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Dieser eine Moment sollte dann doch etwas länger dauern. Gerade hatte Ilkay Gündogan beim Pokalspiel in Dresden seinen ersten Pflichtspieltreffer für den 1. FC Nürnberg erzielt. Der 18-Jährige rannte vor den Block der Club-Fans und legte sich erst mal hin.
Vom Trainer unter «Welpenschutz« gestellt
Genießen wollte er diesen Augenblick. Man konnte erraten, wie gut sich Gündogan fühlte - beschreiben durfte er es nicht. Ilkay Gündogan gehört zu den jungen Spielern, die Trainer Michael Oenning unter «Welpenschutz« gestellt hat. Spielen sollen sie, sprechen nicht. Das müssen andere übernehmen. Marek Mintal zum Beispiel, der Gündogan bescheinigt, «großes Potenzial« zu haben. Bis er dieses Potenzial vollends entfalten kann, sagt Mintal, «müssen wir ihm helfen«.
Gündogans Stern ging eigentlich schon vor eineinhalb Jahren im schönen Lomas de Campoamor auf. Südspanien. Damals, im Wintertrainingslager der Bochumer Bundesliga-Profis, sorgte ausgerechnet ein 17-Jähriger für Schlagzeilen. Eine, gedruckt in großen, dicken Buchstaben, lautete so: «Er ist Kollers neuer Poldi.« Beim 1. FC Köln hatte der heutige VfL-Trainer einst den blutjungen Lukas Podolski zum Profi gemacht – Ilkay Gündogan soll für sein Alter ähnlich weit gewesen sein.
Dem ehemaligen Mentor und Jugendtrainer gefolgt
Dass der Deutsch-Türke aus Gelsenkirchen seit Anfang Februar für den Nürnberger Club kickt, ist vor allem auf atmosphärische Störungen in Bochum zurückzuführen. «Der Spieler und seine Familie waren sehr enttäuscht, dass bestimmte Zusagen nicht eingehalten wurden«, musste Sportvorstand Thomas Ernst in einem Interview eingestehen. Grund genug für Gündogan, nach Nürnberg zu seinem ehemaligen Mentor und Jugendtrainer Michael Oenning zu wechseln.
Welch überragende Fähigkeiten der 1,80 Meter große Filigrantechniker in sich vereint, ließ sich bis vor kurzem aber höchstens erahnen. Gündogan kam im Frühjahr aufgrund von Verletzungen nicht richtig auf die Beine und durfte lediglich gegen 1860 München im letzten Punktspiel ein paar Minuten sein Können demonstrieren.
Mittlerweile eine feste Größe im linken Mittelfeld
Eine Vorbereitung später sieht die Sache schon etwas anders aus: Der 18-Jährige könnte sogar noch die A-Jugend verstärken, ist mittlerweile aber eine feste Größe im linken Mittelfeld des Bundesliga-Aufsteigers. Für Oenning keine Überraschung, «denn ich wusste ja, was er kann«.
Und das ist allerhand. «Man sieht, dass er sich freischwimmt«, sagt Oenning über seinen intelligenten Musterschüler, der nebenbei auf dem Bertolt-Brecht-Gymnasium sein Abitur schaffen will. Schon vor dem Trainingslager in der Schweiz hatte sich Gündogan festgespielt in Nürnbergs Elf und seitdem nicht mehr locker gelassen.
Auch in der Bundesliga für Überraschungen gut
Seine Stärken: «Übersicht, Spielfreude, Ilkay bereitet Tore vor«, sagt Oenning, «so einen Typ Fußballer hatten wir hier lange nicht.« Vergleiche mit Yildiray Bastürk, berühmt für seine oft übertrieben eigensinningen Tempodribblings, lehnt Oenning jedoch entschieden ab. «Ilkay spielt viel strategischer als Bastürk«, sagt Oenning, «aber er soll seinen Weg gehen.«
Ein Weg, der ihn schon bald wieder in den überregionalen Fokus führen könnte. Beim Club traut man dem deutschen Junioren-Nationalspieler durchaus zu, auch im Oberhaus groß aufzutrumpfen. «Wenn er sich weiter so präsentiert«, sagt Oenning, «gibt es keinen Grund, ihn zurückzuhalten.« Abheben dürfte Ilkay Gündogan, der Türkisch, Deutsch, Englisch, Französisch und neuerdings auch Russisch spricht, deswegen aber nicht. «Ich werde so bleiben, wie ich bin«, hat er schon vor eineinhalb Jahren im Bochumer Trainingslager angekündigt – egal, wie die Schlagzeilen auch lauten mögen.
Do. 23.05.13
Do. 23.05.13
Mi. 22.05.13
Mi. 22.05.13
Mi. 22.05.13