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Wem das bekannt vorkommt, leidet wahrscheinlich unter dem Phänomen, das Wissenschaftler „Montagsblues“ nennen. Laut einer Forsa-Umfrage klagt jeder sechste Deutsche über Müdigkeit am ersten Arbeitstag nach dem Wochenende. Besonders hart trifft es die 18- bis 29-Jährigen. Jeder Dritte von ihnen fühlt sich montags schlapp und unkonzentriert. Acht von zehn Deutschen halten den Montag für den schlimmsten Tag der Woche.
Für die Firmen hat das Folgen: An keinem anderen Tag schleichen sich so viele Rechtschreibfehler in E-Mails und Briefe ein. Das britische IT-Unternehmen Attenda hat festgestellt, dass auch die Zahl der Krankmeldungen montags in die Höhe schießt. An diesem Tag ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, sich zu verletzen oder einen Herzinfarkt zu erleiden. Sogar die meisten Selbstmorde werden montags begangen.
Längst ist der Montagsblues ein Teil unserer Kultur. Die Boomtown Rats und die Bangles schufen mit „I don’t like Mondays” und „Manic Monday” die Klassiker der Anti-Montags-Ohrwürmer. Angeblich befahren auch jede Menge Montags-Modelle – nämlich ständig defekte Autos – unsere Straßen.
Mittlerweile beschäftigt der Montagsblues auch die Wissenschaft. Schlafforscher, Psychologen und Philosophen sind ihm auf der Spur. Doch eine genaue Ursache konnte bisher keiner von ihnen finden. Wahrscheinlich sind mehrere Faktoren an der montäglichen Lustlosigkeit schuld.
An Arbeitstagen schüttet unser Organismus Hormone aus, die uns den Stress und die Hektik im Job überstehen lassen. Doch die konstante Anspannung während der Werktage laugt manchmal unseren Körper derart aus, dass unser Immunsystem am Wochenende am Boden liegt. Es kann Viren und Bakterien nicht mehr so gut Paroli bieten. Wer besonders anfällig ist, wird krank – manchmal schon am Samstag oder Sonntag, oft erst am Montag. Deswegen lassen sich so viele am ersten Arbeitstag krankschreiben.
Hinzu kommt, dass das Wochenende unseren Biorhythmus durcheinander bringt. Viele Menschen stürzen sich bis in die frühen Morgenstunden ins Nachtleben und schlafen am nächsten Morgen richtig aus. Wenn am Montag früh dann der Wecker klingelt, befinden wir uns aufgrund der veränderten Wach- und Schlafzeiten am Wochenende manchmal noch im Tiefschlaf. Dann erleben wir eine Art Mini-Jetlag.
Dass die meisten Menschen in der Nacht von Sonntag auf Montag am schlechtesten schlafen, hängt aber nicht nur mit dem gestörten Schlafrhythmus zusammen. Oft gehen wir sonntags mit dem Gedanken an die Aufgaben und Probleme der neuen Arbeitswoche ins Bett und wälzen uns stundenlang umher.
Am Sonntag früher schlafen zu gehen, hilft laut Experten nichts. Denn wer noch nicht richtig müde ist, braucht in der Regel sehr lange zum Einschlafen. Besser man bleibt noch einige Zeit auf und geht dann erschöpft zu Bett. Der Schlafdruck ist dann so hoch, dass man im besten Fall gleich einschläft. Schlafforscher empfehlen, am Wochenende genauso früh aufzustehen wie unter der Woche, um den Schlafrhythmus beizubehalten.
Schuld am Montagsblues ist oft der Chef. Konnte man am Wochenende noch tun und lassen, was man wollte, muss man sich nun wieder seinem Regiment beugen.
Der Montag muss trotzdem nicht zur Qual werden: Zum Beispiel helfen frühes Aufstehen und ein ausgiebiges Frühstück, am besten mit viel Obst. Dazu eine Dosis Tageslicht – und der Montagsblues hat schlechtere Chancen. Einen Montagsschock kann man vermeiden, wenn man schon am Freitag den Schreibtisch aufräumt, bereits begonnene Projekte abschließt und unbeantwortete E-Mails bearbeitet.
Klug ist es auch, freitags eine To-Do-Liste für die kommende Woche anzulegen, um so den Kopf fürs Wochenende frei zu bekommen. Dabei sollten jedoch nicht die schwierigsten und zeitintensivsten Aufgaben notiert werden, sondern die, die leicht von der Hand gehen.
Viele Menschen befolgen am Montag die Regel, keine Termine vor zwölf Uhr zu vereinbaren. Richtig so, sagen Experten. Denn der Montag sollte ein Tag sein, um Kleinkram zu erledigen und Ordnung in den Aufgabenberg zu bringen.

Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.