Moirier.
Verschiedene Uhrzeiten und dennoch immer im Takt: Die „Komposition für 15 Wecker“ von Aurélie Pertusot und Anne Moirier.
Foto: Günter Distler

Würde man die Deutschen nach dem Geräusch befragen, das sie im Alltag am meisten stört, würden nach dem „Lärm“ von spielenden Kindern vermutlich viele den Alarm ihres Weckers nennen. Seit ein paar Jahren hinterfragen die bildenden Künstlerinnen Anne Moirier und Aurélie Pertusot nun schon diese gestörte Beziehung zwischen Mensch und Maschine und versuchen den Wecker von seinem schlechten Ruf zu befreien, indem sie ihn als Musikinstrument nutzen.

Zwei Tische haben Moirier und Pertusot in der bis auf den letzten Platz belegten Galerie Bernsteinzimmer vor sich aufgebaut. Darauf versammelt ist eine Schar von Weckern, die das Duo über die Jahre auf Flohmärkten zusammengetragen hat: quadratisch, rechteckig, achteckig, beige, weiß, rot, schwarz, knallgelb – in allen Formen und Farben stehen sie da und warten auf ihren Einsatz. Doch bis der erste Wecker klingelt, dauert es noch einige Augenblicke. Die „Komposition für 15 Wecker“ beginnt mit Stille, Moirier und Pertusot simulieren so den Schlaf und versuchen, ihr Publikum dorthin zu versetzen, wo Wecker normalerweise stehen.


„Les Trotteuses“ haben sich die beiden Französinnen genannt – zu Deutsch: Sekundenzeiger. Und so präzise wie ein Sekundenzeiger funktioniert auch ihre Schallperformance. Erst ist da nur ein Radiowecker, der auf der Suche nach einer passenden Frequenz vor sich hinknistert. Irgendwann klingelt dann der erste digitale Ordnungshüter. Langsam erhöht sich die Frequenz, bis das Läuten schließlich in einen durchgehenden schrillen Ton übergeht. Währenddessen haben die beiden Komponistinnen die letzten Batterien eingelegt und die restlichen Wecker programmiert. Eine rhythmische „Wall of Sound“ baut sich auf, verstärkt durch die Störgeräusche, die die beiden erzeugen, indem sie einzelne Wecker aneinander halten.

„Der Wecker ist ein Symbol für Arbeit und Autorität“, sagt das Duo nach dem Auftritt. „Wir wollten diese Bedeutung in etwas Schönes umkehren.“ Nunja, „schön“ definiert jeder Mensch anders, aber immerhin schaffen es die Künstlerinnen, den Blick auf die piependen Quälgeister mit ihrer Klangcollage zu verändern. 



SEBASTIAN GLOSER

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