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Erdwärme: Welche Böden sind die besten Speicher?

Erlanger Forscher entwickeln eine "Wärmelandkarte" - 23.07.2011 01:00 Uhr

Das Karte zeigt die Verteilung der unterschiedlichen Bodenarten im Neubaugebiet Büchenbach-West. Die lila eingefärbten Flächen sind zum Beispiel mit sandigem Lehm bedeckt.

Das Karte zeigt die Verteilung der unterschiedlichen Bodenarten im Neubaugebiet Büchenbach-West. Die lila eingefärbten Flächen sind zum Beispiel mit sandigem Lehm bedeckt. © Geo-Zentrum


Seit Jahrhunderten sind Wiesen und Felder in Flure aufgeteilt. Und fast ebenso lange wissen die Bauern schon, ob sie auf ihren Böden lieber Kartoffeln anbauen sollten oder Erdbeeren. Und das wiederum liegt direkt an der Beschaffenheit des Bodens, die sich schon auf ein paar Metern Entfernung ändern kann. Die Bodenschätzung, also die Bewertung der Ertragsfähigkeit und damit des Wertes landwirtschaftlicher Grundstücke, gibt es schon sehr lange. „Da liegt eine Fülle von verlässlichen Datensätzen über die jeweilige Bodenqualität vor“, sagt David Bertermann.

Der Geograph leitet von Erlangen aus das EU-Projekt „ThermoMap“, an dem Wissenschaftlerteams aus neun Staaten beteiligt sind. Ziel dieses mit insgesamt 3,8 Millionen Euro von der EU geförderten Projekts: Man will mittels vorhandener Daten zur Bodenqualität abschätzen können, ob beziehungsweise wie gut sich eine bestimmte Fläche auch zur Ausbeutung von oberflächennaher Geothermie, also Erdwärme (siehe Extra-Info rechts), nutzen lässt.

Technisch lässt sich die Geothermie ungefähr mit einer Fußbodenheizung vergleichen. In ein bis zwei Metern Tiefe verlaufen Rohre im Boden, die die Wärme aus dem Boden „einsammeln“ und ins Haus transportieren. Dort kann beispielsweise mit Hilfe einer Wärmepumpe im Winter geheizt und im Sommer gekühlt werden.

Sandiger Boden leitet Wärme besser

Grundsätzlich gilt: Je feuchter ein Boden, desto besser lässt sich dort Wärme entziehen. Und: Sandige Böden haben eine bessere Wärmeleitfähigkeit als lehmige oder tonhaltige.

Das große Problem bei der „ThermoMap“, also „Wärmelandkarte“, ist nur: „Jedes Land hat seine eigenen Methoden der Bodenschätzung und liefert daher sehr unterschiedliche Datensätze“, erläutern die Diplom-Geologin Saskia Ziska und der Diplom-Geograph Christian Bialas, die an dem EU-Projekt mitarbeiten: „Unsere Aufgabe ist es, diese sehr unterschiedlichen Daten so zu vereinheitlichen, dass eine Art Kochrezept entsteht, das sich überall anwenden lässt.“

Dieses „Kochrezept“ umfasst darüber hinaus juristische und geographische Details: Ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet zum Beispiel ist für die Nutzung von Geothermie von vorneherein verloren, weil es gar nicht bebaut werden darf. Und ein zu steiler Hang ist ebenso ungeeignet. Die Erlanger Forscher gehen auch noch einen Schritt weiter: Sie probieren ihr „Kochrezept“ auf einer genau umrissenen Fläche im Westen von Erlangen aus. „Da soll später mal Baugebiet ausgewiesen werden“, sagt Bertermann, „und eine Firma wie unser Projektpartner Rehau interessiert sich natürlich dafür, ob das Gebiet für die Gewinnung von Geothermie geeignet ist.“

Das werden demnächst zwei Studenten in ihrer Master- beziehungsweise Bachelor-Arbeit untersuchen. Ihre Aufgabe wird es sein, die von den „Thermo-Map“-Forschern entwickelte „Wärmelandkarte“ an konkreten Bodenflächen auf ihre Anwendungstauglichkeit hin zu testen. 

hlo

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