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Im Land der Tortillas und Tacos

19-jährige Schwabacherin verbringt sieben Monate beim Freiwilligendienst im mexikanischen Hochland - 10.03.2012

Neben der Arbeit in der Schule  hat Franziska auch Zeit, sich in Mexiko umzusehen. Beeindruckt haben sie die Sonnen- und Mondpyramiden (oben)  in Teotihuacan in der Nähe von Mexiko-City. Rechts ist die 19-Jährige mit  einer Schülergruppe  zu sehen.

Neben der Arbeit in der Schule hat Franziska auch Zeit, sich in Mexiko umzusehen. Beeindruckt haben sie die Sonnen- und Mondpyramiden (oben) in Teotihuacan in der Nähe von Mexiko-City. Rechts ist die 19-Jährige mit einer Schülergruppe zu sehen. © privat


In Guadalajara, einer Stadt im Staat Jalisco im Westen des mexikanischen Hochlandes, arbeite ich in einer Schule an einem besonderen Projekt mit. Es ist deshalb besonders, weil es mit Kindern zu tun hat, die aus einem schwierigen Elternhaus stammen, in dem sich die Erwachsenen nicht gut um ihre Kinder kümmern und wahrscheinlich auch Gewalt angewendet wird.

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Ich gebe in den Klassen Englischunterricht und helfe bei allen möglichen Aufgaben. Denn die Schule bietet den Kindern zwei warme Mahlzeiten am Tag, und die Eltern erhalten Unterstützung durch verschiedene Programme.

Weil man vielen Schülern ihr Elternhaus an ihrem respektlosen Verhalten anmerkt, hatte ich anfangs große Schwierigkeiten bei meiner Arbeit. Alleine vor einer Klasse zu stehen und diese mit wenig Spanisch-Kenntnissen und keinerlei pädagogischer Ausbildung zu unterrichten, hat mich wirklich überfordert. Inzwischen kenne ich die Kinder und kann ihnen auf Spanisch kontern – da fühle ich mich gleich wohler. Die Arbeit macht mir nun Spaß und jedes Mal, wenn ein Jugendlicher etwas auf Englisch wissen will oder mich zum Abschied umarmt, freue ich mich.

Dennoch bewundere ich die Lehrerinnen, die ihre Klasse jeden Tag fünf Stunden lang unterrichten. Erstaunt hat mich allerdings, dass es außer uns Freiwilligen wohl niemanden gibt, der Englisch sprechen kann. Teilweise sitzen die mexikanischen Lehrerinnen sogar im Unterricht und lernen mit.

Gastfreundliches Land

Wird in deutschen Medien von Mexiko berichtet, geht es da vor allem um Drogenprobleme und Gewaltexzesse. All diese – mit Sicherheit existierenden Probleme – haben auf mein Leben hier jedoch kaum Einfluss. Ganz im Gegenteil, ich erlebe in dieser Region eine Seite Mexikos, von der man sonst wenig erfährt.

Beispiel Gastfreundschaft: Noch nie zuvor habe ich so viel Gastfreundschaft erlebt wie in Guadalajara. Alles wird geteilt, egal, wie wenig oder viel jemand hat.

Auch das Leben läuft ganz anders ab: Die Menschen haben es nicht so eilig wie die Deutschen und lachen vor allem viel mehr. Meine Vorurteile, dass überall Tortillas und Tacos verspeist werden, haben sich zwar bestätigt. Doch was ich nicht gedacht hätte, ist, dass auch professionell gemachte Fingernägel typisch für mexikanische Frauen sind – fast jede zweite hat sie!

Interessant ist, wie sich mein Blick auf Mexiko im Laufe der vergangenen Monate verändert hat. Anfangs war ich sehr skeptisch. Beeinflusst von Medienberichten über Gewalttaten dachte ich, ich könnte nach Einbruch der Dunkelheit mein Haus nicht verlassen oder dürfte nicht alleine reisen. Diese Sorge hat sich allerdings als unbegründet herausgestellt.

Das Klischee, dass in Mexiko immer noch eine Macho-Kultur besteht, hat sich in meinen Augen aber leider erfüllt. Männer, selbst Polizisten – was auch zeigt, wie das von der Gesellschaft akzeptiert wird – pfeifen einem auf der Straße hinterher oder rufen „schmutzige“ Dinge.

Klare Rollenverteilung

Die Familienstrukturen sind sehr klar: Die Frau kümmert sich um Kinder, Haus und Essen, der Mann arbeitet.

Inzwischen kann ich wohl behaupten, Land und Menschen gut zu kennen. Daher fällt mir immer mehr auf, dass Mexiko neben seinen beeindruckenden Seiten ganz und gar nicht perfekt ist. Aber trotz aller Probleme ein Land ist, bei dem man nicht anders kann, als sich in es zu verlieben. 

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