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Bescheidene Träume ganz weit unten

Der Post-SV, Nürnbergs beste Handball-Mannschaft, spielt nur in der Bezirksoberliga - 27.01. 07:00 Uhr

Nürnberg  - Mehr als zwei Jahrzehnte ist es her, dass Handball-Fans in Nürnberg ein Männerteam in der Bundesliga anfeuern konnten. Heute stellt der Post-SV weit unten im Ligensystem das erfolgreichste Team der Stadt. In loser Folge berichten wir an dieser Stelle über Sportarten in der Nische.

Derby in der Bezirksoberliga: Beim Duell der beiden klassenhöchsten Nürnberger Handball-Männermannschaften setzte sich der Tabellendritte Post-SV Nürnberg (in Blau) klar gegen den ESV Flügelrad durch.
Derby in der Bezirksoberliga: Beim Duell der beiden klassenhöchsten Nürnberger Handball-Männermannschaften setzte sich der Tabellendritte Post-SV Nürnberg (in Blau) klar gegen den ESV Flügelrad durch.
Foto: Michael Matejka
Derby in der Bezirksoberliga: Beim Duell der beiden klassenhöchsten Nürnberger Handball-Männermannschaften setzte sich der Tabellendritte Post-SV Nürnberg (in Blau) klar gegen den ESV Flügelrad durch.
Derby in der Bezirksoberliga: Beim Duell der beiden klassenhöchsten Nürnberger Handball-Männermannschaften setzte sich der Tabellendritte Post-SV Nürnberg (in Blau) klar gegen den ESV Flügelrad durch.
Foto: Michael Matejka

Als zum letzten Mal in Nürnberg Männer-Handball auf Bundesliga-Niveau gespielt wurde, stand Björn Weltzien am Spielfeldrand und bewunderte die Spieler von Tuspo Nürnberg. Damals — in den Achtzigern — ging er selbst für die B-Jugend des 1. FC Nürnberg auf Torejagd. Heute trainiert er beim Post-SV die klassenhöchsten Handballer der Stadt — in der Bezirksoberliga.

1981 gelang Tuspo erstmalig der Aufstieg ins Handball-Oberhaus und bis 1988 sollten zwei weitere einjährige Gastspiele folgen. Doch nach dem Rückzug aus der zweiten Liga Anfang der Neunziger aus finanziellen Gründen wurde das einstige Aushängeschild über die Jahre bis in die Bezirksliga durchgereicht, wo es auch heute noch herumdümpelt.



Immerhin eine Etage höher spielen der ESV Flügelrad, derzeit Achter, und der Post-SV, der souveräner Dritter ist. Dabei ist das Handball-Aushängeschild des Postsportvereins doch eigentlich seine männliche B-Jugend in der Bayernliga und nicht etwa die lange unterklassigen Männer. Vor fünf Jahren aber wechselte das Team der HG Nürnberg zum Post-SV und nahm auch die Liga mit. Somit entstand zum ersten Mal eine Perspektive für den Nachwuchs, „denn der Verein hat lange seine erfolgreiche Jugendarbeit nicht bei den Männern weitergeführt“, sagt Björn Weltzien.

Mittlerweile besteht seine Mannschaft aus zahlreichen Studienanfängern und ein paar erfahrenen Haudegen wie dem 40-jährigen Heiko Gömmel und dem Ex-HGNler Matthias Öhring. „Ich hatte erwartet, dass wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben, aber dass wir am Jahresanfang so weit vorne stehen, davon bin ich sehr positiv überrascht“, so der Coach.

Als Trainer ist Weltzien in der Bezirksoberliga zu Hause, wo er schon seit 2004 tätig ist. Als Spieler unter anderem in Langwasser, Lauf und beim Club aktiv, engagierte er sich nach seinem dritten Kreuzbandriss vor ein paar Jahren für die Handballarbeit beim TV Eibach und kam 2010 mit einem Zwischenstopp in Bad Windsheim schließlich zum Post-SV.

Seinem jungen Team attestiert er Landesliga-Potenzial, allerdings soll diese Leistungssteigerung Schritt für Schritt vollzogen werden und frühestens in drei Jahren ein Thema sein.

Warum es die letzten beiden Jahrzehnte keinen höherklassigen Handball in Nürnberg mehr gab, dafür hat Weltzien eine einfache Erklärung. „Neben Fußball sind in Nürnberg alle anderen Sportarten nur Randerscheinungen, da kommt erst mal lange nichts“, so der 41-Jährige. Als Weltzien in der Jugend zum Handball fand, gab es viele mittelfränkische Teams, die damals in der Bayern- und Regionalliga spielten. Auch die Erfolge der Club-Frauen, deren Absturz er sehr bedauert, sah der Trainer als einen Antriebsmotor für die örtliche Handball-Jugend.

Immerhin erkennt Weltzien einen Aufwärtstrend, da zuletzt Vereine aus der Umgebung wie Roßtal, Heroldsberg oder Stadeln wieder Erfolge verbuchten. Da sich aber nicht nur diese jetzt schon die Hände nach der starken Post-B-Jugend reiben, will der Trainer die Verzahnung seines Teams mit dem Nachwuchs weiter vorantreiben, um ihn in Nürnberg zu halten.

Den Schatten, den die erfolgreichen Zweitliga-Handballer des HC Erlangen auf die Noris werfen, will Björn Weltzien zum Windschatten umfunktionieren. „Die guten Spieler der Region sollen ruhig nach Erlangen wechseln“, erklärt er und freut sich, dass HCE-Trainer Frank Bergemann durchaus die Zusammenarbeit mit den lokalen Vereinen sucht.

Sorgen bereiten dem Post-Coach nur die Rahmenbedingungen, da er beim Training in der Herriedener Halle keine der Gerätschaften verwenden darf. Er kann die Bedenken der Betreiber zwar nachvollziehen, „doch ist Handball viel mehr als Herumrennen und Aufs-Tor-Bolzen“.

Insgesamt sprich Björn Weltzien mit Stolz von seiner Mannschaft, die bisher als einzige den souveränen Tabellenführer HG Ansbach bezwingen konnte. Setzt sich die positive Entwicklung beim Post-SV fort, steht er in ein paar Jahren vielleicht an der Seitenlinie und bewundert als Trainer sein eigenes Team in der Landesliga.
  



VON MARKUS ERLWEIN

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