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Asamoah: "Nur einem Messi verspringt niemals der Ball"

Interview: Fürths neuer Star versteht sich als Fußball-Arbeiter - 19.01. 08:00 Uhr

Fürth  - Am Donnerstag sind die Fußballer der Spielvereinigung Greuther Fürth in ihr Wintertrainingslager an der türkischen Riviera geflogen. Mit an Bord: Gerald Asamoah (33), der prominenteste Spieler, den der Zweitligist je verpflichtet hat. 43-mal lief der in Ghana geborene Stürmer für die deutsche Nationalelf auf, außerdem spielte er 358-mal in der Bundesliga, die meiste Zeit für Schalke04. Vor dem Abflug nach Belek sprach Asamoah mit unserer Zeitung über Fürth, seinen neuen Trainer, sein Herz, seine Fehler und sein Image, eine Frohnatur zu sein.

Seine Cleverness soll fürth endlich zum Aufstieg verhelfen: Gerald Asamoah.
Seine Cleverness soll fürth endlich zum Aufstieg verhelfen: Gerald Asamoah.
Foto: Wolfgang Zink
Seine Cleverness soll fürth endlich zum Aufstieg verhelfen: Gerald Asamoah.
Seine Cleverness soll fürth endlich zum Aufstieg verhelfen: Gerald Asamoah.
Foto: Wolfgang Zink

Herr Asamoah, was wussten Sie über Fürth, bevor Sie sich bis 2013 ans Kleeblatt gebunden haben?

Asamoah: Ehrlich gesagt, nicht viel. Ich wusste, dass ein Freund von mir, Charles Takyi, hier mal gespielt hat. Mit Hannover96 war ich 1998 mal im Ronhof. Erst seit Mike hier ist (Trainer Mike Büskens, Red.), schaue ich ein bisschen genauer hin. Und natürlich war mir bewusst, dass das ein Klub ist, der schon oft oben dabei war, aber nie aufgestiegen ist.

Ich meinte ausnahmsweise nicht die Spielvereinigung, sondern die Stadt als Ganzes: Quelle, Schickedanz, Erhard, Grundig ...?



Asamoah: Für mich ging es zunächst nur um den sportlichen Aspekt. Eigentlich wollte ich ins Ausland, aber die Angebote, die kamen, haben mich nicht so angemacht wie das der Spielvereinigung, obwohl ich natürlich woanders mehr hätte verdienen können. Was wusste ich über Fürth? Dass es neben Nürnberg liegt, mit dem Club verbindet die Schalker ja seit langem eine Fan-Freundschaft.

Warum sind Sie nicht bei St. Pauli geblieben? Der Kultklub vom Kiez und der Kultkicker Asamoah, das passte doch wie die Faust auf Auge.

Asamoah: Ich hatte die meisten Scorerpunkte, also keine schlechte Saison. Auch von den Fans her war das optimal, aber es haben ein paar andere Dinge nicht gepasst, über die ich jetzt nicht mehr reden will.

Ihr neuer Chef ist ein alter Kumpel aus Schalker Tagen. Sie wohnen im selben Hotel wie Mike Büskens, und Sie können an freien Tagen eine Fahrgemeinschaft bilden, um ihre im Ruhrgebiet gebliebenen Familien zu besuchen. Wie viel Nähe darf ein Spieler zu seinem Trainer haben?

Asamoah: Na ja, so viel Nähe ist da momentan gar nicht. Wir wohnen zwar im selben Hotel, aber auf unterschiedlichen Etagen. Er hat im fünften Stock irgendwo eine Suite, ich im dritten ein Zimmer. Bislang habe ich ihn im Hotel nur getroffen, wenn ich zum Frühstück gegangen bin, meistens ist er aber schon fertig damit. Als Trainer muss man halt früher raus (lacht).

Dennoch kennen Sie Büskens besser als jeder andere Fürther.

Asamoah: Klar. Er war bei Schalke mein Mitspieler und mein Trainer. Er ist auch ein wichtiger Grund dafür, dass ich jetzt hier bin. Ich habe aber keine Stammplatzgarantie, ich muss wie jeder andere Leistung bringen.

Woran erinnern Sie sich spontan, wenn Sie an den Spieler Büskens zurückdenken?

Asamoah: Wir beide waren uns ziemlich ähnlich, jedenfalls von der Spielweise her. Wir waren nie die großen Techniker, wir waren immer die Arbeiter. Deshalb haben uns die Fans geliebt. Außerdem war Mike ein Siegertyp, der wollte auch im Training immer nur gewinnen.

Büskens ist "immer noch ein Kumpeltyp"

Hat er sich in seiner Eigenschaft als Trainer verändert?

Asamoah: Nicht so sehr. Er ist immer noch ein Kumpeltyp. Andererseits lässt er seine Spieler sehr hart arbeiten.

Ein Satz aus Ihrer Glanzzeit lautet: „Da krieg ich so den Ball, und das ist ja immer mein Problem.“ Was sollte das denn heißen?



