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Von Steffen Hamanns Familie hatte sich nur seine Mutter in die ausverkaufte Arena gewagt, um ihren Sohn zu sehen. „Der Rest ist lieber zu Hause vor dem Fernseher geblieben“, erzählte der ehemalige Publikumsliebling nach der deutlichen 77:89-Niederlage seines FC Bayern München bei den Brose Baskets Bamberg. Was der Großteil seiner Verwandtschaft nur vor der Flimmerkiste mitverfolgen wollte, live jedoch ein beeindruckendes Erlebnis darstellte, war eine Demonstration der Stärke des deutschen Meisters gegen den ehrgeizigen Emporkömmling der Liga.
Dabei zeigten die Bayern und ihr formstarker Aufbauspieler ihre beste Leistung seit Wochen. Zusammen mit dem zweiten Ex-Bamberger Demond Green war Hamann für die ersten zehn Gästepunkte verantwortlich. Als die Mannschaft von Coach Dirk Bauermann kurz vor Ende des ersten Viertels sogar mit 22:13 führte, sah es kurzzeitig so aus, als ob der ambitionierte Aufsteiger den Oberfranken tatsächlich das Wasser reichen könnte.
Doch angeführt von einem nun bärenstarken Center Tibor Pleiß und angepeitscht von frenetischen 6800 Fans kamen die Bamberger im zweiten Viertel nicht nur zurück und drehten das Spiel, sie dominierten es ab sofort auch. Schlagartig wurde klar, warum zumindest niemand in der BBL dem Tabellenführer das Wasser reichen kann. Denn gerade als die Münchner glaubten, sie hätten die erste Fünf der Gastgeber halbwegs im Griff, kamen mit Pleiß, dem Ex-Nürnberger Julius Jenkins und Predrag Suput drei Leistungsträger von der Bamberg-Bank, die in jedem anderen Bundesliga-Team schon von Beginn an auf dem Parkett stehen würden.
Auf der Gegenseite hingegen erwischten neben Robin Benzing auch dessen Nationalmannschaftskollegen Philipp Schwethelm und Jan-Hendrik Jagla einen rabenschwarzen Tag: Ihre Einwechslungen verpufften völlig. Bei den Bambergern hingegen fanden nun auch die restlichen Spieler wieder zu ihrem Rhythmus. Auf die Treffsicherheit von Anthony Leon, besser bekannt als P.J. Tucker — dessen Abkürzung übrigens für „Pop Junior“ steht — und die cleveren Aktionen von Anton Gavel und Casey Jacobsen hatte der Neuling keine Antworten. Bereits zur Halbzeit lag das Team von Chris Fleming mit 13 Zählern vorne (47:34), ein Vorsprung, der bis zum Ende nie ernsthaft in Gefahr geriet.
Mit „einem großen weinenden und einem kleinen lachenden Auge“ beschrieb Dirk Bauermann seinen Gefühlszustand nach der Partie. Traurig machte ihn die Niederlage, bei der er sein Team „zumindest phasenweise auf Augenhöhe sah“. Der Ex-Bamberg-Coach bedankte sich aber auch bei den Zuschauern für die „freundliche Begrüßung und die niemals feindselige Stimmung, die eines Spitzenspiels absolut würdig war.“
Auch sein Gegenüber Chris Fleming hatte Komplimente zu verteilen: „Bayern war in dieser Hinrunde bisher der beste Gegner, gegen den wir zu Hause gespielt haben“, sagte er. „Bei all dem Druck spielen sie auf einem sehr guten Level.“ Dass Flemings Jungs aber national derzeit in einer anderen Liga spielen und den aufstrebenden FC Bayern auf ganzer Linie in die Schranken gewiesen haben, ist wohl auch den Bayern-Fans nicht verborgen geblieben.
Bamberg: Tucker 23 Punkte, Jacobsen 18, Gavel 14, Pleiß 13, Slaughter 8, Roberts 5, Jenkins 4, Suput 4, Tadda.
München: Hamann 18 Punkte/8 Assists, Homan 17 Punkte/8 Rebounds, Troutman 14, Nadjfeji 10, Green 6, Benzing 4, Schwerthelm 3, Wallace 3, Jagla 2.
So. 20.05.12
Sa. 19.05.12
Sa. 19.05.12
Di. 15.05.12