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Wie naiv ist Lana Del Rey?

Mit einer Handvoll Songs katapultierte sich die Amerikanerin an die Spitze der Charts - 06.01. 16:00 Uhr

Nürnberg  - Während die Welt von Krisen gebeutelt ist, stellt sich die Popmusik naiv: Die amerikanische Sängerin Lana Del Rey löst die Grenzen zwischen Fiktion und Realität auf, um zum Mythos zu werden. Mit Erfolg, wie ihr Song „Video Games“ zeigt.

Was mag die Zukunft bringen? Derzeit ist Lana del Rey auf Erfolgskurs.
Was mag die Zukunft bringen? Derzeit ist Lana del Rey auf Erfolgskurs.
Foto: dpa
Was mag die Zukunft bringen? Derzeit ist Lana del Rey auf Erfolgskurs.
Was mag die Zukunft bringen? Derzeit ist Lana del Rey auf Erfolgskurs.
Foto: dpa

Die Ironie verliert für den Moment. Denn Lana Del Rey meint es ernst – oder sie tut zumindest so. Ganz sicher kann man sich da nicht sein. Ihr Song „Video Games“ stieg kürzlich auf den ersten Platz der deutschen Singlecharts, bei Youtube hat das zugehörige Video mittlerweile mehr als 15 Millionen Klicks. Verwackelte Super8-Aufnahmen von unbeschwerten Tagen wechseln sich da mit Bildern von Del Rey ab, die sich lasziv-unschuldig an eine Wand schmiegt.

„Hollywood Pop“ und „Sadcore“

„Hollywood Pop“ und „Sadcore“ nennt sie selbst ihre Musik. Streicher, Piano und ihre dunkel-säuselnde Stimme verschmelzen zu epischen Songs. Soul liegt da tief unten und auch HipHop schimmert zwischen manchen Rhythmen durch. Der amerikanische Traum ist bei Del Rey längst gescheitert. Aus den einzelnen Scherben baut sie ihren Sound, der eine Authentizität in sich trägt, die stets kurz vor der Überzeichnung steht.



„Heaven is a place on earth with you, tell me all the things you want to do“, heißt es in dem Song „Video Games“, der gar nicht als Single gedacht war, wie die 24-Jährige oft betont. Den Song habe sie ohne Erwartungen ins Netz gestellt.

Trailer-Park in Florida

Ihre Biografie erzählt von der Wohnwagensiedlung Trailer-Park in Florida und dem Umzug nach New York, wo sich die Träume erfüllen. Aus ihren Aussagen spricht häufig Naivität. Längst kursieren aber auch Theorien, nach denen Lana Del Rey eine Meisterin der (Selbst-)Inszenierung ist.

Die amerikanische Flagge, vor der einst Madonna in ihrem Don McLean-Cover „American Pie“ tanzte, hängt in Del Reys Video zu „Born To Die“ ebenfalls. Vor ihr liegt die Sängerin oben ohne in den Armen eines tätowierten jungen Mannes; vier Minuten später trägt er sie leblos und blutüberströmt, während die Welt hinter ihnen in Flammen steht. Der letzte Schnitt zurück auf das anfängliche Szenario lässt es zu einer traurigen Erinnerung werden – ein Versprechen auf bessere Zeiten, das nie eingehalten werden kann.

"Die Popmusik hat sich totgelaufen“

Die Symbole sind bei Del Rey stark aufgeladen und auch in ihrer Musik und ihren Texten finden sich die großen Gesten wieder. Der Pressetext zitiert sie mit den Worten: „Der American Dream und der American Psycho fangen an, die gleiche Sache zu repräsentieren. Das Kino und die Musik und das Leben beginnen ineinander zu fließen. Tod ist Kunst. Die Popmusik hat sich totgelaufen.“

Die Person Lizzy Grant scheint vollkommen aufgegangen zu sein in der Figur Lana Del Rey. Sie streicht jetzt schon mehr Aufmerksamkeit ein als andere Künstler in ihrer ganzen Karriere – dabei hat sie erst eine handvoll Songs offiziell veröffentlicht. Auch dieser Hype mehrt die Zweifel, ob ihre bisherige Karriere nicht einfach der findige Zug einer Marketing-Abteilung sei.

Bald veröffentlicht sie ihr Album „Born To Die“, mit dem sich zeigen wird, ob Lana Del Rey mehr ist als nur das „nächste große Ding“. Auch die Frage, ob sie ihre Kunstfigur und ihren Mythos länger ausfüllt, wird sich dann klären. Pop klang aber für den Moment lange nicht mehr so gut – und ja, auch ehrlich.



Aktuelle CD: „Born To Die“ (Vertigo / Universal) erscheint am 27. Januar 2012
  



BJÖRN BISCHOFF

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