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Der Wunsch ist verständlich. „Ich wäre“, sagte Dieter Hecking, „am liebsten in der Favoritenrolle gegen Dortmund. Das wäre auch mal schön.“ Schön wäre das tatsächlich — zumindest für Hecking und den 1. FC Nürnberg. Realistisch ist es in naher Zukunft natürlich nicht.
Dortmund ist mit zwei Siegen und 8:2 Toren furios ins Bundesliga-Jahr 2012 gestartet, ambitionierte Hamburger und Hoffenheimer waren chancenlos beim Versuch, die Serie des Meisters von nun 13 Spielen ohne Niederlage zu beenden. „Das waren zwei spektakuläre Spiele“, sagt Hecking. Im Heimspiel gegen Hoffenheim hatte sich die Borussia nach drei Minuten gefühlte vier Großchancen erspielt, das 5:1 von Hamburg war „ein gefühltes 10:1“ (Hecking).
Nürnbergs aktuelle Serie nach dem gefühlten und tatsächlichen 0:1 von Hannover lautet: ein Spiel ohne Punktgewinn, was natürlich noch nicht wirklich zur Serie taugt, gemeinsam mit einem Blick auf die anderen 18 bislang absolvierten Bundesliga-Spiele aber immerhin eine Prognose für heute Abend möglich macht: Nürnberg ist trotz Dieter Hecking nicht der Favorit gegen Dortmund.
Normalerweise sehen das die Trainer des Gegners im Vorfeld gerne ein wenig anders, die Favoritenrolle wird Spieltag für Spieltag munter hin- und hergeschoben in der Bundesliga. Womöglich hat das auch Jürgen Klopp, Dortmunds Trainer, versucht, er tat sich aber sichtlich schwer. „Wir müssen damit rechnen, dass es zäh wird“, sagte Klopp zum Beispiel, als er auf den Auftritt im Frankenstadion angesprochen wurde. Oder: „Nürnberg ist beeindruckend mit seinen personellen Problemen umgegangen.“
Klopp zeigt sich also beeindruckt von Nürnbergs Umgang mit personellen Problemen — nunja. Seinem Kollegen fällt es da schon leichter zu schwärmen, Hecking lobt „die Leichtigkeit, das hohe Tempo, das ständig auf Pressing ausgelegte Spiel“. So ähnlich versucht auch Nürnberg auszusehen, nur klappt es da eben nicht so häufig wie in Dortmund. Deshalb sagt Hecking über Dortmund, nicht über Nürnberg: „Das ist für mich der Deutsche Meister — auch im Sommer.“
Selbst wäre man schon froh, wenn man sich im Sommer auf die dritte Bundesliga-Saison in Folge vorbereiten könnte. Dass man in dieser Hinsicht noch für längere Zeit keine Gewissheit haben wird, liegt auch daran, dass Leichtigkeit, hohes Tempo und das ständig auf Pressing ausgelegte Spiel vom 1. FCN mitunter mal eine komplette Halbzeit lang nicht praktiziert werden. In Hannover ist das zum Beispiel passiert, 45 Minuten waren vorbei, als Heckings Team begann, ebenfalls Fußball zu spielen.
"Manchmal“, sagte Hecking zum traurigen Auftritt vom letzten Freitag, „muss man es auch einmal akzeptieren, wenn der Gegner etwas macht, was einen vor Probleme stellt. Hannover hat anders gespielt, als wir es erwartet haben.“
Was er heute von seiner Mannschaft in etwa erwartet, verrät Hecking natürlich auch, er weiß ja zumindest in der Theorie, was es braucht, um einen Favoriten wie Dortmund zu schlagen: „Einsatz- und Laufbereitschaft — und Glück.“
Vor fast genau einem Jahr waren es genau diese Attribute, die sie in Nürnberg zum Favoritensturz fähig machten. Mit Leverkusen (21 Spiele ohne Niederlage) kam eine noch stolzere Serie als die aktuelle der Dortmunder ins Stadion, am Ende hieß es 1:0 für lauf- und einsatzbereite Nürnberger, die zum Sieg auch Glück brauchten. „Man schießt halt drauf“, sagte Christian Eigler zu seinem Traumtor aus 18 Metern in den Winkel. Eigler hatte einfach die richtige Entscheidung getroffen damals. Heute gelingt das beim 1.FC Nürnberg nur noch selten.
„Wir haben Probleme im Spiel nach vorne“, sagte Hecking mit Blick nicht nur auf den Freitag von Hannover. Nach gelungener Balleroberung „treffen wir zu oft die falsche Entscheidung“. Einer, der im Vorjahr für die richtigen Entscheidungen verantwortlich war, heißt Ilkay Gündogan und sitzt in Dortmund meist auf der Bank. „Die Ergebnisse sprechen für Klopp und sein System“, sagt Hecking über Gündogans Rolle, „das Niveau bei Dortmund ist eben noch einmal deutlich höher als bei Nürnberg.“
Daran wird sich grundsätzlich auch bei einem überraschenden Ausgang der Begegnung heute Abend nichts ändern. Wobei sich Spektakuläres sowieso nicht anzubahnen scheint, der Gast hat ja auch seinen eigenen Wunsch für den Abend. „Gegen den HSV und Hoffenheim haben wir die ein oder andere Chance zu viel zugelassen“, sagt tatsächlich Jürgen Klopp, „das über 90 Minuten besser zu machen, ist der Plan für Freitag.“
Nürnberg: Schäfer; Feulner, Maroh, Wollscheid, Hlousek – Simons, Cohen – Hegeler, Didavi, Eigler – Pekhart.

Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12