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Dass es trotz eklatanter Schwächen vor allem im Aufbau drei ganz wichtige Punkte wurden, kann man ja auch positiv sehen. Unter rein fußballspezifischen Aspekten ist nach oben viel Luft, nach unten kaum noch – was wiederum auch heißen dürfte, dass man sich steigern kann. Hecking aber ging schon die Vorberichterstattung zum Hertha-Spiel auf die Nerven. Als seinem Empfinden nach zu oft der größte anzunehmende Unfall thematisiert worden war und zu selten die durchaus realistische Möglichkeit eines Heimerfolges. „Und was ist, wenn‘s gut geht?“
Antworten auf die sicherlich berechtigte Frage kann er nun überall nachlesen. Sein Club hat sich selbst in Notbesetzung etwas gen unteres Tabellenmittelfeld absetzen können. Angenehme Momentaufnahmen, die man gerne mitnimmt, aber natürlich nicht überbewertet. Erst recht nicht Hecking. Auch er hatte „keinen schönen Fußball“ gesehen – aber eine in sich geschlossene Elf, deren mentale Stärke und Einsatzbereitschaft letztlich siegbringend sein sollte.
Es heißt ja auch Kampf gegen den Abstieg und nicht Spiel, wobei auch schon Teams den Klassenverbleib schafften, die etwas mehr Struktur zu bieten hatten als der Club in vielen Phasen am Samstagnachmittag.Warum so wenig funktionierte und oft kein richtiger Zusammenhang erkennbar war zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen, lässt sich, so paradox es auch klingen mag, mit dem neuen System erklären. Besonders im Zentrum, zwischen defensivem Mittelfeld und den beiden Stürmern, klaffte häufig eine riesige Lücke, da die vermeintlichen Lückenschließer Timmy Simons und Almog Cohen aus Sicherheitsgründen auf Vorstöße verzichteten und Daniel Didavi und Alexander Esswein ihre Außenpositionen hielten.
Es fehlte einer in der Mitte, der sich verantwortlich gefühlt hätte. Einer, der auch mal hätte beruhigen können. Einer wie Hanno Balitsch, der aber frühestens im Heimspiel gegen Dortmund (Freitag, 3. Februar) einsatzfähig sein dürfte. Dagegen macht Javier Pinola ganz erstaunliche Fortschritte, wie Hecking berichtet; möglicherweise schon heute oder morgen wird der Argentinier teilweise mit den Kollegen üben können.
Ihr Hauptproblem am Samstag aber waren die vielen unerzwungenen Fehler. Zugang Adam Hlousek hatte zwar die meisten Ballkontakte (64), leistete sich aber auch die meisten Pässe zu einem Berliner (50 Prozent). Nürnbergs hart erkämpfte Feldvorteile zerrannen häufig wie Schnee bei zehn Grad plus – und dennoch stellt sich die Großwetterlage über dem 1. FC Nürnberg seit Samstag wieder etwas freundlicher dar.
Jahresübergreifend war es ja bereits der dritte Sieg aus den vergangenen fünf (Liga-)Partien, worauf auch Hecking gestern noch mal ausdrücklich hinweisen wollte. Erst Kaiserslautern (1:0), drei Wochen später Leverkusen (3:0), jetzt Berlin (2:0), das 0:2 beim HSV hätte nicht sein müssen. Ergo geht es langsam aufwärts. Die Mannschaft, versichert Hecking „hat in die Spur gefunden“. Und ist nach der nicht enden wollenden Krise von Ende September bis Ende November (zwei Punkte, 18 Gegentore) selbst an schwächeren Tagen wieder in der Lage, Spiele zu gewinnen.
So kann es klappen. Oder, für positiv denkende Menschen wie Trainer Hecking: So wird es klappen. Freilich habe man lediglich die „Basis“ gelegt, „dass wir auch in den nächsten Wochen erfolgreich Fußball spielen können“. Erst mal ohne den ärgsten Druck – und mit etwas mehr Selbstvertrauen als am Samstag.
Schon am Freitagabend um 20.30 Uhr geht es in Hannover weiter, Heckings Ex-Verein ist seit dem 23. Oktober sieglos und hat auch nur drei Punkte mehr als der Club. Und ebenfalls ein paar Sorgen. An die wird Hecking aber nicht gedacht haben, als er am Samstagabend in der Pressekonferenz noch ein kleines Rätsel aufgab. Um das Saisonziel zu erreichen, brauche man „noch 16-mal das Gleiche“, sagte Hecking, was sich für einige wie eine Drohung anhörte. Noch 16-mal glanzlos und niveauarm? Obwohl: Hecking hätte bestimmt wenig dagegen, noch über ein paar schlechte Spiele seiner Fußballer reden zu müssen. Solange das Ergebnis passt.

Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12