17°C
Mittwoch, 23.05. - 02:08 Uhr
Login
Info
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos!
Passwort vergessen
Info
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!

E-Mail-Adresse
Druckversion

Alex Esswein: Nicht immer mit dem richtigen Köpfchen

Der Club-Stürmer kann alles, setzt es aber oft nicht effektiv genug ein - 12.01. 06:58 Uhr

BELEK  - Alexander Esswein präsentiert sich im Club-Trainingslager in Belek topfit und vor allem ohne Verletzungsprobleme – sorgt aber dennoch für einigen Wirbel. Nicht nur auf dem Platz.

„So etwas geht nicht“: Trainer Hecking war sauer, weil sich Alexander Esswein (im Bild links) in einem Testspiel zu einem Kopfstoß hinreißen ließ.
„So etwas geht nicht“: Trainer Hecking war sauer, weil sich Alexander Esswein (im Bild links) in einem Testspiel zu einem Kopfstoß hinreißen ließ.
Foto: JüRa/Zink
„So etwas geht nicht“: Trainer Hecking war sauer, weil sich Alexander Esswein (im Bild links) in einem Testspiel zu einem Kopfstoß hinreißen ließ.
„So etwas geht nicht“: Trainer Hecking war sauer, weil sich Alexander Esswein (im Bild links) in einem Testspiel zu einem Kopfstoß hinreißen ließ.
Foto: JüRa/Zink

Im Winterurlaub muss man nicht verreisen, um etwas Aufregendes zu erleben. Man kann auch einfach zum Tätowierer seines Vertrauens fahren, wie Alexander Esswein zwei Tage vor Weihnachten. In Frankenthal nahe seiner Heimatstadt Worms müssen die Nadeln geglüht haben; zwölf Stunden, erzählt Esswein stolz, habe er sich diverse Motive und Sprüche in die Haut stechen lassen. Auf seinem linken Arm ist neuerdings kein Platz mehr, auf seinem rechten auch nicht mehr viel.

Es gefalle ihm einfach, sagt Esswein, der, das sei angemerkt, noch andere Hobbys hat. Und einen Beruf, der ihn zu einer kleinen regionalen Berühmtheit werden ließ in den vergangenen Monaten. Fußball-Profi ist er, in Nürnberg. Wo er in der Vorrunde dank seiner Schnelligkeit eine ganze Reihe spektakulärer Aktionen hatte, an die man sich noch länger erinnern wird.



Nett anzuschauen ist sein oft rasantes Spiel, ohne Zweifel. Wenn er sich per Hacke den Ball vorlegt oder elegant mit der Sohle streichelt, das sieht schon klasse aus. Nur bringt es der Mannschaft nicht viel. Hoher Aufwand, fast kein Ertrag. In 16 Bundesliga-Einsätzen für den Club schaffte Esswein genau ein Tor (gegen Augsburg) und null Torvorlagen, zudem traf er beim Pokalspiel in Aue. Eine ziemlich magere Bilanz, findet auch sein Trainer. „Unter dem Strich“, sagt Dieter Hecking, „kommt zu wenig dabei heraus.“

Gefühl fehlt noch

Schon richtig, entgegnet Esswein, 2010/2011 „Spieler des Jahres“ bei Dynamo Dresden und in der 3. Liga, „ich weiß, dass ich mehr kann“. Probleme kriegt er normalerweise, wenn es erst richtig interessant wird. Wenn er seinem Bewacher davongelaufen ist und sich dem Strafraum oder der Grundlinie nähert. „Ich war oft durch und hab’ dann die falsche Entscheidung getroffen“, gibt er zu, „dafür muss ich mehr Gefühl entwickeln.“



Und er ist ja noch jung, erst 21, das könnte schon etwas werden mit ihm. Talent hat er jedenfalls für zwei. Trotz seines bulligen Körpers wirkt Esswein leichtfüßig, ihm zuzuschauen macht häufig Spaß. Wie neulich im EM-Qualifikationsspiel des deutschen U21-Teams in Weißrussland, als Esswein ein Weltklasse-Tor gelungen war. Ballannahme, Ballmitnahme und Abschluss in höchstem Tempo. Das können nicht viele. Er schon.

Irgendwann, erzählt Esswein, „habe ich gemerkt, dass ich an jedem vorbeikomme“. Selbst Dennis Diekmeier, eigentlich bekannt für seine explosiven Antritte, ließ er neulich ein paar Mal stehen auf seiner rechten Seite, ging fast nach Belieben innen und außen vorbei, in Hamburg kamen außerdem Essweins Flanken. „Komplett zufrieden“ war sein Chef an jenem Sonntagabend mit ihm. Was sonst eher selten der Fall ist.

Esswein gelobt Besserung, bereits in der nahen Rückrunde will er dies auch beweisen. Seine Kritiker überzeugen. Möglicherweise künftig des öfteren als zweite Spitze neben Tomas Pekhart, da Trainer Hecking, wie berichtet, über eine Systemumstellung nachdenkt. Esswein nicht. Links? Rechts? Ganz vorn? Ist ihm wurscht. Esswein redet so, wie er manchmal Fußball spielt: Einfach drauf los, ohne viel nachzudenken.

So auch am Dienstag im Testspiel gegen De Graafschap. Esswein war eigentlich gut drin in der Partie, bis er sich zu einer albernen Tätlichkeit hinreißen ließ. Der Schiedsrichter hatte seinen Kopfstoß nicht gesehen, sonst wäre der Nürnberger vom Platz geflogen. Hecking schon. Und wechselte ihn aus. „So etwas geht nicht“, mault der Trainer am nächsten Tag, nachdem er ihn sich vorgeknöpft hatte. Ein Fußballer zwischen Genialität und Wahnsinn. „Alex kann den Unterschied ausmachen“, sagt Hecking, „seine Dynamik ist eine Waffe“ — nur dürfe er sich in seiner Entwicklung „nicht selbst im Weg stehen“. Wonach es derzeit stark aussieht, weil Esswein auch nicht gerne mit den anderen verteidigt. Hecking glaubt dennoch an ihn. „Das sind Sachen, die der Junge noch lernen wird.“

Und wer weiß, vielleicht lässt sich Esswein ja eines Tages auch das Club-Emblem eintätowieren. Auf seinem breiten Kreuz soll es noch ein paar freie Stellen geben. 



VON WOLFGANG LAASS

Ihr Kommentar

Name:
 
Info
Bestätigungswort

Um Ihren Kommentar abzusenden, geben Sie bitte das Bestätigungswort ein. Nicht lesbar? Erzeugen sie durch Klick darauf einen neuen Text.



Zum Thema
Logo 1. FC Nürnberg
Gründungsdatum:
04.05.1900
Mitgliederzahl:
12.000


Kurzbeschreibung:
Der 1. FCN - genannt "der Club" - hat folgende Titel errungen:
Deutscher Meister: 1920, 1921, 1924, 1925, 1927, 1936, 1948, 1961, 1968
DFB-Pokalsieger: 1935, 1939, 1962, 2007

Ein extra Themenarchiv mit "historischen" Berichten rund um den 1. FCN finden Sie unter dem Stichwort "Club-Geschichte(n)".

Der Club-Kader in der Saison 2011/12

Galerie Kader 1. FC Nürnberg 2011/12

Die Club-Gegner in der Saison 2011/12

Galerie Gegner 1. FC Nürnberg 2011/12