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Das erste Mal verlief ziemlich aufregend. Seinen ersten 90 Bundesliga-Minuten folgte seine erste Pressekonferenz nach einem Bundesliga-Spiel, am Montag weilt Michael Wiesinger zum ersten Mal bei einer Tagung der Bundesliga-Trainer in Düsseldorf.
Der Nachfolger von Dieter Hecking hat einiges um die Ohren, seit ihm die sportliche Verantwortung übertragen wurde beim 1. FC Nürnberg. Vieles ist neu für ihn, natürlich auch die Mannschaft. Deren Hang zu extremen Leistungsschwankungen auch den Trainerwechsel überstanden hat.
An Wiesingers Premiere zum Rückrundenstart der Saison 2012/2013 werden sich schon in ein paar Tagen nicht mehr viele Menschen erinnern. Beziehungsweise erinnern wollen. Das glückliche 1:1 (0:0) geriet über weite Strecken äußerst unansehnlich, mit deutlich mehr Tiefen als Höhen im Spiel der eigenen Elf.
Spätestens in der 70. Minute deutete kaum noch etwas darauf hin, dass Wiesingers Club noch mit einem blauen Auge davonkommen würde. Nach einer Reihe von Abwehr- und Stellungsfehlern brauchte Artjoms Rudnevs, unwesentlich gestört von Javier Pinola, die Kugel per Kopf bloß noch über die Linie zu drücken.
Der Gegentreffer hatte sich abgezeichnet, weil die Nürnberger nach dem Seitenwechsel für Wiesingers Geschmack zu oft „hinterhergelaufen“ seien anstatt selbst die Initiative zu ergreifen. Mit weiten Pässen, vorwiegend auf die von Timothy Chandler (der mit Verdacht auf Gehirnerschütterung vom Platz geführt werden musste) und später von Markus Feulner bewachte Abwehrseite, rissen die Gäste wiederholt große Lücken in den gegnerischen Defensivverbund.
Die zweite Halbzeit „war nicht gut von uns“, fand auch Wiesinger, dafür phasenweise die erste. Robert Mak, wie Almog Cohen, Alexander Esswein und Tomas Pekhart diesmal in der Startformation, hätte nach dynamischen Vorstößen zwei Mal die Führung besorgen können, wartete aber erst zu lang mit dem Abschluss (1.) und verzog später knapp (43.). Ansonsten musste man selbst Gelbe Karten notieren, um eine DIN A6-Seite mit Höhepunkten vollzukriegen. Hanno Balitschs Kopfball aus fünf Metern (37.) flog ebenso weit über den Querbalken wie auf der anderen Seite ein untauglicher Distanzschuss des Ex-Nürnbergers Dennis Diekmeier – der aber etwas weiter hinten Esswein fast nach Belieben kontrollierte.
Eigentlich wollte Wiesinger nicht viel ändern, stellte aber, zum Teil notgedrungen, personell und taktisch den halben Club auf den Kopf. Die zahlreichen Rochaden wirkten sich spätestens nach der Pause nicht gerade positiv aus auf den Nürnberger Spielfluß; der HSV nutzte die Gunst der Dreiviertelstunde allerdings eher halbherzig. Und hatte Pech, dass erst Pinola bei einer missratenen Rettungsaktion und in der Nachspielzeit auch noch Son den Pfosten trafen. Der Südkoreaner scheiterte zudem in der Schlussphase zwei Mal am glänzend reagierenden Raphael Schäfer, der sich wie Balitsch sowie die beiden Innenverteidiger eine gute Note verdiente.
Trotzdem reichte es bei Wiesingers Reifeprüfung insgesamt höchstens zu einer Drei, mit Tendenz zur Vier. Dass es keine Fünf wurde, lag vor allem an fünf starken Minuten nach dem Rückstand; plötzlich trauten sich die Nürnberger etwas zu, bauten sogar Druck auf – und schafften infolge eines Einwurfs überraschend den Ausgleich. Timo Gebharts ebenso scharfe wie präzise Hereingabe von der Grundlinie wuchtete Mittelstürmer Pekhart zum 1:1 ins Netz (75.) – seine mit Abstand beste Aktion. „Wir können mit dem Punkt besser leben als der HSV“, fand deshalb unter anderem Kapitän Schäfer. Gebhart wollte sogar „kein schlechtes Spiel“ seines Clubs gesehen haben, „aber fußballerisch müssen wir einfach besser werden“.
Schon am Freitagabend in Dortmund und natürlich auch in den anderen 15 Partien, wenn die Auswahl wieder etwas größer ist als am Sonntagnachmittag. Auch Wiesinger kann die von ihrer taktischen Disziplin und Kompaktheit lebende Gruppe nicht per Handauflegen von Mängeln jeglicher Art befreien, so einfach ist es nicht. Dennoch lässt sich mit dem gestrigen Auftritt nur schwer jene Euphorie entfachen, die Trainerwechsel hin und wieder mit sich bringen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Glaubt auch Schäfer. „Wir sollten dem Trainer die Zeit lassen, seine Handschrift entwickeln zu können.“
Noch am Sonntagabend flog Wiesinger zum Kongress, gemeinsam mit dem Kollegen Fink. Die nächste Premiere, nachdem die auf der großen Bühne nicht ganz nach Plan verlaufen war. „Froh“ sei er, sagte Wiesinger noch, „dass ich zu meinem Einstand ein positives Ergebnis erzielt habe.“ Und immerhin nicht verloren.
Nürnberg: Schäfer; Chandler (65. Feulner), Simons, Klose, Pinola – Balitsch, Cohen – Mak (68. Frantz), Gebhart, Esswein (76. Kiyotake) – Pekhart.
Hamburg: Adler; Diekmeier, Mancienne (14. Bruma), Westermann, Jansen – Badelj – Arslan (38. Skelbred), van der Vaart, Aogo – Son, Rudnevs.
Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden). – Zuschauer: 42601. – Tore: 0:1 Rudnevs (70.), 1:1 Pekhart (75.). – Gelbe Karten: Cohen (1), Frantz (2) / Arslan (6), Diekmeier (4), Jansen (4).
Fr. 24.05.13
Fr. 24.05.13
Do. 23.05.13
Do. 23.05.13
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Fr. 24.05.13
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