Durchaus bemerkenswert, diese Erfolgsserie. Saisonübergreifend hat der 1. FC Nürnberg sage und schreibe fünfmal in Folge nicht verloren. Köln, zweimal Augsburg, Trier, Mönchengladbach. Macht zusammen den Klassenverbleib, die zweite Runde im DFB-Pokal und einen passablen Start in die neue Bundesliga-Spielzeit. Das kann sich durchaus sehen lassen. Die bemerkenswert gute Laune des Trainers ist bestimmt auch ein wenig durch die Ergebnisse bedingt, aber nicht nur. Fast schon beängstigend, wie Dieter Hecking von seinen Fußballern schwärmt. "Es macht mir sehr viel Spaß, die Mannschaft bei der Arbeit zu beobachten", hat Hecking gestern während der Pressekonferenz vor dem morgigen Heimspiel gegen den Sport-Club Freiburg gesagt. Und: "Die Spieler", berichtet ihr Chef aus dem Alltag, "hören zu und kommunizieren auch untereinander sehr viel"; "das", sagt Hecking, "gibt mir momentan ein sehr, sehr gutes Gefühl."
Sehr, sehr gute Gefühle vor einer sehr, sehr wichtigen Partie waren in der 110-jährigen Historie des 1. FC Nürnberg leider oftmals äußerst kontraproduktiv. Die Gefahr, dass es einige aufgrund der Konstellation (Freiburg hat zum Auftakt verloren, der Club nicht) etwas zu locker angehen lassen könnten, sieht Hecking jedoch nicht. Und falls tatsächlich mal einer nicht wie befohlen spuren sollte, müsste er eben zuschauen. So läuft das, in Heckings kleiner Welt. Schließlich gibt es wieder so etwas wie Konkurrenzkampf. Ein Ausfall wie der von Ilkay Gündogan, der wegen seines grippalen Infekts auch gestern nicht trainieren konnte und somit morgen pausieren wird, lässt Hecking trotzdem ganz ruhig schlafen - zumal sich Gündogan inklusive Pokal-Wettbewerb noch mindestens 33 weitere Einsatzchancen in Nürnberg bieten. "Da wird nichts mehr passieren, er bleibt bei uns", so Hecking gegenüber Journalisten, ein Angebot aus Hoffenheim liege nicht vor.
Des einen Leid ist außerdem des anderen Freud; Mehmet Ekici wird am Samstag die Mittelfeldzentrale übernehmen, rechts neben ihm soll Mike Frantz Druck aufbauen. Darauf hat sich Hecking überraschend früh festgelegt. Und Frantz ist dermaßen heiß. "Wir lassen ihn jetzt wieder los, es rumort ja ein bisschen", meint Hecking, nachdem sich der dynamische Flügelspieler zuletzt sogar öffentlich ein bisschen darüber beschwert hatte, nur eingewechselt worden zu sein in Trier und Mönchengladbach. Deshalb "brenne ich darauf, dem Trainer und den Fans zu zeigen, dass ich in die erste Elf gehöre", schreibt der 23-Jährige auf seiner Internetseite. Man darf zumindest gespannt sein. Auf Frantz, auf den Club.
Vergessen sollte man aber nach wie vor nicht, dass es sich um eine vergleichsweise junge und unerfahrene Mannschaft handelt. Stand gestern werden morgen fünf Akteure beginnen, die nicht älter sind als 24. Jens Hegeler (22) und Mehmet Ekici (20) erlebten im Borussia-Park sogar zum ersten Mal den Anpfiff einer Bundesliga-Begegnung auf dem Platz. Die Lobeshymnen auf ihre Leistungen gingen Hecking, logisch, etwas zu weit. Um die beiden sei ihm "viel zu viel Wirbel gemacht worden", findet der Trainer, der zugleich dringend empfiehlt, Ekici und Hegeler "nicht gleich in den Himmel zu heben". Eine zu euphorische Darstellung der Gesamtsituation würde den Tatsachen auch nicht ganz gerecht. Noch ist bei den meisten viel Luft nach oben. "Schritt für Schritt" möchte Hecking seinen Club besser machen, mittel- und langfristig auch mit Hilfe weiterer Verstärkungen. Am Mittwochabend schauten sich Hecking und Sportdirektor Martin Bader nach Informationen dieser Zeitung zwei Kandidaten im direkten Aufeinandertreffen an: Nicolas Jüllich (Bayern II) und Karim Bellarabi (Braunschweig). Jeweils 20 Jahre alt, begabt, und noch relativ günstig zu haben. Und wer weiß, vielleicht war Hecking auch wegen der beiden Zugänge in spe gestern Mittag bester Laune.
