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Natürlich kann man nun versuchen, sich auszumalen, welches Ergebnis dem Anlass angemessen wäre. Wollte man die Sache realistisch angehen, man müsste wohl ein unglückliches nullzueins erwarten. Man will aber natürlich nicht realistisch sein vor einem solchen Tag, also wäre ein deutlicher Sieg ganz nett, ein 3:0 vielleicht, das schon zur Pause feststeht.
Nicht so schön wäre es auch, wenn es so ausgehen würde wie damals, als der 1. FC Nürnberg zum ersten Mal in der Bundesliga spielte. Am 24. August 1963 hieß es nach 90 Minuten bei Hertha BSC 1:1, Max Morlock traf zur Führung, verschuldete später aber noch einen Handelfmeter und der Club verzweifelte angesichts vierer Aluminiumtreffer, die damals aber noch nicht so hießen, weil ja Pfosten und Latte aus Holz waren.
Am Ende der Saison wurde Nürnberg Neunter, absteigen mussten Münster und Saarbrücken, die Hertha schaffte den Klassenverbleib als 14. im 16er Feld. Seitdem hat der 1. FC Nürnberg noch 998-mal in der Bundesliga gespielt, am Samstag steht also ein Jubiläum an; und ob das ein Zufall ist oder Wille der Deutschen Fußball-Liga, dass man nun wieder auf die Hertha aus Berlin trifft, das wusste auch Katharina Wildermuth, Nürnbergs Pressesprecherin, nicht so genau.
Dass es weit mehr Spiele hätten sein können in den 48 Jahren seit der Bundesliga-Gründung, weiß Wildermuth hingegen schon. Warum es nicht mehr geworden sind, verrät ein Blick auf die Gästeliste für den Samstag. Eingeladen sind Nürnbergs Aufstiegstrainer, auf die Gegenwart der Abstiegstrainer legt man aus nachvollziehbaren Gründen wenig Wert.
1000 Spiele in der Bundesliga — ein paar Dinge haben sich in all den Jahren verändert, ein paar Dinge sind geblieben. Geblieben ist zum Beispiel, dass auch heute noch Fußballspieler an kalten Tagen in Strumpfhosen trainieren, gestern führte Tomas Pekhart den modischen Dauerbrenner vor.
Neu ist hingegen, dass während einer Übungseinheit die Trainer am Computer verfolgen können, wie sich zum Beispiel der Pulsschlag einzelner Spieler entwickelt. Eine technische Neuerung, die aber bislang nicht verhindern konnte, dass der 1. FCN am Samstag ein Fußballspiel bestreitet, das unter der gleichen anstrengenden Überschrift steht wie schon geschätzte 700 Erstliga-Partien zuvor: Es ist Abstiegskampf im Frankenstadion.
Das weiß auch Timmy Simons, der, wenngleich er mitunter Club-Opa gerufen wird, natürlich ebenfalls zur Kategorie Veränderung gehört, weil ja selbst der 35-jährige Simons 1963 unmöglich schon für Nürnberg hätte Fußball spielen können. 1998 hat Simons im belgischen Lommel mit dem professionellen Fußball begonnen. Die Erfahrung, die er dort machte: Abstiegskampf. „Im zweiten Jahr“, sagt Simons, „ist es nicht so gut ausgegangen.“ Lommel stieg ab, Simons wechselte nach Brügge.
Theoretisch könnte Simons auch in diesem Jahr absteigen, er müsste dann allerdings wahrscheinlich trotzdem noch zwei Jahre bleiben, weil er gerade erst seinen Vertrag verlängert hat. Ob es so schlecht kommt, wird man auch nach der 1000. Bundesliga-Partie nicht mit Sicherheit sagen können. Zumindest der Wille ist da, auch nächstes Jahr zu Deutschlands besten Fußball-Teams zu gehören. „Wir wollen eine gute Rückrunde spielen“, sagt Simons.
Das gilt auch für ihn persönlich, so ganz in Form war er in der Hinrunde nicht immer. „Man kann immer besser spielen“, sagt Simons. Das wiederum kann man über den ganzen Club sagen. Das Jubiläumsspiel wäre ein netter Anlass, damit anzufangen.

Mi. 23.05.12
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