Die Wissenschaftler werteten dafür die Daten zweier groß angelegter Studien aus.
Sie identifizierten auch mehrere Bakterienarten, die möglicherweise an der Verringerung des Erkrankungsrisikos beteiligt sind. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, Impfstoffe gegen Asthma zu entwickeln und stützen zudem die sogenannte Hygiene-Hypothese. Danach treten Allergien und andere Autoimmun-Erkrankungen umso häufiger auf, je seltener Kinder mit Mikroorganismen in Kontakt kommen. Dies schrieben die Forscher in der Fachzeitschrift The New England Journal of Medicine.
Asthma gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern. In Deutschland sind etwa zehn Prozent der Mädchen und Jungen betroffen. Die Krankheit entwickelt sich meist aus einer Kombination von genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren und dauert häufig lebenslang an.
Einer der entscheidenden Umweltfaktoren scheint dabei die Umgebung zu sein, in der die Kinder groß werden: In den vergangenen Jahren haben bereits mehrere Studien gezeigt, dass Mädchen und Jungen, die auf einem Bauernhof aufwachsen, seltener an Asthma leiden.
In der aktuellen Studie analysierten die Forscher Daten aus zwei groß angelegten Untersuchungen. An der ersten Studie nahmen knapp 7000 Kinder aus Süddeutschland im Alter zwischen sechs und 13 Jahren teil.
Bei einer Stichprobe nahmen die Forscher von 489 Kindern eine Blutprobe und analysierten eine Staubprobe von der Matratze der Kleinen. Teilnehmer der zweiten Studie waren knapp 9700 Kinder aus Süddeutschland, Österreich und der Schweiz in vergleichbarem Alter. Hier wurde bei 444 Kindern eine Staubprobe von der Matratze genommen und ihre Lungenfunktion gemessen.
Die Forscher, die mit Kollegen der Technischen Universität München, der Universität Ulm und Forschungseinrichtungen in Frankreich, Großbritannien, der Schweiz und den Niederlanden zusammenarbeiteten, analysierten die Erbinformation der im Hausstaub gefundenen Bakterien und Pilze. Dabei entdeckten sie, dass alle untersuchten Bakterien- und Pilzarten im Staub eines Bauernhofes wesentlich häufiger vorkommen als in anderen Umgebungen. Zudem war das Asthma-Risiko der Kinder umso geringer, je höher die Zahl der Mikroorganismen im Hausstaub war.
„Mit welchem Trick Bakterienzellen und Pilzsporen das Asthmarisiko verringern, wissen wir noch nicht“, sagt Forschungsleiter Markus Ege. „Es könnte sein, dass eine bestimmte Kombination von Mikroorganismen das angeborene Immunsystem stimuliert und so der Entwicklung von Asthma entgegenwirkt.“ Es könnte aber auch sein, dass der ständige Kontakt mit vielen verschiedenen Mikroben verhindert, dass diejenigen Bakterien und Pilze dominieren, die an der Entstehung von Asthma beteiligt sind. Die Schutzfunktion könnte ebenfalls durch eine bestimmte Kombination von Mikroorganismen zustande kommen. „Von besonderem Interesse sind hier bestimmte Bakterienarten der Gattungen Bacillus und Staphylococcus sowie Pilze der Gattung Eurotium“, sagt Ege.
Im nächsten Schritt wollen die Forscher nun den Zusammenhang zwischen einzelnen Mikroorganismen und dem Risiko, an Asthma zu erkranken, untersuchen. „Dies könnte langfristig dazu beitragen, Impfstoffe gegen Asthma zu entwickeln“, sagt Ege.


Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
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