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Es sei ja „wohl bekannt“, bemerkte Nürnbergs Jens Hegeler nach dem Schlusspfiff, dass man „einiges verbockt“ habe an jenem Abend, als ein munteres Zweitliga-Team aus der Nachbarstadt ein besonderes Spiel etwas überraschend gewann.
Das nächste Spiel, jenes am Samstag gegen Hertha BSC Berlin zum Auftakt der Rückrunde, musste – Jubiläum hin oder her – schon deshalb auch ein besonderes sein. „Rennen, kämpfen, grätschen – das war das Mindeste, was man verlangen konnte“, erklärte auch Dominic Maroh in unausgesprochener Erinnerung an die Derby-Niederlage gegen Fürth, die noch immer an Nürnbergs Fußballgemütern nagt; und so sah Maroh die ersten neunzig Minuten im neuen Kalenderjahr als „Zeichen an die Fans, dass wir verstanden haben“.
Dem kühlen Empfang im Nieselregen folgte tatsächlich ein beifallsumrauschter Abschied für die Nürnberger, obwohl sich im Frankenstadion nichts zugetragen hatte, was größere Begeisterung hätte auslösen können. Man hatte ein Fußballspiel mit eher abschreckender Wirkung auf Feingeister gesehen, das überwiegend aus Fehlpässen und anderen Missverständnissen bestand – aber über das Rennen, Kämpfen und Grätschen entschieden wurde, und zwar zugunsten des 1.FC Nürnberg.
Die letzte entscheidende Grätsche glückte Maroh selbst, nach einem Freistoß von Neuzugang Adam Hlousek bugsierte der wieder starke Innenverteidiger den Ball aus kurzer Distanz zum 2:0 (1:0)-Endstand ins Tor (85.). Zuvor war Alexander Esswein viel gerannt und hatte einmal genial gezielt: Leicht abgefälscht war die Kugel „mit ein bisschen Glück“ (wie der Schütze fand) zum 1:0 (43.) ins Tor geflogen, und Esswein durfte sich am Ende ein wenig wie der Mann des Tages fühlen.
Nicht, weil er besonders gut gewesen wäre, er machte mehr falsch als richtig – aber weil er sich, wie jeder seiner Nebenleute, davon nie entmutigen ließ, ging alles gut aus. „Wir haben als Mannschaft sehr gut gearbeitet“, erklärte ein erleichterter Routinier Timmy Simons: „Wer einen Fehler gemacht hat, konnte sich darauf verlassen, dass ein anderer ihm hilft.“
Ob vieler Fehler gab es genug Gelegenheiten, Mannschaftsdynamik vorzuführen, deshalb gab es an der Berechtigung des hart erarbeiteten Erfolgserlebnisses keine Zweifel – auch wenn Vertreter des Hauptstadtklubs solche äußerten. Dass sich die Hertha irgendwie ganz gut fand, verblüffte ob der Vorstellung doch ein wenig; die Ansicht, man habe über weite Strecken „das Spiel kontrolliert und keine Probleme gehabt“, vertrat Berlins neuer Trainer Michael Skibbe zwar deswegen nicht ganz exklusiv, weil sie mancher seiner Profis teilte.
Aber bezüglich des Sinns für Realitäten hieß der Sieger so wieder Nürnberg, denn die Erleichterung war weitaus größer als die Begeisterung für die eigene Vorstellung.
„Alles klappt noch nicht“, konzedierte Simons; Trainer Dieter Hecking beschränkte sein Lob im Wesentlichen auf die kollektive Energie: „Es ist uns gelungen, Fußball zu arbeiten“ – wie, das sah man am einst gelben Trikot des guten Torwarts Raphael Schäfer; in schlammbraunem Gewand herzte der Kapitän am Ende alle Mitspieler.
Und ganz so selbstverständlich, bemerkte Hecking, sei das trotz des schlechten Gewissens nach dem fränkischen Brudertreffen im Pokalwettbewerb nicht gewesen, schließlich fehlte wegen Sperren und Verletzungen ein halbes Dutzend potenzieller Stammspieler. Aber wie Adam Hlousek als Vertreter des verletzten Javier Pinola auf der linken und Jens Hegeler als Notlösung auf der rechten Abwehrseite ihre anspruchsvollen Aufgaben bewältigten, nötigte Respekt ab.
Der dynamische Tscheche Hlousek (gegen Patrick Ebert) und Vielseitigkeitskünstler Hegeler (gegen Vasquez Ramos) trugen entscheidend dazu bei, dass die Defensive sicher stand, sehr zur Beruhigung von Hecking, der nun hofft, dass „die verletzten Spieler sich in Ruhe auskurieren können“ – mit dem in den Schlusssekunden eingewechselten Vize-Kapitän Per Nilsson gab schon am Samstag ein Langzeit-Patient sein Saisondebüt.
Einen „ersten Schritt, um die Fans zurückzugewinnen“, nannte Jens Hegeler den Nachmittag, und selbst in der Fankurve entdeckte man bei genauerem Hinsehen auch schon wieder Aufmunterung. „1.FCN 1000, Fürth 0“ stand auf einem Plakat zum Bundesliga-Jubiläumsspiel. So viel Selbstbewusstsein ist offenbar schon noch erlaubt.

Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12