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Das ewige Spiel gegen sich selbst und die Vorurteile

Bei den Bayerischen Meisterschaften der Jugendgolferinnen glänzen auch die Talente des Nürnberger Golfclubs am Reichswald - 20.06.2012 17:00 Uhr

Flieg nicht zu tief, mein kleiner Freund: Lisa Oberdorf schlägt ab, Julia Meindl und Pia Ohlenbusch vom GC Reichswald konzentrieren sich.

Flieg nicht zu tief, mein kleiner Freund: Lisa Oberdorf schlägt ab, Julia Meindl und Pia Ohlenbusch vom GC Reichswald konzentrieren sich. © Matejka


Am Loch 18 herrscht volle Konzentration. Die 16-jährige Franziska Friedrich hat den Putter zur Hand genommen. Einen Schläger, der sich aufgrund der Form seines Kopfes besonders gut zum Einlochen aus kurzer Distanz eignet. Sie schlägt ein paar Mal neben den Ball, den Blick schon auf die mögliche Laufbahn gerichtet. Dann bricht sie den Vorgang ab und geht ein paar Meter. Der Laie fragt sich an dieser Stelle, warum Friedrich den Ball nicht gespielt hat. „Beim Schlagen muss absolute Konzentration herrschen“, erklärt Thomas Ott. Der Clubmanager spricht im Flüsterton, sonst könnte er wieder die Konzentration der Spielerin stören. Er verstummt sofort, als sich Friedrich gesammelt hat. Wieder zielt sie ein paar Mal neben den Ball, dann spielt sie ihn — und trifft.

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In diesem Moment sieht Friedrich für zwei Mitspielerinnen, die sie umarmen, wie die sichere Siegerin aus. Ein stattlicher Fotograf möchte Friedrich sogar schon zum Gesamtsieg der Bayerischen Meisterschaft gratulieren. Friedrich möchte sich aber nicht beglückwünschen lassen — und es wäre wirklich zu früh gewesen.

Lob für die Ausrichter

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Was keiner für möglich gehalten hat, tritt doch ein: Es herrscht Gleichstand zwischen Friedrich und Daniela Bergmann. Auf 18 Löchern konnte in viereinhalb Stunden Spielzeit keine Siegerin ermittelt werden, ein Stechen muss her. Beide Kontrahentinnen treten also erneut gegeneinander an, wer als Erste am jeweiligen Loch weniger Schläge zum Einlochen benötigt, gewinnt die Meisterschaft. Theoretisch könnte das Prozedere also noch mal viereinhalb Stunden dauern.

Worin liegt dieser Reiz an absoluter Ruhe und schier endlos geforderter Konzentration? „Beim Golf spielt man in erster Linie gegen sich selbst und versucht, sich selbst zu schlagen“, sagt Ott. Damit meint er die Verbesserung des eigenen Handicaps; je niedriger das Handicap, desto höher ist die ungefähre Spielstärke des Golfers. Auch Bergmann und Friedrich spielen für gewöhnlich gegen sich selbst, bei der bayerischen Meisterschaft aber gegeneinander um den Titel. Bereits am ersten Loch steht Bergmann als Gesamtsiegerin fest, bei der Siegerehrung ist es dann das Talent aus Abenberg, das vom stattlichen Fotografen beglückwünscht wird. Gelobt wird auch der GC Reichswald als Ausrichter des Turniers, vor allem wegen dem gepflegten Zustand der Anlage. Neun Greenkeeper sind acht Stunden täglich damit beschäftigt, jeden Grashalm auf die gewünschte Höhe zu bringen — inklusive Wochenende.

Sportlich gibt es für den Ausrichter aber auch etwas zu feiern, in ihrer Altersklasse hat die elfjährige Nina Lang den ersten Platz erreicht, wirkt aber noch etwas schüchtern bei den Siegerposen. Selbst der stattliche Fotograf kann sie maximal zu einem zaghaften Lächeln animieren. Da hat ihre fünf Jahre ältere Clubkollegin schon mehr Erfahrung. Pia Ohlenbusch gilt als großes Talent, bei der Meisterschaft hat sie in ihrer Altersklasse Platz zwei erreicht. Sie trainiert dreimal pro Woche, mehr Zeit kann sie aufgrund der Schule nicht investieren. Später will sie mal beruflich golfen, es ist ihr größtes Hobby.

Trotzdem ärgert sie sich oft über die Vorurteile, die mit ihrem Sport einhergehen. „Meine Freunde behaupten oft, dass Golf nur etwas für alte Männer sei“, klagt Ohlenbusch, „dabei ist es sehr anstrengend und erfordert ein hohes Maß an Koordination. Bevor jemand über den Sport urteilt, soll er erst mal selber spielen.“

Bis jetzt hat sich kaum jemand aus Ohlenbuschs Freundeskreis gefunden, der selbst einmal den Schläger zur Hand nehmen möchte. Vielleicht liegt es an einem weiteren Vorurteil: Golf ist nur etwas für Reiche. Aber das ist dann doch nur eine böse Verallgemeinerung oder etwa doch nicht? Oldenbusch grinst und bestätigt: „Doch, das kann man schon so sagen.“

  

MARCEL STAUDT

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