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Der beste Javier Pinola seit über zwei Jahren

Nürnbergs Linksverteidiger ist mit sich und seinem Club im Reinen - Bleibt er länger als bis 2013? - 04.08.2012 06:57 Uhr

LÄNGENFELD  - Dieter Hecking gerät ins Schwärmen, wenn man ihn auf Javier Pinola anspricht. Besser, sagt der Trainer des 1. FC Nürnberg, hat er den Linksverteidiger in seiner Zeit beim Club noch nicht gesehen. Javier Pinola scheint nach einem schwierigen Jahr tatsächlich auf dem Weg zurück zu alter Stärke.

Javier Pinola
Javier Pinola
Foto: Sportfoto Zink
Javier Pinola
Javier Pinola
Foto: Sportfoto Zink

Es war Ende November 2011, als Javier Pinola begann, seiner Frau auf die Nerven zu gehen. Pinola war da schon fast vier Wochen lang verletzt zuhause geblieben, er hatte versucht, sich als Hausmann nützlich zu machen – vergebens. „Meine Frau“, sagte Pinola, „fragt jetzt schon immer, wann ich wieder Fußball spiele.“ Sie beließ es nicht dabei, Mariela Pinola wurde auch ein wenig rabiater: „Geh’ zum Club, da bist du viel nützlicher.“

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Mit 12:0 hat der 1. FC Nürnberg am Freitag das Testspiel gegen den SV Raika Längenfeld für sich entschieden. Mit drei Treffern war der gebürtige Nürnberger Julian Wießmeier der erfolgreichste Torschütze.

Aber bis Pinola zurück zum Club durfte, um nützlich zu sein, hat es lange gedauert – viel länger, als es alle erwartet hatten. Die siebte Spielzeit mit dem 1. FC Nürnberg war eine der schwierigsten für den argentinischen Linksverteidiger, der einst mit einer famosen Final-Leistung half, den DFB-Pokal zu gewinnen. Erst am 25. März stand Pinola wieder auf einem Bundesligaspielfeld, Nürnberg verlor beim VfB Stuttgart mit 0:1, aber Pinola durfte immerhin wieder mitspielen. Er hat danach keine Rückrunden Partie mehr verpasst, es war der versöhnliche Abschluss einer Saison, in der Pinola und der 1. FCN ein wenig gefremdelt hatten miteinander.


Im Winter hatte der verletzte Pinola die Mannschaft im türkischen Trainingslager besucht. „Kommt er nur, um für immer zu gehen?“ — selbst die Bildzeitung hatte damals offenbar Angst um das, was bis dahin immer als glückliche Beziehung galt. Pinola lag das Angebot eines argentinischen Erstligisten vor. „Blödsinn“, sagte Nürnbergs Sportvorstand Martin Bader zu Pinolas Wechselabsichten, die vielleicht auch dadurch befeuert wurden, dass der Verein sich in der Winterpause Ersatz beschafft hatte: Aus Jablonec war Adam Hlousek, ein tschechischer Nationalspieler, verpflichtet worden, der in die Rückrunde als Linksverteidiger Nummer eins startete.

Kurz vor Pinolas Comeback gab es weitere Irritationen, weil Trainer Dieter Hecking dem Publikumsliebling vorwarf, er habe seine Verletzung zu lange verschwiegen. Pinola musste länger auf sein Comeback warten, als er wollte, sogar in der zweiten Mannschaft musste er spielen – gegen den FC Bayern zwar, aber gegen den aus Alzenau. „Die Bundesliga ist eine Leistungsgesellschaft, der Trainer bewertet die Spieler, das muss Pino akzeptieren“, sagte Bader damals.

Wieder mittendrin

Jetzt, im Trainingslager in Längenfeld, gibt es keine Vorwürfe mehr, Pinola ist längst wieder mittendrin in der Leistungsgesellschaft. Es scheint, als habe ihm die schwierige Vorsaison sogar gut getan. Fit wie selten sieht der Argentinier aus, das findet auch Pinola. Sogar im Urlaub hat er an sich gearbeitet – anders als früher. „Sonst habe ich immer drei Wochen Urlaub gemacht“, sagt der 29-Jährige, „erst in den letzten zehn Tagen vor Trainingsstart habe ich dann mit dem Fitness-Programm begonnen.“

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Zum zweiten Mal in wenigen Wochen fährt der 1. FC Nürnberg in ein Trainingslager in die Berge. Im österreichischen Längenfeld will Dieter Hecking verstärkt Spielformen einüben, die Kondition sollte nach dem vorherigen Aufenthalt in Oberstaufen stimmen.

Diesmal war alles anders, obwohl der Urlaub viel länger dauerte, hat Pinola viel mehr trainiert. „Ich habe auch wegen der Verletzung schon in der zweiten Woche angefangen“, sagt Pinola. Auch jetzt, da sich die Vorbereitung schon so lange hinzieht, sieht man ihn oft nach dem Training neben dem neuen Innenverteidiger Marcos Antonio Kraftübungen machen. Sein Konkurrent Hlousek ist verletzt, aber nicht nur deshalb ist Pinola derzeit unumstritten als Linksverteidiger. „Ich bin ja jetzt auch schon zweieinhalb Jahre in Nürnberg“, sagt Dieter Hecking, „aber von den körperlichen Voraussetzungen her ist das der beste Pinola, den ich hier gesehen habe. Mit ihm bin ich sehr zufrieden.“ Und Pinola ist wieder zufrieden mit dem Club. Ein Jahr läuft sein Vertrag noch, Gespräche über eine Verlängerung hat es schon gegeben.

Wie wichtig Pinola für Nürnberg ist, zeigt sich an einer anderen Personalie. Marcos Antonio spricht noch kein Deutsch, weshalb jetzt immer, wenn er irgendwo zum Gespräch gebeten wird, Pinola daneben sitzt. Die Rolle als Dolmetscher ist ihm nicht neu, auch Breno hat er unterstützt bei seinem kurzen Nürnberg-Gastspiel. Pinola macht sich nützlich beim Club – Mariela wird es gefallen.

  

VON FADI KEBLAWI


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Titel, Tränen und Triumphe: Der 1. FC Nürnberg blickt auf eine bewegte, mittlerweile über 113-jährige Geschichte zurück. Seine größten Erfolge feierte der Club in den "goldenen" 20er Jahren, als alleine fünf der insgesamt neun Meisterschaften gelangen. Bis in die 60er Jahre gehörte der Verein zu den ganz großen Namen des deutschen Fußballs. Doch mit dem erstmaligen Abstieg aus dem Oberhaus 1969 begann ein jahrzehntelanges Tief. Abstiege und Skandale prägten den Verein, der sich in dieser Zeit den Ruf einer Fahrstuhlmannschaft verdiente und 1996 gar in die drittklassige Regionalliga abstürzte. Erst im neuen Jahrtausend konsolidierte sich der Verein und knüpfte mit dem DFB-Pokalsieg 2007 an alte Zeiten an - sehr zur Freude der treuen und großen Anhängerschaft des FCN.

Deutscher Meister: 1920, 1921, 1924, 1925, 1927, 1936, 1948, 1961, 1968

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