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Basketball-Demonstration: Bamberg startet furios ins Finale

Der Titelverteidiger demonstriert beim 98:72-Sieg gegen Ulm seine Überlegenheit - 04.06.2012 08:54 Uhr

Wirbelwind hinter der Ulmer Abwehr: Bambergs Brian Roberts ist seinen Gegenspielern entwischt.

Wirbelwind hinter der Ulmer Abwehr: Bambergs Brian Roberts ist seinen Gegenspielern entwischt. © dpa


Nach der Schlusssirene wurde keine Trophäe überreicht. Dabei hatte die brodelnde Halle großartigen Sport erlebt: einen furios aufspielenden Favoriten, sympathische Außenseiter, die das unmöglich Erscheinende beinahe möglich gemacht hätten, eine fesselnde Schlussphase und eine noch packendere Verlängerung. Aber es war eben kein entscheidendes Spiel – damals am 24. März beim Pokalhalbfinale zwischen Bamberg und Ulm (99:96) in Bonn. Trotzdem, besseren Basketball meinte man in Deutschland seit langer Zeit nicht gesehen zu haben. Bis gestern.

Auch nach dem 98:72 (49:28) der Brose Baskets gegen ratiopharm Ulm wurde noch keine Silberware überreicht. Der Meister von 2005, 2007, 2010, 2011 und Pokalsieger von 2010, 2011 und 2012 benötigt in der Finalserie noch zwei weitere Siege, um sich zum dritten Mal in Folge alle beiden Titel zu holen. Schon am Mittwoch (20 Uhr/Sport1) haben die Ulmer die Möglichkeit, auszugleichen. Diese erste von maximal fünf Partien aber hielt bereits alles, was das grandiose Duell Ende März versprochen hatte. Allein die ersten zehn Minuten erklärten, warum sich ein leidenschaftlicher Fußballer wie Uli Hoeneß in Basketball verliebt hat.

Keine Schwächen mehr

Es war aber nicht Hoeneß’ Mannschaft, nicht der FC Bayern, die das oberfränkische Ausnahmeteam zu einem Spielrausch provoziert hatte, es war auch nicht Alba, der große Rivale aus Berlin, sondern eine sympathische Auswahl von Oberlippenbartträgern aus Hoeneß’ Heimatstadt Ulm. Ohne Niederlage in den Viertel- und Halbfinalserien war der Überraschungszweite der Vorrunde in dieses erste Endspiel eingezogen, wo er sich lange Zeit als würdiger Vertreter erwies – und trotzdem nicht den Hauch einer Chance hatte. Mit heiserer Stimme stellte Thorsten Leibenath danach fest: „Bamberg hat uns den Schneid abgekauft.“ Der Ulmer Trainer aber will die „Lehren daraus ziehen, das Schöne an Play-offs ist ja, dass man alles wieder gut machen kann“. Kollege Chris Fleming sagte: „Die Höhe des Siegs ist unbedeutend. Ulm ist erfahren genug, um in Spiel zwei zurückzukommen.“ Diese fade Disziplin nennt sich: Play-off-Phrasen dreschen. Wer in Bamberg auf gehaltvolle Aussagen hofft, muss mit dem Manager reden.

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Wolfgang Heyder hatte auf seinem Stammplatz an der Mittellinie einen vergleichsweise entspannten Nachmittag erlebt. Der Manager vermutete, dass es Ulm in den Play-offs von Braunschweig und Würzburg bislang zu leicht gemacht wurde. „Sie waren auf unsere Physis nicht eingestellt.“ Bamberg hatte hingegen das erste Viertelfinalspiel gegen Bonn verloren und sich seitdem keine Schwäche mehr erlaubt. Heyder: „Wir spielen mit einem unglaublichen Selbstbewusstsein.“ Bestes Beispiel: Tibor Pleiß. Schon vor dem ersten Sprungball schien der Nationalspieler beinahe zu platzen vor Vorfreude auf das Duell der beiden langen Männer.

Butterweiche Distanzwürfe

Deutschlands größtes Talent gegen John Bryant, den wertvollsten Spieler der Vorrunde; ein 2,15 Meter großer Schlaks aus dem Bergischen Land gegen den einstmals 175 (und mittlerweile 127) Kilogramm schweren Kalifornier – die Vorberichterstattung reduzierte das Finale auf diesen Zweikampf. Und zumindest fünf Minuten lang beherrschten die Center tatsächlich das Geschehen. Bryant überraschte durch Leichtfüßigkeit, Pleiß durch butterweiche Distanzwürfe. Sein erster von zwei Dreiern zeigte Wirkung: Bamberg führte 13:4, nach 150 Sekunden.

Danach verzweifelten die Gäste an dem ständigen Druck, dranbleiben, treffen zu müssen. Nur eine Statistik: Von ihren 27 Dreier-Versuchen verwandelten die Bamberger 14. Auch die Ulmer trafen 14 Mal - allerdings bei 31 Versuchen von der Freiwurflinie. Selbst, als es nach zweifelhaften Schiedsrichterentscheidungen (bei 63:42) einen Moment so schien, als zweifelten die Hausherren an ihrer Überlegenheit, erhöhten sie die Intensität einfach noch einmal.

Die Partie war da längst nur noch normal unterhaltsam. Vielleicht waren die ersten zehn Minuten erneut nur ein Versprechen. Bamberg könnte es frühestens am kommenden Sonntag (15 Uhr) in Spiel drei einlösen. Danach könnte dann auch der Meisterpokal überreicht werden.

Bamberg: Tucker 18 Punkte, Roberts 17 (3/3 Dreier, 7 Assists), Pleiß 12 (2/2 Dreier), Suput 12, Gavel 11, Jenkins 10, Slaughter 8 (12 Rebounds), Jacobsen 6, Schmidt 2, Tadda 2, Neumann.

Ulm: Bryant 13, Swann 13 (4 Ballverluste), Nankivil 12, Mason-Griffin 8, Betz 8, Günther 7, Esterkamp 6, Watts 5, Torbert, Wenzl.

  

SEBASTIAN BÖHM

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