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Küssen verboten!

Der öffentliche Schmatzer war früher oft Pflicht und ist heute mancherorts verboten - 12.02.11

Vorsicht, selbst am Valentinstag am kommenden Montag kann ein Kuss ganz schön teuer werden — zumindest dort, wo er nicht erwünscht ist. Das musste eine Kambodschanerin erfahren, die ihren Kussmund im französischen Avignon auf ein Gemälde des US-Künstlers Cy Twombly drückte. Ein Gericht verurteilte sie daraufhin zu einer Geldstrafe von 18400 Euro – so viel kostete die Restauration.

In Asien gelten Küsse in der Öffentlichkeit als unschicklich.
In Asien gelten Küsse in der Öffentlichkeit als unschicklich.
Foto: colourbox.com
In Asien gelten Küsse in der Öffentlichkeit als unschicklich.
In Asien gelten Küsse in der Öffentlichkeit als unschicklich.
Foto: colourbox.com


Ein derartiges Kussverbot mag noch einleuchten. Skurril hingegen ist schon die Sorge der französischen Behörden, Liebespaare könnten sich auf Bahnübergängen zu lange küssen und somit eine Gefahr für sich und andere darstellen. Denn dieses Verbot steht doch tatsächlich im Gesetz. Wer hätte das gedacht, dass es ausgerechnet im „Land der Liebe“ so viele Kussverbote gibt?

Dabei wäre es dort früher sogar „ein grober Verstoß gegen die Höflichkeit, ja ein Affront“ gewesen, sagt der Aufklärer Voltaire im 18. Jahrhundert, „wenn eine Dame von Stand, die Besuch von einem ebensolchen Herrn bekommt, ihn nicht auf den Mund küsst, selbst wenn er einen Schnurrbart trägt“. Voltaire zufolge durften Kardinäle damals sogar die Königin auf den Mund küssen, eine Erlaubnis, die auch in Deutschland galt.



Noch strenger war das Kuss-Reglement zur Zeit der alten Griechen. So berichtet der Historiker Herodot von der strengen Etikette bei Begrüßungen: „Begegnen sich zwei, kann man an ihrem Gruß erkennen, welchen Ranges beide sind. Anstatt sich anzureden, küssen sie sich auf den Mund. Ist einer von beiden geringeren Standes, küssen sie sich auf die Wangen. Bei großen Standesunterschieden fällt der Geringere nieder und verehrt den Höherstehenden, indem er auf die Knie fällt.“ Noch bis weit in die Neuzeit hinein war das Küssen der Füße als Demutsgeste und Zeichen der Ehrerbietung weit verbreitet.

Die frühere Pflicht zum Kuss ist heute eher vielen Verboten gewichen. Im US-Bundesstaat Maryland etwa ist es strafbar, sich länger als eine Sekunde in der Öffentlichkeit zu küssen. Wem das nicht genug ist, der muss anderswo hinfahren, nach Rhode Island zum Beispiel. Dort sind immerhin drei Minuten erlaubt. Oder er sollte nach Iowa fahren: Dort sind sogar Fünf-Minuten-Küsse erlaubt — steht tatsächlich so im Gesetz. Allzu stürmische Paare sollten unbedingt Wisconsin meiden, denn dort sind Zungenküsse per Gesetz verboten.

Wer ähnliche Verbote in Europa plant, wird oft ausgelacht. Der Bürgermeister des sizilianischen Städtchens Monreale wollte Ende der 1990er Jahre ein Kussverbot in öffentlichen Parks durchsetzen – und zog damit das Gespött der Presse auf sich. Er selbst rechtfertigte sich damit, seinen Ferienort an die Gepflogenheiten in „anderen europäischen Touristenzentren“ anpassen zu wollen. Dort schert sich in Wahrheit aber niemand um öffentliche Küsse.

Kussverbote gibt es deshalb vor allem außerhalb Europas. In Indien und Indonesien zum Beispiel drohen empfindliche Strafen. Und in asiatischen Ländern, in denen das Küssen erlaubt ist, gilt es zumindest als unschicklich. Der französische Ethnologe Paul d'Enjoy berichtet Ende des 19. Jahrhunderts davon, wie abscheulich die Chinesen die Gewohnheit der Europäer fanden, sich auf den Mund zu küssen. Ihnen erschien es gar als ein Relikt des Kannibalismus.

Ähnliche Befürchtungen sind heute auch afrikanischen Völkern mit einem starken Naturglauben bekannt: Sie haben Angst, dass man beim Küssen auf den Mund aus Versehen die Seele des Partners verschluckt.

Aber das macht den Reiz des Küssens für viele ja gerade aus: Man weiß vorher nie, wie die Sache letztendlich ausgeht.
  





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