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Den Satz hatte Martin Bader wohl lediglich zur allgemeinen Erheiterung formuliert, es war ja nicht damit zu rechnen. „Für Trainerentlassungen und Trainervorstellungen gehen wir ins Stadion“, entgegnete Bader kürzlich einem Journalisten, der fand, dass der Medienraum im neuen Vereinszentrum eine Nummer zu klein ausgefallen sein könnte.
Am Mittwoch stellte der 1. FC Nürnberg seine neuen Trainer vor. Im Medienraum des neuen Vereinszentrums. Umziehen konnten sie nicht, weil sich nebenan die Thomas Sabo Ice Tigers breitgemacht haben. Also drängten sich etwa 50 Journalisten vor Michael Wiesinger und Armin Reutershahn, sage und schreibe neun Kamerateams filmten die Pressekonferenz; als die Sportliche Leitung den Raum betrat, ging ein Blitzlichtgewitter nieder, als habe der Club Jose Mourinho und Sir Alex Ferguson im Paket verpflichtet. Ein Nachrichtensender verwöhnte seine Zuschauer später sogar mit Live-Bildern vom Spielfeldrand; es fehlte nur noch ein Interview mit dem Storch, der im Sportpark seit längerem heimisch ist.
Dabei ist doch eigentlich nicht viel passiert. Ein Trainer ist dank einer Ausstiegsklausel weg, zwei andere übernehmen. Zwei, die beliebt sind bei den Fans. Etwa 1500 sollen es am Donnerstag offiziell gewesen sein anlässlich des Trainingsauftakts.
Auf dem kurzen Weg zum A-Platz schritten auch Reutershahn und Wiesinger durch ein Spalier von erwartungsfrohen Menschen, deren spontaner Beifall wohl vor allem Zuversicht ausdrücken sollte. Auf geht’s, jetzt erst recht — nach, wie es Sportvorstand Martin Bader ausdrückte, „turbulenten Tagen“. In denen Dieter Heckings spontane Heimschläferentscheidung doch für erhebliche Unruhe gesorgt hatte.
Seine ehemaligen Profis arbeiteten die Personalie ausgesprochen professionell ab. „Das haben wir so zu akzeptieren“, erklärte etwa Hanno Balitsch trocken, der von Heckings Abschied nach eigenem Bekunden „nicht so überrascht war wie die meisten anderen hier“. Von denen ein paar sogar tief durchgeatmet haben sollen, als sie die Nachricht erfuhren. Twitter- Rebell Robert Mak („Verdammter Trainer“) konterte gleich mit einem sehenswerten Treffer im Eröffnungsspiel, Alexander Esswein wollte in der Rückrunde „sowieso durchstarten, egal unter welchem Trainer“. Und hätte es auch als „nicht schlimm“ empfunden, „wenn Hecking geblieben wäre“. „Es geht weiter, so ist der Fußball“, ergänzte Timmy Simons.
Möglicherweise sogar mit zusätzlicher Energie und einer Extra-Portion Motivation. Das Duo Wiesinger/Reutershahn hat zwar nicht vor, alles auf den Kopf zu stellen, will aber bei einigen etwas genauer hinsehen. Jeder im Kader soll sich zeigen und darf eine faire Beurteilung erwarten, wodurch idealerweise eine weitere Steigerung des Leistungsniveaus resultieren soll. 20 Punkte plus x möchte man schließlich holen in der Rückrunde — von deren Verlauf es maßgeblich abhängt, ob Wiesinger und Reutershahn auch in der Saison 2013/2014 oder vielleicht sogar länger das Sagen haben beim 1. FC Nürnberg.
Sie würden es sich zutrauen. Und Bader ihnen. „Zwei absolut hochqualifizierte Trainer“ habe man befördert, findet der Sportvorstand, „außergewöhnlich hervorragend“ seien ihre Fähigkeiten gar. Wenn auch nicht mit ganz großen Namen dahinter. Aber was nicht ist, kann ja noch werden; immerhin ist der Trainer 1b schon seit fast 22 Jahren im Geschäft und will der Trainer 1a unter gar keinen Umständen mit seinem Vorgänger verglichen werden. „Ich bin der Michael Wiesinger, das sehen Sie ja, ich schaue anders aus, bin einen Tick jünger“, sprach er in sein Mikrofon. Und hat „eigene Vorstellungen“, wie es auch künftig mit erfolgreichem Fußball klappen könnte.
Noch ein bisschen aggressiver, noch ein bisschen schneller, noch ein bisschen zielstrebiger sollen seine Nürnberger künftig spielen, also noch unangenehmer werden für den Gegner. Basierend auf einem stabilen Fundament, welches letztlich den ganzen Club vor Erschütterungen bewahren soll. Wiesinger meint den Kreis der Führungskräfte, „die den Laden im Griff haben“. Und mit dafür sorgen sollen, dass niemand auf dumme Gedanken kommt.
Die Hütchen stellte gestern Reutershahn auf, während Wiesinger zahlreiche Gespräche führte. Seine kurzen Ansprachen zur Mannschaft gerieten energisch, klar, gestenreich, er wollte sich offenbar nicht lange mit Nebensächlichkeiten aufhalten. Nicht nur der Kapitän ist angetan von Wiesingers Elan und Ehrgeiz. „Es passt“, sagte Raphael Schäfer auf dem Weg in die Kabine. „Aber das wussten wir ja schon vorher.“
Sa. 18.05.13
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Sa. 18.05.13
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