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Es begann vor dreieinhalb Jahren. Ich ging damals in die 12. Klasse des Wilhelm-Löhe-Gymnasiums in Nürnberg. Meine Schwester Barbara (22) begann gerade ihr Lehramtstudium an der Uni in Erlangen. Heute studiere ich ebenfalls dort: Politik- und Buchwissenschaft.
Die Idee, ein Restaurant zu eröffnen hatte unsere Mutter schon lange. Sie fühlte sich als Hausfrau und Mutter unterfordert. Groß geworden war sie in einem Restaurant in Griechenland und wusste somit, was auf uns zukommen würde. Lange und harte Arbeit – verbunden mit viel Ausdauer und Geduld. Meine Schwester und ich waren trotzdem von der Idee begeistert. Warum, das können wir bis heute nicht erklären. Denn das große Geld ist mit einem Restaurant nicht zu machen. Wobei wir für unsere Mühen selbstverständlich entlohnt werden.
Als wir die Möglichkeit hatten, ein Lokal zu übernehmen, schlugen wir zu. Und dann begannen die Probleme: Wie findet man eine gute Brauerei? Welchen Winzer kontaktiert man, um an gute Weine zu kommen? Noch dazu waren die Bezüge der Stühle und Bänke völlig zerschlissen. Die Küche war ein Albtraum aus altem Fett und Dreck. Geschirr, Töpfe, Gardinen, Lampen...alles mussten wir neu kaufen. Und alles war extrem teuer.
Das Wichtigste war jedoch, das Herz unseres Restaurants zum Schlagen zu bringen: Wir wollten das perfekte Angebot an Gerichten finden. Sechs Monate lang brauchten wir die Hilfe eines professionellen Kochs, der uns täglich angelernt hat. Denn meine Mama und ich waren zwar gute Hobbyköchinnen. Aber wir waren bei weitem nicht in der Lage für mehrere Personen verschiedene Gerichte gleichzeitig zu kochen. Und vor allem welche Gerichte?
Ende September 2007 war es dann soweit: Wir eröffneten. Der erste Abend war ein voller Erfolg. Es kamen unglaublich viele Gäste. Aber es waren alles geladene Gäste, Freunde der Familie. Am nächste Tag legte sich unsere anfängliche Euphorie. Kein einziger Gast betrat unser liebevoll gestaltetes Restaurant. Und am darauffolgenden Tag wieder keiner. So ging es viele Tage und Wochen weiter. Zu dieser Zeit war es eher die psychische Belastung, die uns das Studenten- und Schulleben erschwerte. Die Tage, an denen sich vereinzelt Gäste zu uns verirrten, blieben die Ausnahme. Und dennoch. Die wenigen, die kamen, waren positiv überrascht von den zwei Studentinnen und ihrer Mama. Sie unterstützten uns, so gut sie konnten. Sie glaubten an uns, als die monatlichen Ausgaben dreimal so hoch waren wie unsere Einnahmen.
Damals verloren wir viel wichtige Zeit, die wir zum Lernen hätten nutzen können. Auch das abendliche Weggehen mit Freunden kam zu kurz, Noch gab es keine Möglichkeit, mal einen Abend frei zu nehmen wie heute. Dann kommt eine Hilfskraft und ersetzt uns. Ein Lichtblick damals war, dass es keine einzige Beschwerde gab. Alle Gäste kamen wieder. Unser Konzept überzeugte und stößt heute nach wie vor auf Begeisterung.
Von Anfang an haben wir nur mit frischen Zutaten gearbeitet. Bei uns kommt nichts aus der Dose, aus dem Glas oder ist vakuumverpackt. Ich backe unser Brot selbst. Ich bereite die Desserts eigenhändig zu. Wir machen unser Zaziki und das Salatdressing selbst. Alle Saucen und Beilagen werden täglich frisch zubereitet. Wir haben uns nach langen Diskussionen für eine moderne deutsche Küche mit mediterranen Akzenten entschieden.
Unsere Karte dominieren liebevoll dekorierte Gerichte wie Egerling-Thymian- Risotto mit Knoblauch-Brotkrumen. Oder Rucola-Chilli-Linguini mit Kirschtomaten und gebratenen Garnelenschwänzen. Ein halbes Jahr nach der Eröffnung schrieb ich meine Facharbeit in der Kollegstufe. Meiner Schwester fiel es zu dieser Zeit besonders schwer, Studium und Arbeit zu verbinden. In der Uni war ja alles völlig neu für sie. Wir mussten lernen, unsere Zeit effizient einzuteilen. Ein Jahr später stand mein Abitur an. Das Lernen für die Prüfungen war kein großes Problem. Viele schwieriger ist es jetzt während des Studiums. Zum Ende jedes Semesters stehen bis zu acht Klausuren an. Aber auch das ist machbar.
Viele Gäste sind erstaunt, dass es tatsächlich keinen Mann in der Küche gibt. Doch sie gewöhnen sich daran, dass das Essen von einer Politikwissenschaftsstudentin und ihrer Mama zubereitet wird. Meine Schwester, die künftige Lehrerin, ist für die Bedienung zuständig.
Nach wie vor ist unser Restaurant mit sehr viel Arbeit verbunden. Ich muss mir zusätzlich zum Studium wöchentlich neue Rezepte für unsere Wochentafel einfallen lassen. Auch das Kochen verlangt volle Konzentration. Egal, ob am nächsten Tag eine Prüfung, ein Referat oder sonstiger Unikram ansteht. Zur Prüfungszeit arbeiten meine Schwester und ich auf Abruf. Unser Lernrhythmus hat sich der Arbeit im Restaurant angepasst. Wir können abends nicht effizient lernen. Im größten Prüfungsstress stehen wir deshalb am Wochenende schon frühmorgens auf. Somit können wir acht Stunden durchlernen. So geht es auch. Man muss es nur wollen.
Die körperliche Anstrengung, sowohl im Service als auch in der Küche ist oftmals das größte Problem. Denn in der Küche kochen wir nicht nur. Teller müssen gespült, Kühlschränke und Herde täglich gereinigt werden. Deshalb versuchen wir unseren Stundenplan so zu legen, dass wir mindestens einen Tag in der Woche frei haben. Im Zweifelsfall gilt immer: Uni vor Restaurant! Das war von Anfang an die Bedingung unserer Mutter, unter der unser Restaurantprojekt noch heute steht.
Viele unserer Kommilitonen stellen uns oft die Frage, warum wir diese Anstrengung auf uns nehmen. Die schweißtreibende Arbeit in der Küche und die langen Arbeitszeiten. Die Antwort ist einfach. Es macht unglaublichen Spaß. Anders wäre es nicht möglich, neben dem Studium täglich in der Küche und im Service zu stehen.
Mehr Informationen über das Bistro Konstantina in unserer Rubrik Essen und Trinken!
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