Asamoah: Ich habe das wahrscheinlich so nie gesagt, trotzdem stehe ich dazu. Nur einem Lionel Messi verspringt niemals der Ball, mir und den meisten anderen schon. Dennoch habe ich es mit der Fähigkeit, meinen Körper geschickt einzusetzen, bis in die Nationalmannschaft geschafft. Vielleicht habe ich zu dem Thema tatsächlich mal einen solchen Spruch gebracht, ich bin ja so ein Typ.

In der Öffentlichkeit kennt man Sie als wandelnden Glückskeks, der meistens breit grinst. Selbst die Tatsache, dass nach einer Nacht auf St.Pauli unerquickliche Aspekte ihres Liebeslebens in den Medien ausgebreitet wurden, scheint ihrer Laune nichts anhaben zu können. Sind Sie so abgebrüht oder tatsächlich ein notorischer Sonnenschein?

Asamoah: Es soll mir mal einer sagen, dass er in seinem Leben keinen Fehler gemacht hat. Ich weiß, was an der besagten Geschichte wahr war und was nicht. Grundsätzlich versuche ich, auch mit solchen Sachen locker umzugehen, mich nicht runterziehen zu lassen. Wenn man mit 19 Jahren schon so etwas erlebt hat wie ich mit meinem Herzen, relativiert sich vieles.

Am Beginn ihrer Karriere wurde ein Herzfehler diagnostiziert. Inwiefern beeinträchtigt Sie dieser noch?

Asamoah: Den habe ich mein Leben lang. Und ich bin sehr froh, dass heutzutage nicht nur in jedem Bundesligaklub ein Defibrillator zur Ersthilfe vorhanden ist. Auf Schalke ist es vor langer Zeit mal passiert, dass ein Trainer umgefallen ist und mein Gerät ihn gerettet hat.

Zurück zu ihrem Ruf als Frohnatur: Franken gelten – natürlich völlig zu Unrecht – als maulfaul und mürrisch, sozusagen als Anti-Asamoahs. Wie ist Ihr erster Eindruck?

Asamoah: Ich habe auch gehört, dass die Franken eher negativ sein sollen. Bis jetzt kann ich das nicht bestätigen. So viele Leute habe ich aber auch nicht getroffen. Mal abwarten.

Sie haben beim Kleeblatt eine Woche mittrainiert und ein erfolgreiches Testspiel mit einem Kurzeinsatz absolviert. Wie stark ist die Mannschaft wirklich?

Asamoah: Ich habe nach dem Spiel in Augsburg (2:0, Red.) schon gesagt: Die wissen gar nicht, wie gut sie sind. Diese vielen jungen Spieler sind technisch stark und haben diese Frische, die einfach Spaß macht. Die machen Kunststücke – wenn ich da an den Sercan (Sercan Sararer, Red.) denke, das ist verrückt, was der kann. Ich könnte noch mehr Namen aufzählen. Das wichtigste aber ist, dass ich eine absolute Einheit kennengelernt habe.

Was ist Ihre Rolle in dieser Einheit?

Asamoah: Ich weiß, dass ich sieben Monate nur für mich trainiert habe. Das kann ich nicht von heute auf morgen aufholen. Möglicherweise spiele ich oft nur zehn Minuten, dennoch kann ich mit meiner Erfahrung wertvoll sein. Wer gewinnen will, muss manchmal auf dem Platz ein Arschloch sein. Vielleicht bringe ich den letzten Tick Cleverness mit, der den Jungs hier bislang gefehlt hat.

Bei der Nationalelf waren Sie für die Musik in der Kabine zuständig. Haben Sie Ihre neuen Kollegen auch schon für Xavier Naidoo begeistern können; nach dem Motto: „Dieser Weg wird kein leichter sein...“

Asamoah (lacht): Das mit der Musik war gar nicht so einfach. Erstens hat das immer auch etwas mit Aberglauben zu tun, und Fußballer sind sehr abergläubisch; zweitens hatte beispielsweise Oliver Kahn nicht den gleichen Geschmack wie die jüngeren Spieler. In Fürth wird in der Kabine auch Musik gehört, ich habe mein iPod schon eingestöpselt, ein spezielles Aufstiegslied gibt es aber noch nicht.

Pflegen Sie auch andere Rituale?

Asamoah: Ja, wenn es irgendwie möglich ist, gehe ich vor dem Spiel auf die Toilette und bete. 



Interview: KURT HEIDINGSFELDER

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Gründungsdatum:
23.09.1903
Mitgliederzahl:
2550


Kurzbeschreibung:
Die Spielvereinigung Greuther Fürth feierte als Fußballverein ihre größten Erfolge in der Vereinsgeschichte mit drei deutschen Meistertiteln in den Jahren 1914, 1926 und 1929 als SpVgg Fürth. Im Jahr 1994 gelang die Qualifikation für die neu gegründete Regionalliga, 1996 trat die Fußballabteilung des TSV Vestenbergsgreuth der SpVgg bei. Der traditionsreiche Name SpVgg Fürth wurde durch den Zusatz Greuther ergänzt. Zurzeit ist die SpVgg Greuther Fürth durch die ununterbrochene Zugehörigkeit zur 2. Bundesliga seit 1997 der "dienstälteste" Zweitligist. Im Volksmund wird der Verein auch als "Kleeblatt" bezeichnet.