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Natürlich kokettieren sie noch immer mit ihrem Image. Karnevalsverein wurden sie einst despektierlich von den anderen genannt, irgendwann hat man das in Mainz einfach übernommen und erfreute sich fortan an sich selbst. Vor allem in diesem Jahr, in dem die gute Laune endlich auch einmal auf dem Platz sichtbar wurde: Plötzlich waren sie eine Spitzenmannschaft geworden. Eine Spitzenmannschaft, der in letzter Zeit etwas das Glück abhanden gekommen war – und gleichzeitig auch die gute Laune.
Nun wollte man sich nach zuletzt drei Heimniederlagen mit den deshalb etwas beleidigten Zuschauern versöhnen. Das klappte gegen einen 1. FC Nürnberg, der neuerdings mit nichts mehr kokettiert – nicht einmal mit seinen Abwehrsorgen.
„Probleme macht man sich, in dem man sie groß redet“, hatte Trainer Dieter Hecking sich vor der Partie jeder Jammerei entsagt. Trotzdem dürften die Probleme nun etwas größer werden, auch wenn man weiterhin nicht groß darüber redet. Das 0:3 (0:1) beim Tabellenzweiten offenbarte, dass Nürnberg ohne Javier Pinola und Per Nilsson in der Defensive nicht mehr zu der Konstanz findet, die es zu Beginn der Saison auszeichnete, in der Offensive fehlt derzeit neben Schussglück auch ein bisschen die Konsequenz. Das Resultat ist mal wieder ein Club, der am Scheideweg steht – gestern phasenweise gefällig spielend, aber wieder besiegt.
„Zu hoch“ fand der Mainzer Trainer Thomas Tuchel das Ergebnis; „eine starke Nürnberger Mannschaft“ hatte er gesehen, „kompakt und mit starken Einzelspielern“; das Resultat spiegle „nicht den Spielverlauf.“ Tatsächlich starteten die Gäste am Bruchweg engagiert, was eher weniger an Heckings personellen Rochaden (Judt kehrte für Vidosic zurück, Eigler ersetzte Ekici) lag als an einer verbesserten Einstellung zum Beruf. Wo gegen Kaiserslautern die erste halbe Stunde noch zum Lehrstück in Sachen Aggressivität geriet, störte Nürnberg nun früh, kam durchaus zu Chancen – und lag nach 27 Minuten dennoch zurück.
Nach einer Ecke durfte Andre Schürrle, jüngst von Bundestrainer Joachim Löw zum Nationalspieler geadelt, den Ball aus kurzer Distanz zum 1:0 über die Linie drücken. Mainz freute sich, Nürnberg hatte bis zum Pausenpfiff Mühe, wieder Linie in sein Spiel zu bringen.
Es hätte auch anders laufen können. Bereits nach zehn Minuten ermöglichte Hegelers energischer Einsatz Mike Frantz einen fast ungestörten Lauf auf das Tor der Gastgeber, aber Christian Wetklo hatte mit dem Linksschuss aus knapp elf Metern keine größeren Probleme. Im Anschluss präsentierte Nürnberg sich weiterhin bemüht, den Eindruck aus dem letzten Heimspiel vergessen zu machen, deutete vor allem durch Jens Hegeler und Ilkay Gündogan spielerisches Potenzial an, blieb aber in letzter Konsequenz ungefährlich.
Nichts anderes galt freilich für die Mannschaft um den ehemaligen Nürnberger Marcel Risse, die nutzte aber ihre erste Gelegenheit gegen ein in dieser Situation ausnahmsweise einmal unkonzentriertes und unsortiertes Club-Team.
Nach der Pause dann ein ähnliches Bild, wenngleich es bis zu einem Mainzer Treffer diesmal nicht ganz so lange dauern sollte. Nürnberg deutete unter anderem mit einem Distanzschuss von Gündogan Gefahr an, schien den Gegner unter Kontrolle zu haben – und geriet durch eine Kopie des ersten Treffers vorentscheidend in Rückstand. Fuchs trat einen Freistoß von links in den Strafraum, Schürrle verlängerte und am langen Pfosten stocherte Nikolce Noveski den Ball zum 2:0 über die Linie.
54 Minuten waren da gespielt – und aus Nürnberger Sicht hätte man sich den Rest schenken können; „dass wir zu oft abschalten, ist ärgerlich“, tadelte Hecking, der im Ansatz durchaus einverstanden sein durfte mit seinem Team. Das Spiel blieb gefällig, aber ohne zählbaren Ertrag. Hegeler traf noch per Kopf die Latte (72.), Sami Allagui nach einem Konter zum dritten Mal für Mainz ins Tor, dann war Schluss und Nürnberg muss die dritte Niederlage in Folge verarbeiten. Eine Woche haben sie Zeit dafür, dann kommt Dortmund ins Frankenstadion – noch ein Spitzenteam, aber eines mit uneingeschränkt guter Laune.
Mainz: Wetklo; Zabavnik, Bungert, Noveski, Fathi – Schürrle (75. Allagui), Caliguri (83. Karhan), Polanski, Fuchs – Risse (69. Ivanschitz), Szalai.
Nürnberg: Schäfer; Judt (75. Mintal); Maroh, Wolf, Bieler – Simons – Eigler (67. Ekici), Hegeler, Gündogan, Frantz (67. Mak) – Schieber.
Schiedsrichter:Gagelmann (Bremen). Zuschauer: 20300 (ausverkauft). -Tore:1:0 Schürrle (27.), 2:0 Noveski (54.)., 3:0 Allagui (86.) Gelbe Karten: Caliguri, Schürrle, Noveski, Allagui – Maroh, Wolf.

Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12
Fr. 18.05.12