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Der 1. FC Nürnberg sucht sein Seelenheil

Michael Oenning versucht die Stimmung im Team zu verbessern - 02.09.2008

Manchmal hilft auch gutes Zureden: Mit Dominik Reinhardt war Michael Oenning im Spiel gegen Aachen durchweg zufrieden, mit Javier Pinola nur in der zweiten Halbzeit.

Manchmal hilft auch gutes Zureden: Mit Dominik Reinhardt war Michael Oenning im Spiel gegen Aachen durchweg zufrieden, mit Javier Pinola nur in der zweiten Halbzeit. © Wolfgang Zink


Als Schiedsrichter Jochen Drees Freistoß für Aachen pfiff, ärgerte sich Pinola schon ein wenig, als ihm dann auch noch die Gelbe Karte gezeigt wurde, war es um seine Beherrschung wieder einmal geschehen: Nur das beherzte Zugreifen von Torwart Rafael Schäfer verhinderte, dass Pinola gegen Drees handgreiflich wurde.

«Fehler war für ihn der Super-GAU«

Als impulsiven Spieler kennt man Pinola - in dieser Spielzeit sind aber auch noch mäßige sportliche Leistungen hinzugekommen. Gegen Aachen stand Pinola mit seinem Fehler am Anfang einer Kette, die zum 0:2 führte. «Dieser Fehler«, sagt Michael Oenning einen Tag nach dem Remis, «war für ihn der Super-GAU«.

Den Ausraster erklärt das nicht, die unfreiwillige Tor-Vorbereitung, als er an der Mittellinie den Ball vertändelte, passierte Pinola vier Minuten später. Aber beide Situationen zeigen, dass Manager Martin Bader Recht hat, wenn er feststellt, dass «Javier glaubt, er muss die ganze Last des Aufstiegs auf sich nehmen« - und darunter offensichtlich leidet. Die Fans sehen Pinola als Hoffnungsträger und wundern sich nun, was mit Pinola und seinem Verein los ist.

Richtig schlecht sind beide nicht in die Saison gestartet. Von einer überzeugenden Vorstellung sind sie aber auch noch relativ weit entfernt. «Pinola«, sagt Oenning, «sucht sein Seelenheil.« Auch das eine Beobachtung, die man auf den 1. FCN übertragen kann. Bader und Oenning geben sich deshalb auch viel Mühe, dass es dem Verein wieder gut geht, und sich nicht alle, die an ihn denken, gleich selbst unwohl fühlen.

Mitreski kommt aus Köln

Es wird viel positiv gedacht beim Club: Oenning baut Pinola auf, den er nach verbesserter Leistung in der zweiten Hälfte auf einem «guten Weg« sieht und er lobt Dominik Reinhardt. Bader schwärmt ein wenig von Angelos Charisteas («Wenn er so spielt, darf er wieder kommen«) und freut sich auf Aleksandar Mitreski, der gerade als Innenverteidiger verpflichtet wurde. «Groß, schnell und erfahren« sei der 28-Jährige, der ablösefrei vom 1. FC Köln kommt und zunächst einen Vertrag für ein Jahr unterschreibt. Ebenso ist dem Manager aber klar, dass «er Andreas Wolf nicht 1:1 ersetzen kann«.

Dass Wolfs Ausfall nicht zu schwer ins Gewicht fällt, daran könnte künftig auch Michael Oenning in verantwortlicher Position mitwirken. Bader jedenfalls traut Oenning die Nachfolge von Thomas von Heesen zu. Und will sich dennoch nicht festlegen. «Auf breiter Basis« müsse die Entscheidung für den neuen Trainer fallen, sagt Bader mit Blick auf die Entscheidungsgremien im Verein, «dann kann sich keiner rausreden«.

«Er spricht mit uns«

Rausreden, wenn der Erfolg unter Oenning doch nicht zurück an den Valznerweiher kehrt. Die Leistung der Mannschaft am Sonntag gibt aber durchaus Anlass, das Gegenteil zu vermuten. Und auch die Spieler würden sich über den Chef Oenning freuen. «Er spricht mit uns«, sagt Daniel Gygax - und dass er das überhaupt betont, verrät viel über die Arbeit von Thomas von Heesen.

Oenning selbst traut sich die Chefrolle zu. «Ich weiß worauf ich mich einlasse«, sagt Oenning, «habe bislang aber auch keine Probleme damit gehabt, Co-Trainer zu sein.« Oenning gibt sich defensiv, Bader verhält sich ähnlich: «Wir wollen uns seine Qualifikation erhalten.« Diese Qualifikation reicht immerhin so weit, dass Oenning weiß, dass auch er nicht ewig beim Club bleiben wird. «Irgendwann ist Schluss und meist ist das nicht dann, wenn es der Vertrag vorsieht«, sagt er, «aber existenzielle Sorgen habe ich nicht.« Na, immerhin. 

Fadi Keblawi

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