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"Unverzichtbar" nennt ihn das Fachmagazin kicker und „aus der Nürnberger Elf nicht mehr wegzudenken“; Bild würdigte seine sensationelle Leistung beim 3:0 über Eintracht Frankfurt mit der selten vergebenen Note eins – und Almog Cohen selbst musste versuchen, seine neue Unverzichtbarkeit schnell zu vergessen. Weil er zum fünften Mal Gelb gesehen hatte, muss er ausnahmsweise wieder einmal verzichtbar sein für den 1.FC Nürnberg, am kommenden Samstag auf Schalke ist Cohen gesperrt.
Zum ersten Mal seit dem 15. Spieltag tritt Nürnberg dann wieder ohne Cohen an, nach neun Partien, aus denen der Club mit Cohen 17 Punkte holte. Dass der verblüffende Nürnberger Aufschwung der vergangenen Wochen mit dem persönlichen Aufstieg von Almog Cohen zusammenfällt, ist natürlich weniger erstaunlich. Nürnberg erlebt gerade die zweite Welle der jugendlichen Auffrischung – mit einem famosen Cohen, aber genauso mit einem stürmischen Robert Mak, einem manchmal immer noch unglaublichen Philipp Wollscheid oder einem Timothy Chandler, der sich wie selbstverständlich vom Viertligaspieler zum zuverlässigen Bundesligaprofi zu entwickeln beginnt. Dass Ilkay Gündogan, Jens Hegeler oder Mehmet Ekici, vom ersten Spieltag an Eckpfeiler dieser Mannschaft, im Grunde auch noch Bundesliga-Azubis sind, hat man beinahe schon vergessen.
Es mache „eine Riesenfreude, in dieser Mannschaft zu lernen“, sagt Almog Cohen – von älteren Spielern wie Javier Pinola oder Timmy Simons, genauso aber von den jungen Kollegen. Dieser seit Monaten laufende Prozess hat ein Teamklima geschaffen, das Dieter Heckings Mannschaft als Kollektiv viel stärker macht, als es die Summe ihrer individuellen Stärken (noch) vermuten lassen würde. Was ihr an Erfahrung notwendigerweise fehlt, macht die Elf durch Diszipilin, Lernbereitschaft und einen beeindruckenden Teamgeist wett. Nürnberg hat – öffentlich noch vergleichsweise kaum beachtet – zu den bewunderten Außenseitern Mainz 05 und SC Freiburg aufgeschlossen, auch nach Punkten, die Mainzer Überflieger liegen nur noch zwei Zähler voraus. Und dieser Prozess, sagt Cohen, sei längst nicht abgeschlossen.
Der im Juli von Maccabi Netanya gekommene Israeli, seit September 2010 Nationalspieler, steht tatsächlich auch beispielhaft für den Weg, Bundesligareife aus Talent zu entwickeln. Mitgebracht, sagt der 22 Jahre alte Cohen, habe er sicherlich gute Veranlagungen, aber vor allem eine enorme Ernsthaftigkeit im Ausbildungswillen, eine vom ersten Moment an ansteckende Leidenschaft für das Lernen – auf viel höherem Niveau, wie er sagt, als er es aus Israel gewohnt war. „Deutschen Fußball lernen“, wie es Cohen immer sagt, Aggressivität, Tempo, taktisches Verhalten.
Je stabiler die Mannschaft darin wurde, desto stärker fielen Cohens Fortschritte auf, mit seinem energischen Einsatz hat Cohen längst die Herzen der Fans erobert – in Nürnbergs Anhängerschar wehen neuerdings auch israelische Flaggen. „Ein Geben und Nehmen“ nennt er selbst diesen Prozess, über den der Club die in der Rückrunde stabilste Defensive der Liga entwickelt hat; ganze drei Gegentore resultierten aus sieben Spielen. Jetzt sind es auch schon vier Siege hintereinander: Als dem 1.FC Nürnberg das zum bis Freitag letzten Mal gelungen war, war Almog Cohen gerade ein Jahr alt geworden, und besser stand der Club seither zu diesem Zeitpunkt nur ein einziges Mal da: in der Pokalsiegersaison 2006/07. Schön, sagte Cohen am Freitagabend, „super für unsere Fans“, aber viel wichtiger sei der Blick nach vorne: „Weitermachen, weiterlernen, Schalke besiegen“ – mit der Sicherheit wächst das Selbstvertrauen, neuerdings zu sehen auch im Vorwärtsspiel.
Almog Cohens schönes Tor zum 3:0 gegen die Eintracht, ein präziser Distanzschuss, stand für diesen neuen Mut, ein wenig sogar zur Überraschung von Dieter Hecking. „Ich wusste gar nicht, dass Almog so weit schießen kann“, bemerkte der Trainer. Solche Witze, sagte Cohen, mache Herr Hecking manchmal mit ihm, und es stimme ja auch, denn: „Es war mein erstes richtiges Bundesligator“. Der Abstauber zum 2:0 über den HSV sei schließlich noch keine so anspruchsvolle Übung gewesen, erklärte Cohen und lachte. Lernen soll schließlich auch Spaß machen.

Mo. 21.05.12
Fr. 18.05.12
Fr. 18.05.12