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Weg vom Klischee düsterer Literaturgrotten

Pfarrbücherei der Nürnberger Frauenkirche musste schließen - vergleichbaren Einrichtungen geht es gut - 21.02.2012 19:00 Uhr

Büchereien wie die auf dem Bild Gezeigte in Uttenreuth, sind beliebte Anlaufpunkte — das gilt auch für Pfarrbüchereien, zumindest in ländlichen Gegenden und den Randbezirken von Großstädten.

Büchereien wie die auf dem Bild Gezeigte in Uttenreuth, sind beliebte Anlaufpunkte — das gilt auch für Pfarrbüchereien, zumindest in ländlichen Gegenden und den Randbezirken von Großstädten. © Harald Hofmann


So düster das Ende der katholischen Bücherei im historischen Pfarrhaus an der Winklerstraße stimmen mag – vielen anderen Büchereien geht es prächtig. Wider Erwarten, denkt wohl mancher, der solche Einrichtungen eher vom Hörensagen kennt. Doch vom Klischee der düsteren Büchergrotten mit erbaulicher religiöser Literatur unterscheiden sich die heutigen Pfarrbüchereien meilenweit.

„Pfarrbüchereien liegen im Trend, wir haben gute Ausleihzahlen“, sagt Sabine Adolph, Bibliothekarin und beim St. Michaelsbund zuständig für die Diözesen München und Freising. Der kirchliche Verein unterstützt Pfarrbüchereien mit Ausbildung, Buch- und Veranstaltungsempfehlungen und technischen Hilfsmitteln. Sie berichtet sogar von erfolgreichen Neugründungen auf hohem fachlichen und technischen Standard. „In Weyarn in Oberbayern haben 20 engagierte Leute eine neue Bibliothek auf die Beine gestellt, mit Software und einem ganz modernen Bestand. Das zieht Publikum an“, erzählt Adolph, die selbst aus Forchheim stammt.

Beliebte Treffpunkte

Der Ort dürfte beispielhaft sein für eine Entwicklung, die auch in der Diözese Bamberg deutlich zu erkennen ist: In den ländlichen Gegenden und den Randbezirken der Großstädte funktionieren die kirchlichen Büchereien ausgezeichnet, oft sind sie auch gemeinsam von Kirche und Kommune getragen. „Es sind Treffpunkte, in kleineren Gemeinden auf dem Land zählt die Ortsnähe, wo Eltern ihre Kinder nicht mit dem Bus in die nächste Stadt zur Bibliothek schicken wollen“, sagt Gabriele Essler vom St. Michaelsbund, in der Diözese Bamberg zuständig für die Pfarrbüchereien. Es geht um kulturelle Grundversorgung, die gerne angenommen wird.

Das Aus für die öffentliche Bibliothek der Frauenkirche bedauert auch sie. „Aber das liegt einfach an der Lage im Zentrum der Großstadt, wo es eine sehr gut aufgestellte kommunale Bibliothek parallel gibt.“

30 Jahre lang hat sich Barbara Wricke ehrenamtlich um die Bücherei im Pfarrhaus der Frauenkirche gekümmert. Die gelernte Buchhändlerin hat immer wieder kräftig die Werbetrommel für ihre Einrichtung gerührt, den Bestand von früher 3000, zuletzt etwa 1500 Büchern ständig erneuert und ergänzt, Sonntagsausleihen angeregt, Abende mit Buchbesprechungen organisiert und mit Schulen zusammengearbeitet. „Aber der Zulauf wurde kontinuierlich weniger. Die alten Leser kamen früher auch einfach für einen Plausch vorbei, ich kannte alle ihre Krankheiten. Aber viele blieben irgendwann weg, weil sie zum Beispiel ins Altersheim gezogen waren. Und Junge nachzuholen wurde immer schwieriger“, erzählt sie.

Das ehrenamtliche Engagement (ohne das wohl keine Pfarrbücherei existieren könnte) macht ihr Spaß, doch mit etwa 150 Ausleihen im Jahr 2010 war auch Wricke nicht mehr glücklich. Schon vor zehn Jahren wollte sie die Aufgabe einmal abgeben. Diesmal ist die Schließung endgültig. „Eine Umfrage hat ergeben: Unter denen, die in die Frauenkirche zum Gottesdienst gehen, bestand kein Interesse an der Bücherei. Weil viele auch gar nicht in der Gemeinde sind, sondern von woanders anreisen wegen der schönen Kirche oder dem Pfarrer.“

Gabriele Essler vom Michaelsbund sieht in der Schließung aber keinen Trend. „Es gibt immer noch 14 Pfarrbüchereien in Nürnberg, und manche wie etwa die von St. Franziskus in der Gartenstadt laufen ausgezeichnet“, sagt sie. Dort wurden knapp 6300 Ausleihen im Jahr 2010 gezählt, die Vernetzung mit anderen Einrichtungen der Kirche, etwa dem Kindergarten, funktioniert ausgezeichnet. „Das ist auch ein Standortvorteil, den manche Eltern bei der Wahl des Kindergartens berücksichtigen“, meint Essler.
  

KATHARINA ERLENWEIN

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